Kalenderwoche 20: Einschätzungen zur Entwicklung der verschiedenen Assetklassen im institutionellen Portfolio.

15.05. US-Aktien sind seit Jahresbeginn um “nur” 10 Prozent gefallen. Das ist nicht viel, wenn man bedenkt, dass die Weltwirtschaft vor einer ihrer schlimmsten Rezessionen in der modernen Geschichte steht, so OFI Asset Management.

„Der Schwere der Krise nach zu urteilen, können wir davon ausgehen, dass die Unternehmensgewinne in diesem Jahr um 35 Prozent bis 40 Prozent zurückgehen werden, was ein Kurs-Gewinnverhältnis (KGV) von etwa 27 für US-Aktien und 18 für Aktien der Eurozone für 2020 impliziert. Wenn wir berücksichtigen, dass 2020 ein außergewöhnliches Jahr ist, würde das KGV auf der Grundlage der bekannten Gewinne für 2019 bei 18 für US-Aktien und 15 für Aktien der Eurozone liegen. Dies scheint in der Tat realistischer zu sein, insbesondere da die Renditen von Staatsanleihen nahe Null liegen, signalisiert aber auch wenig Aufwärtspotenzial. Wir glauben daher, dass die Märkte in den kommenden Wochen unbeständig sein werden und sich phasenweise konsolidieren.”
Jean-Marie Mercadal, OFI Asset Management

14.05. In der Krise verschulden sich Länder weiter, da fiskalpolitische Rettungsprogramme aufgelegt werden und gleichzeitig die Steuereinnahmen wegbrechen. Für Anleihen-Anleger stellt sich die Frage, welche Länder dem Sturm trotzen können und ob sich eine Schuldenkrise anbahnt, so Pictet Asset Management in der monatlichen Analyse zu Fixed Income.

„Entscheidend bei der Bewältigung der Krise ist, wie die Staaten vor Covid-19 aufgestellt waren. Überall blähen sich die Haushaltsdefizite auf. Die Regierungen haben fiskalpolitische Rettungsprogramme in Höhe von 4,1 Prozent des potenziellen globalen BIP angekündigt, von denen fast die Hälfte aus den USA kommen wird. Dauern die Lockdowns jedoch länger als zwei Quartale an, müssen neue fiskalische Maßnahmen ergriffen werden, was für einige ohnehin schon stark verschuldete Länder zu Solvenzproblemen führen kann.“
Andres Sanchez Balcazar und Sabrina Khanniche, Pictet Asset Management

 

14.05. Bergos Berenberg erwartet für 2021 in den USA ein Wirtschaftswachstum von drei Prozent, sofern neue exogene Schocks ausbleiben.

“Die US-Unternehmen erwirtschaften einen Großteil ihrer Umsätze im eigenen Land. Die enormem Geldspritzen der Fed gewährleisten ausreichend Liquidität. Und, viele der Ultra Large Caps im S&P 500 gehören sektoral sogar zu den Gewinnern dieser heftigen Coronakrise, bestes Beispiel Netflix.”
Till Budelmann, Kapitalmarktstratege bei Bergos Berenberg

13.05. Der historische Einbruch des Ölpreises hat Hoffnungen geweckt, dass die CO2-Fußabdrücke dauerhaft niedriger bleiben könnten. Doch laut Robeco könnte dies Wunschdenken bleiben. Erstens bestehe Grund zu der Annahme, dass am Ölmarkt das Schlimmste bereits ausgestanden ist und sich die Situation im Zeitverlauf wieder aufhellt. Und zweitens könne die Nachfrage auch durch die Verbraucher gestützt werden, die – solange die Covid-19-Pandemie anhält – statt U-Bahnen, Bussen und Zügen nun häufiger das Auto nutzen.

„Das niedrige Preisniveau wird die Nachfrage verstärken. In der Vergangenheit ist ein niedriger Ölpreis der Konjunkturerholung vorausgegangen, da energieintensive Branchen die Situation nutzen…Die letztlich zu erwartende Erholung der Öl-Nachfrage bedeutet, dass auch die CO2-Emissionen wieder steigen werden, wie es nach der globalen Finanzkrise der Fall war.”
Peter van der Welle und Chris Berkouwer, Robeco

 

13.05. Erste Auswirkungen der Covid-19-Pandemie zeigten sich im März 2020 bereits sehr deutlich an den Kapitalmärkten, berichtet die Deutsche Bundesbank. Vor allem die heimischen Kreditinstitute und inländische Unternehmen spürten die geringere Nachfrage nach Anleihen und führten ihre Kapitalmarktverbindlichkeiten zurück. Die öffentliche Hand weitete ihre Verschuldung dagegen aus. Allerdings werden die im Zuge der Stützungsmaßnahmen bereits angekündigten hohen Neuemissionen am Anleihemarkt erst in den kommenden Monaten deutlicher spürbar werden.

