Kalenderwoche 17: Erste Lockerungen in Deutschland laufen an. Was sagen Wirtschaftsexperten?

24.04. Der Biotech-Sektor hat sich in Zeiten von Marktturbulenzen und Rezession im historischen Vergleich gut gehalten, da die Nachfrage nach Medikamenten nicht von Konjunkturzyklen getrieben wird, so Pictet Asset Management. Wie das 12-Monats-KGV zeigt, ist die Branche so günstig wie seit Jahren nicht mehr, sowohl nominal als auch im Verhältnis zum breiteren Markt.

„Aktuell arbeiten die Wissenschaftler an der Entwicklung beziehungsweise Anpassung verschiedener Medikamente zur Bekämpfung der Pandemie. Unmittelbare  Priorität haben antivirale Medikamente, welche die Vermehrung des Virus im Körper stoppen oder verlangsamen. Ein weiterer Forschungsbereich betrifft die schwerwiegenden Komplikationen, die in den späteren Stadien der Virusinfektion auftreten.“
Lydia Haueter, Senior Investment Managerin bei Pictet Asset Management

 

23.04. AXA Investment Managers (AXA IM) hat zum Ende des ersten Quartals 2020 analysiert, wie Unternehmen mit unterschiedlichen ESG-Ratings in der Aktienbaisse abgeschnitten hatten. Das Ergebnis: Bis Ende März erwiesen sich sowohl Aktien als auch Anleihen mit höheren ESG-Ratings widerstandsfähiger als Anlagen mit niedrigen ESG-Ratings. Sie schnitten im vergangenen Quartal deutlich besser ab. Ein Aktienportfolio aus ESG-Vorreitern übertraf die ESG-Nachzügler im 1. Quartal 2020 um 16,8 Prozentpunkte (Vergleichsgrundlage: MSCI All Countries World Index). Ein Unternehmensanleihen-Portfolio, das sich aus ESG-Vorreitern zusammensetzt, schnitt im gleichen Zeitraum um 5,2 Prozentpunkte besser ab als ESG-Nachzügler. Für die Analyse wurde der Bloomberg Barclays Global Corporate Aggregate Bond Index als Basisindex verwendet.

 

22.04. Im Zuge der aktuellen Coronavirus-Krise wurden Unternehmensanleihen zunächst wahllos abverkauft. Doch das könnte sich jetzt ändern: Mit dem Eintritt in eine neue Phase wird der Handel zunehmend selektiver, so Schroders.

„Die Märkte für Unternehmensanleihen haben einige schmerzhafte Wochen dessen durchgemacht, was wir als ‚Phase eins‘ der Reaktion auf die Covid-19-Krise bezeichnen: Wahlloser, panikartiger Ausverkauf und ein Einfrieren des Marktes. Die Liquidität war sehr gering, so dass es schwierig war, Anleihen zu kaufen oder zu verkaufen, und über einige Tage wurden keine neuen Anleihen ausgegeben.”
Patrick Vogel und Martha Metcalf, Schroders

 

22.04. Der Rückgang des Ölpreises spiegele einige „kurzfristige” Sorgen über die Lagerung wider, kommentiert Nadège Dufossé, Deputy Global Head of Multi-Asset bei Candriam. Es wurden Kürzungen der Ölproduktion vereinbart, die jedoch im Mai oder Juni angesichts des freien Falls der Nachfrage und des starken Anstiegs der Lagerbestände nicht ausreichen werden.

„Zur Erholung des Ölpreise bedarf es daher jetzt höherer Produktionskürzungen ab 1. Mai sowie besserer Perspektiven für die Nachfragesteigerung, die auf die Lockerung in den verschiedenen Ländern folgen sollten. Auswirkungen auf Aktien sehen wir hauptsächlich im Energiesektor, wobei es in puncto Anleihen hauptsächlich den US-High Yield-Sektor betrifft. Der Preisrückgang hat zudem auch Auswirkungen auf die Inflation und die Zinssätze (negativ).“

Nadège Dufossé, Deputy Global Head of Multi-Asset bei Candriam

 

21.04. Aviva Investors, die global tätige Asset-Management-Gesellschaft des britischen Versicherers Aviva plc, rechnet laut ihrem aktuellen House View-Ausblick für das zweite Quartal 2020 damit, dass die angesichts des COVID-19-Virus verhängten Maßnahmen zur weltweit schwersten Rezession der Nachkriegszeit führen werden. Während die Gesundheitskrise anhält und weiter wächst, ist das Ausmaß der wirtschaftlichen Krise noch nicht vollständig spürbar, wird aber in seiner Tragweite beispiellos sein.

Unter diesen schwierigen Bedingungen zielt Aviva Investors mit ihren Anlagestrategien darauf ab, Kapital zu erhalten und nach Investment-Optionen zu suchen, deren Bilanzen stark sind und wo qualitativ hochwertige Vermögenswerte überbewertet wurden.

„Wir haben unsere bisher präferierte Übergewichtung von Staatsanleihen verstärkt. Die Zentralbanken werden unserer Meinung nach weiterhin darauf hinwirken, einfache monetäre Bedingungen aufrechtzuerhalten und gleichzeitig einen fiskalpolitischen Spielraum ohne höhere Zinsen zu schaffen. Unsere leichte Untergewichtung in Aktien reflektiert unsere Sorge, dass sich die wirtschaftliche Schwäche im Jahr 2020 in historisch schwachen Unternehmensgewinnen niederschlagen wird, die von den Märkten zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht vollständig eingepreist werden.”

Michael Grady, Head of Investment Strategy und Chief Economist bei Aviva Investors

 

20.04. Allein die in der zweiten Märzhälfte entfallenen Konsumausgaben verringern nach überschlägigen Rechnungen das Bruttoinlandsprodukt im ersten Vierteljahr wohl um etwas mehr als 1 Prozent, berechnet die Deutsche Bundesbank in ihrem aktuellen Monatsbericht. Zusätzlich zeichneten sich in der gesamten Breite der deutschen Wirtschaft massive Rückgänge der Aktivität ab. Von der Kurzarbeit sind mehr Arbeitnehmer betroffen als noch in der Finanzkrise. Im April dürfte die Zahl der Kurzarbeiter weit über eine Million steigen, so die Bundesbank-Fachleute. Denn die Zahl der potenziell bezugsberechtigten sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer läge heute um sechs Millionen höher und es wären mehr Branchen vom Wirtschaftseinbruch betroffen als vor elf Jahren.

„Die Coronavirus-Pandemie und die zu ihrer Eindämmung getroffenen Maßnahmen stürzten die deutsche Wirtschaft in eine schwere Rezession.”
Monatsbericht Deutsche Bundesbank April 2020

 

20.04. Aktien wachstumsorientierter Unternehmen (sogenannte Growth-Werte) dürften der Fondsgesellschaft Columbia Threadneedle Investments zufolge nach der Corona-Krise langfristig besser abschneiden als Aktien besonders günstig bewerteter Unternehmen (Value-Werte). In welcher Form die wirtschaftliche Erholung nach der Krise verlaufen werde, sei noch nicht abzusehen.

„In jedem Fall dürfte auf die erste Erholung eine lange Phase langsamen Wachstums folgen.”
Neil Robson, globaler Aktien-Chef bei Columbia Threadneedle

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