Kalenderwoche 19: Setzt sich die Erholung an den Aktienmärkten fort?

08.05. Laut einer aktuellen GfK-Studie zur Konsumentenstimmung in der COVID-19 Epidemie glauben 33 Prozent der Befragten in Deutschland, dass sich ihre finanzielle Situation in den nächsten zwölf Monaten verschlechtern wird. Dies hat natürlich auch Einfluss auf ihr zukünftiges Konsumverhalten: Während ein Viertel auf ihren geplanten Urlaub verzichtet, wollen beispielsweise sieben Prozent den Kauf von Kleidung, Autos und Luxusgütern verschieben. GfK-Experten gehen davon aus, dass Verbraucher in Zukunft noch bedarfsorientierter einkaufen werden und digitale Services weiter an Bedeutung gewinnen.

 

07.05. Aktien und Unternehmensanleihen sind nach ihrem jüngsten Einbruch wieder in Schwung gekommen. Aber zu viel Zuversicht ist laut Luca Paolini, Chefstratege bei Pictet Asset Management. fehl am Platz. Zunächst einmal herrscht Ungewissheit darüber, wie sich der weltweite Ausstieg aus dem Lockdown vollziehen wird. Gleichzeitig kann eine zweite Welle von Coronavirus-Infektionen nicht gänzlich ausgeschlossen werden.

„Wir haben uns entschieden, bei Aktien, Anleihen und Cash unsere neutrale Positionierung beizubehalten, und haben die Allokationen zwischen regionalen Aktienmärkten und festverzinslichen Anlagen umgeschichtet, um den Risiken und Chancen Rechnung zu tragen, die sich in den kommenden Monaten ergeben werden.“
Luca Paolini, Chefstratege bei Pictet Asset Management

 

07.05. Die deutsche Industrieproduktion sank im März drastisch: Lässt man den Bausektor außen vor, so ging die Produktion im März um rund 12 Prozent gegenüber dem Februar zurück, so die DWS. Da der Lockdown erst im letzten Monatsdrittel verhängt wurde, wird klar, wie stark die deutsche Industrie betroffen ist. Die DWS geht davon aus, dass der Lockdown, der sich erst in den Aprildaten vollumfänglich zeigen wird, rund ein Drittel der Industrieproduktion skalpiert.

“Besonders betroffen ist wieder einmal die Autoindustrie. Im März verzeichnete sie einen Rückgang von rund einem Drittel. Ausweislich der Daten des deutschen Automobilverbandes, der schon seine Aprildaten veröffentlicht hat, ging die Pkw-Produktion im April um 97 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurück. Das Schlimmste wird also erst noch kommen.”
Martin Moryson, Chefvolkswirt Europa

 

06.05. Der reale (preisbereinigte) Auftragseingang war nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) im März 2020 saison- und kalenderbereinigt 15,6 Prozent niedriger als im Februar 2020. Dies ist der stärkste Rückgang seit Beginn der Zeitreihe im Januar 1991. Im Vergleich zum Vorjahresmonat März 2019 gab es einen kalenderberbereinigten Rückgang um 16,0 Prozent. Ohne die Berücksichtigung von Großaufträgen lag der reale Auftragseingang im Verarbeitenden Gewerbe saison- und kalenderbereinigt 15,5 Prozent niedriger als im Vormonat.

 

05.05. Nach Einschätzung von Columbia Threadneedle wird die US-amerikanische Wirtschaft erst im 4. Quartal 2022 wieder auf das Niveau vom 4. Quartal 2019 angewachsen sein. Zwei Jahre wird es laut Einschätzung der Analysten dauern, bis das BIP wieder das Vorkrisenniveau erreicht hat – vorausgesetzt, die erwarteten zweiten und dritten Infektionswellen angesichts verbesserter Vorbereitung moderater aus als die erste Anfang 2020.

 

05.05. Die COVID-19-Krise verdeutlicht, wie wichtig die Integration von Nachhaltigkeit für die Widerstandsfähigkeit von Portfolios ist, so Lombard Odier IM. Der Asset Manager stellt fest, dass in entwickelten Volkswirtschaften Unternehmen mit besseren ESG- und Nachhaltigkeitscharakteristiken während der jüngsten Krise besser abgeschnitten haben. Das könnte ihre bessere Anpassungsfähigkeit widerspiegeln sowie ihr überlegenes Risikomanagement, angesichts systemischer Störungen (einschließlich der Lieferkettenrisiken). Auch Green Bonds erweisen sich als defensive und widerstandsfähige Investments. Fast ein Dutzend Emittenten des öffentlichen Sektors haben Social Bonds ausgegeben, um Maßnahmen zur Krisenbewältigung zu finanzieren.

