Kalenderwoche 22: Einschätzungen zur Entwicklung der verschiedenen Assetklassen im institutionellen Portfolio.

29. Mai: Wandelanleihen sind nicht Teil der Unternehmensanleihe-Ankaufprogramme der Zentralbanken. Das hat die Bewertungen verzerrt, wodurch Wandelanleihen Investoren höhere Renditen bieten als reine Unternehmensanleihen, so Lombard Odier IM.

“Große Teile des Marktes für Wandelanleihen belohnen Anleger jetzt mit einem erheblichen Carry und einer stark diskontierten Umtauschoption. Wir sind der Ansicht, dass diese Unterschiede und die dadurch entstehende Investmentchance durch die Intervention der Zentralbank mitverursacht wurde. Darüber hinaus halten wir die Aktien-Option von Wandelanleihen derzeit für günstig bewertet, insbesondere wenn man die implizite Volatilität und die Volatilität von Aktien in letzter Zeit vergleicht. Die Optionalität von Wandelanleihen bietet zudem langfristiges Exposure zu den zugrundeliegenden Aktien und damit zu ihrer Erholung. Schließlich sollten Anleger beachten, dass Wandelanleihen im Gegensatz zu reinen Krediten überwiegend von Wachstumsunternehmen mit geringem Fremdkapitalanteil ausgegeben werden. Technologie-, Gesundheits-, Industrie- und zyklische Konsumgüterunternehmen dominieren die Emission von Wandelanleihen. Das Exposure zu Energie-, Finanz- oder anderen stark fremdfinanzierten Sektoren ist gering.“
Maxime Perrin, von Lombard Odier IM

 

28. Mai: Die Bank of China brachte als erstes eine Anleihe heraus, die darauf abzielte, die Folgen aus der Pandemie resultierenden Arbeitslosigkeit möglichst gering zu halten. Bereits im Februar 2020 emittierte sie eine “soziale Anleihe zur Linderung der Auswirkungen von COVID-19”. Seit dem globalen Ausbruch von COVID-19 geben nun immer mehr Emittenten die von AXA IM als “COVID-19-Anleihen” bezeichneten Anleihen heraus.

„Diese Art von nachhaltigen Anleihen entstand als Reaktion auf die weltweite Ausbreitung des Coronavirus und dessen Folgen. Wir sehen COVID-19-Anleihen als gute Möglichkeit für die Herausgabe wirkungsvoller Schuldverschreibungen, die Ähnlichkeiten mit grünen und sozialen Anleihen aufweisen und sind davon überzeugt, dass sie dazu beitragen können, aktuelle und künftige gesellschaftliche Herausforderungen der Pandemie zu bewältigen.”
Marie Fromaget, Responsible Investment Analyst bei AXA Investment Managers (AXA IM)

 

27. Mai: Seit zehn Jahren bietet Federated Hermes einen globalen Ansatz im High Yield-Bereich. Anlässlich dieses Jubiläums erläutert Fraser Lundie, Head of Credit bei Federated Hermes, warum Anleger bei ihrer Suche nach Einkommen inmitten der Dividendendürre auf Hochzinsanleihen als langfristige und nachhaltige Alternative zurückgreifen sollten.

“Mit dem Verfall von Aktien, die in den letzten Jahren verlässliche, liquide und starke Erträge brachten, rückt vermutlich eine andere Anlageklasse in die Gruppe der Gewinner auf: Hochzinsanleihen. Eine Anlageklasse, die genau die eben genannten Eigenschaften aufweist – auch wenn Anleger Hochzinsanleihen in ihren Vorstellungen oftmals immer noch mit mehr Risiko assoziieren, als es der heutigen Realität angemessen ist. Die Zeit ist reif, sich vom einstigen Image zu lösen. Zum einen, weil renditeorientierte Anleger jetzt eher bereit sind, zuzuhören. Und zum anderen, weil die Anlageklasse selbst nun einer Prüfung standhält, die so vor einem Jahrzehnt noch nicht möglich gewesen wäre.

Das Segment der Hochzinsanleihen hat heute eine höhere Bonität als je zuvor – und wir können den Rating-Agenturen dafür danken. Ihre unmittelbare Krisenreaktion, alle Anleihen die einen Hauch von Zyklizität aufweisen, massiv herabzustufen, hat den Trend zu einer verbesserten Anleihequalität beschleunigt. Die Anlageklasse wird aktuell erstmalig seit Bestehen insgesamt mit der Bonitätsnote von BB- bewertet. Zudem beträgt der Anteil der mit der niedrigsten Bonitätskategorie CCC bewerteten Anleihen nur acht Prozent – und damit die Hälfte von vor zehn Jahren.”

Fraser Lundie, Head of Credit bei Federated Hermes

 

26. Mai: Können Anleger die Anleihen eines Emittenten positiv beurteilen, während sie seine Aktien negativ einschätzen? Dieser Frage ist Atlanticomnium, ein Partnerunternehmen von GAM Investments, nachgegangen.

“Die unterschiedliche Entwicklung nachrangiger Anleihen und Aktien von Banken, die Anleihen-Inhabern in den vergangenen fünf Jahren eine Outperformance von über 70 Prozent erbrachte, stellt eine faszinierende Fallstudie dar. Der Performance-Unterschied dieser Anlageklassen spiegelt zwei unterschiedliche Aspekte wider: Die Entwicklung der Bilanzen und die Entwicklung der Gewinne.