So lag das Brutto-Emissionsvolumen am deutschen Rentenmarkt im März mit 116,4 Milliarden Euro unter dem Niveau des Vormonats (125,4 Milliarden Euro). Nach Abzug der Tilgungen und bei Berücksichtigung der Eigenbestandsveränderungen der Emittenten wurden im Ergebnis heimische Rentenwerte für 3,8 Milliarden Euro begeben. Zugleich ging der Umlauf ausländischer Schuldtitel am deutschen Markt um 3,9 Milliarden Euro zurück. Damit sank der Umlauf von Schuldverschreibungen in Deutschland im März um 0,1 Milliarden Euro, nachdem er im Monat davor um 41,8 Milliarden Euro gestiegen war.

 

12.05. Wirtschaftsverbände aus Deutschland, Frankreich und Italien fordern “einen umfassenden gesamteuropäischen Plan, der Grundstein für erfolgreiches Wirtschaften in der Zukunft legt.” Die gegenwärtige Situation werde ein in Friedenszeiten bisher unbekanntes Maß an öffentlicher Unterstützung erfordern.

“Die Reaktion der EU muss von beispielloser Tragweite sein. Um den Schaden für Wirtschaft und Gesellschaft in dieser Krise so gering wie möglich zu halten, braucht es eine starke finanzpolitische Reaktion mit einem hohen Maß an Solidarität für die besonders betroffenen Länder. Die Kommission muss die Finanzmittel im vorübergehenden Gemeinschaftsrahmen deutlich aufstocken, um Unternehmen nachhaltig bei ihrer Gesundung zu unterstützen. Ein europäischer Wiederaufbaufonds in angemessener Höhe sollte diese flankieren, um zusätzliche, dringend notwendige Stützungsmaßnahmen und gleiche Wettbewerbsbedingungen innerhalb der Union sicherzustellen.”
BDI-Präsident Dieter Kempf, Confindustria-Präsident Vincenzo Boccia und Medef-Präsident Geoffroy Roux de Bézieux

 

11.05. Der globale Liquiditätsschock an den Rentenmärkten wurde von den Zentralbanken mit dem Versprechen erheblicher fiskalischer Anreize abgefedert, so Lombard Odier Investment Managers. Die globalen Kreditmärkte werden in Zukunft wohl ähnliche Phasen durchlaufen werden wie in der Zeit nach 2008/2009. Dies dürfte zu eine Herabstufung der Ratings auf breiter Front sowie einem weltweiten Zyklus von Zahlungsausfällen führen. Was jedoch gleichzeitig zu einem gläubigerfreundlichen Umfeld führen dürfte. Unternehmen werden Assets verkaufen, Dividenden kürzen und Kosten senken, Investitionen reduzieren und Kapital beschaffen – aus Gläubigersicht sind das stützende Faktoren. Auch der Umgang mit Verbindlichkeiten wird sich positiv auf Hochzins- und Schwellenmarktkredite auswirken.

“Wir glauben, dass die Kreditmärkte in den kommenden Jahren eine Outperformance erzielen könnten, insbesondere bei einer anhaltenden U- oder sogar L-förmigen Erholung, da der Großteil des Anstiegs der Risiko- und Liquiditätsprämien hinter uns liegt. Des Weiteren gehen wir davon aus, dass große binnenfinanzierte Märkte wie China eine Bastion der Stabilität innerhalb der Schwellenländer bilden werden. Indien und Indonesien sind gut gerüstet, ihre Investment-Grade-Ratings für Staatsanleihen in dieser Krise beizubehalten, was die Aufschwungsstimmung in Asien stärken wird.“
Dhiraj Bajaj, Head of Asian Credit and Lead Portfolio Manager bei Lombard Odier Investment Managers

 

11.05. Die Coronakrise wird in vielen Branchen Jobs kosten, prognostiziert das ifo-Institut. Beschäftigte zu entlassen oder befristete Verträge nicht zu verlängern, beschlossen im April bereits 58 Prozent der Betriebe in der Gastronomie, 50 Prozent in Hotels und 43 Prozent der Reisebüros. In der Autobranche sind es 39 Prozent der Betriebe. Das ergibt sich aus der Konjunkturumfrage des ifo Instituts. Auch in anderen Branchen werden überdurchschnittlich viele Kündigungen ausgesprochen: Dies tun 57 Prozent der Unternehmen, die andere Arbeitskräfte vermitteln, 48 Prozent der Hersteller von Leder, Lederwaren und Schuhen, 30 Prozent der Druckereien und 29 Prozent der Hersteller von Metallerzeugnissen. Im Schnitt haben 18 Prozent der Betriebe in Deutschland Arbeitsplätze gestrichen.

 

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