“Die Pandemie hat auch ein Licht auf die versteckten wirtschaftlichen und gesundheitlichen Kosten der Luftverschmutzung geworfen, die eine Ausbreitung von Infektionskrankheiten verstärkt und die Sterberate erhöht. Harvard-Forscher haben dies kürzlich direkt mit COVID-19 in Verbindung gebracht. Wir sind überzeugt, dass dadurch auch zukünftig die Aufmerksamkeit auf den dringend notwendigen Übergang zu saubereren Energie- und Mobilitätsformen gelenkt wird, was sich in fiskalischen Stimulierungsmaßnahmen niederschlagen dürfte. Dadurch werden langfristige Wachstumschancen und Wettbewerbsvorteile für entsprechende Unternehmen in unterschiedlichen Sektoren gefördert.”

Dr. Christopher Kaminker, Head of Sustainable Investment Research & Strategy bei Lombard Odier Investment Managers

 

05.05. Wenngleich sich die Stimmung der Anleger seit Ende März merklich verbessert hat, dürften die Aktienmärkte in den nächsten dennoch von Unsicherheit beherrscht werden, so der Vermögensverwalter Nuveen. Lichtblicke gibt es insbesondere für Investoren mit einem langfristigen Anlagehorizont.

“Aus unserer Sicht hat der Bärenmarkt seinen Tiefpunkt dank umfangreicher Konjunkturprogramme bereits erreicht. Und während in den kommenden Wochen zwar ein Ausverkauf von Aktien wahrscheinlich ist, sind die langfristigen Aussichten besser. Wir gehen daher derzeit davon aus, dass der S&P 500 am 23. März mit 2.192 Punkten sein absolutes Tief für die aktuelle Baisse bereits erreicht hat. Für Investoren mit langfristigem Anlagehorizont bieten sich daher Einstiegschancen, sofern sie kurzfristige Risiken tragen können.”

Bob C. Doll, Senior Portfolio Manager und Chief Equity Strategist bei Nuveen

 

04.05. Die gigantischen fiskal- und geldpolitischen Rettungspakete haben die Finanzmärkte zwar stabilisiert, so Jupiter Asset Management. Solange die Weltwirtschaft im Lockdown ist, werden diese Maßnahmen aber kaum eine bedeutende Wirkung entfalten. Im März trennten sich institutionelle Investoren selbst von den liquidsten Anlagewerten und sind in Barmittel geflüchtet.

“Unserer Ansicht nach sollten sich Anleger im weiteren Jahresverlauf auf eine Insolvenzphase einstellen, wenn hoch verschuldete Unternehmen und in einigen Schwellenmärkten auch staatliche Emittenten durch das schwache Wirtschaftswachstum in den Zahlungsausfall getrieben werden. Hohe Schuldenquoten lassen sich nur mit Wachstum und Cashflows aufrechterhalten – beides wird bis auf weiteres knapp sein. In einem solchen Umfeld sind gründliche Kreditanalysen extrem wichtig.”
Ariel Bezalel und Harry Richards, Jupiter Asset Management

 

04.05. Wandelanleihen weisen im Falle von Marktkorrekturen ein geringeres Risiko auf. In Aufwärtsmärkten werden sie indes wieder risikoreicher. Wandelanleihen mit guter Bonität haben sich seit Ende Februar, während des historischen Einbruchs der globalen Aktienmärkte, als Puffer bewährt, so Lombard Odier Investment Managers.

“Diese willkürliche Korrektur hat die Chancen von Einzeltiteln in den Vordergrund gerückt, da sie im Investment-Grade-Universum nun mit größeren Spreads (und damit höheren Renditen) gehandelt werden als ihre reinen Anleihe-Pendants. Darüber hinaus ist die Aktienoption trotz ihrer oft mittelfristigen Laufzeit von zwei bis vier Jahren ein attraktiver Bonus für Investoren. Wir sehen zudem attraktive Chancen zum Re-Risking: So beobachten wir derzeit wieder mehr ausgewogene Wandelanleihe-Profile (hohe Bondfloors kombiniert mit einer vernünftigen Aktienoption) von Wachstumsunternehmen, die starken säkularen Trends ausgesetzt sind. Diese waren zuvor für unsere ausgewogenen Strategien zu aktiensensitiv und damit zu weit von ihrem Bondfloor entfernt.“
Maxime Perrin, Client Portfolio Manager and Senior Analyst Convertible Bonds bei Lombard Odier Investment Managers

 

04.05. Die Aktienmärkte erholten sich im April deutlich. In den USA heizte das Fiskalpaket die Kauflust an. Der S&P 500 erzielte mit einem Plus von 13 Prozent die beste monatliche Performance seit Januar 1987. Auch die europäischen Märkte profitierten von der Hoffnung auf Lockerung der Eindämmungsmaßnahmen und rückläufigen Neuinfektionen. Nachdem die Volatilität im März fast ein Rekordniveau erreicht hatte, ging sie auf eines normales Niveaus zurück. Der europäische VSTOXX schloss den April bei 33,91 Punkten. Dies ist zwar ein nach jüngsten Maßstäben niedriger Wert, zeigt aber dennoch an, dass Aktien noch nicht über den Berg sind, sagt Chris Bennett, Director, Index Investment Strategy at S&P Dow Jones Indices.

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