Einerseits profitierten die Anleihen-Inhaber von der Verschärfung der Regulierungsbedingungen, die zu einem Eigenkapital-Aufbau und zu einer Verringerung der Bankbilanz-Risiken führte. Die Fundamentaldaten der Banken waren noch nie stärker. Andererseits üben die niedrigen oder gar negativen Zinsen und der härtere Konkurrenzkampf Druck auf die Netto-Zinsmargen und die Erträge aus, während der Kapitalaufbau die Eigenkapitalrendite (ROE) mechanisch verringert – und damit auch die Ertragsaussichten für die Aktionäre beeinträchtigt.”

Romain Miginiac, Head of Research bei Atlanticomnium, einem Partnerunternehmen von GAM Investments

 

25. Mai: Dass die Lockerungsmaßnahmen im Mai die Stimmung in den deutschen Unternehmen etwas aufgehellt haben, beobachtet Union Investment. Die Konjunkturerwartungen, die für die Finanzmärkte entscheidende Komponente, haben nach dem Rekordtief im April ihren Tiefpunkt wohl durchschritten.

“Die Verbesserung resultiert auch aus den Erfolgen der Eindämmungsmaßnahmen gegen die Pandemie-Ausbreitung sowie der verfolgten Exit-Strategie. So sind bei einem möglichen Wiederaufflammen der Infektionsraten nur regionale und keine flächendeckenden Gegenmaßnahmen geplant. Dadurch hat sich die mit der Pandemie verbundene enorme Unsicherheit für die Unternehmen leicht verringert, was mehr Raum für Zuversicht lässt.
Auch die Konsumenten können besser planen, was das Wachstum unterstützt. Eine weitere Stimmungsaufhellung ist in der nächsten Zeit deshalb wahrscheinlich. Allerdings wird die Diskrepanz zwischen den besseren Frühindikatoren und den nach wie vor sehr schlechten realen Konjunkturdaten noch eine Zeit lang auszuhalten sein. Die Finanzmärkte werden aber wie bisher vor allem auf die Frühindikatoren achten.”

Dr. Jörg Zeuner, Chefvolkswirt Union Investment

 

25. Mai: Das erste Quartal war eine schwierige Zeit für Risikoanlagen. Die Situation für Emerging Markets-Schuldtitel (EMD) war nicht anders. Es waren Nettoabflüssen aus EMD-Fonds in Höhe von 29 Milliarden US-Dollar zu verzeichnen. Im Bereich der Hartwährungen waren die Credit Spreads von Staaten und Unternehmen die am stärksten betroffenen Segmente. Dies sei normalerweise bei einer „Liquiditätskrise“ zu erwarten, so die EMD-Experten von Eaton Vance in ihrem aktuellen White Paper.

Die Spreads weiteten sich deutlich aus. Der J.P. Morgan Emerging Markets Bond Index (EMBI) Global Diversified sank um 21,78 Prozent. Der J.P. Morgan Corporate Emerging Markets Bond Index (CEMBI) Broad Diversified nahm um 7,45 Prozent ab. Durch die Spread-Ausweitung bei Unternehmensanleihen entstanden zusätzliche 9,50 Prozent. Werden diese zur entsprechenden Spread-Entwicklung bei Staatsanleihen hinzugerechnet, so kostete die aggregierte Spread-Ausweitung den CEMBI fast 17,0 Prozent. Der starke Rückgang der Renditen der US-Treasuries wirkte sich positiv auf die EMD in Hartwährung aus. Er trug dazu bei, die Rückgänge in anderen Bereichen teilweise auszugleichen. Insgesamt verzeichneten der EMBI und der CEMBI Rückgänge in Höhe von 13,38 Prozent beziehungsweise 10,17 Prozent.

Bei EMD in Landeswährung war der Devisenhandel mit einem Rückgang von 13,90 Prozent die größte Belastung für den J.P. Morgan Government Bond Index – Emerging Markets (GBI-EM) Global Diversified. Das Sinken des Wechselkurses war für den größten Teil des gesamten Rückgangs von 15,21 Prozent gegenüber dem GBI-EM im Quartal verantwortlich. Der Ansturm auf den US-Dollar und andere Reservewährungen beschleunigte den Rückgang. Der Wechselkurs EUR-USD hatte hingegen einen schwächeren Einfluss auf die Index-Performance. “Für osteuropäische Emittenten betrachten wir den EUR-USD-Kurs als einen darin beinhalteten Risikofaktor für an den US-Dollar gebundene Währungen”, so das EMD-Expertenteam von Eaton Vance.

 

25. Mai: Die Corona-Pandemie trifft die deutsche Wirtschaft stark. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitgeteilt hat, ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im 1. Quartal 2020 gegenüber dem 4. Quartal 2019 – preis-, saison- und kalenderbereinigt – um 2,2 Prozent gesunken. Das war der stärkste Rückgang seit der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 und der zweitstärkste Rückgang seit der deutschen Vereinigung. Lediglich im 1. Quartal 2009 war der Rückgang mit -4,7 Prozent zum Vorquartal noch stärker. Obwohl die Ausbreitung des neuen Coronavirus die Wirtschaftsleistung im Januar und Februar nicht wesentlich beeinträchtigte, sind die Auswirkungen der Pandemie damit bereits für das 1. Quartal 2020 gravierend.

 

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