Die Blockchain-Technologie wird die Finanzindustrie umwälzen. Wie stark und wie schnell ist allerdings noch offen.

Unter dem Titel „Blockchain: Eine disruptive Technologie oder Hype?“ analysiert Patrick Kolb, Fondsmanager bei Credit Suisse, das Potential der sogenannten Distributed-Ledger-Technologie. Er sieht einen „attraktiven, langfristigen Wachstumsbereich, bei dem wir noch ganz am Anfang stehen.“

Kolb erwartet ein bekanntes Muster: Bei der Einführung bahnbrechender Technologien folgen auf überhöhte Erwartungen kurzfristige Enttäuschungen, wobei die ursprünglichen Erwartungen letzte Endes erfüllt und langfristig übertroffen werden. Wie bei der Einführung des World Wide Web, das 1980 entwickelt wurde, zur Dot-Com-Blase-führte und dann 20 Jahre später als Internet weit verbreitete Akzeptanz fand.

Seit 2012 wurde in den Bereich Blockchain bereits Risikokapital in der Höhe von 1,3 Milliarden Dollar investiert. Treiber ist vor allem die Finanzindustrie, die mit der neuen Speicher-Technologie ihre Infrastrukturkosten bis 2022 um 15 bis 20 Milliarden Dollar pro Jahr senken möchte. Die Blockchain soll bestehende IT-Infrastrukturen überholen, die Transaktionen schneller abwickeln und Wertpapierbörsen vereinfachen.

Hohe Erwartungen

Die Erwartungen gehen noch weiter. Die Anwendungen reichen dabei von der Speicherung von Kundenidentitäten über die Abwicklung des grenzüberschreitenden Zahlungsverkehrs bis hin zu Clearing und Settlement von Anleihen- und Aktiengeschäften sowie zur Ausführung von Smart Contracts. Bestehende Marktplätze können umgangen und neue Vertriebskanäle lanciert werden. Allerdings wird die neue Technologie auch neue regulatorische und gesetzliche Normen erfordern.

Laut einer Studie des Beratungsunternehmens Deloitte stehen zahlreiche Branchen vor einem Umbruch. Während die Finanzindustrie mit erheblichen Auswirkungen rechnet, gilt die Baubranche als wenig von der Blockchain-Disruption betroffen. Die Credit-Suisse-Analyse geht davon aus, dass sich bestimmte Funktionen in einfachen, transaktionsbezogenen Anwendungsfällen automatisieren lassen. Ehe die Anwendungen skaliert werden, müsse aber noch eine Reihe von Fragen und Problemen gelöst werden.

Hausaufgaben zu lösen

Konkret fehlt noch eine Standard-Plattform. Es werden daher voraussichtlich mehrere Blockchain-Plattformen entstehen, um die verschiedenen Anwendungen abzudecken. Für den flächendeckenden Einsatz braucht es indes Branchenstandards, damit die Plattformen untereinander kompatibel sind.

Zudem ist eine kritische Größe unverzichtbar, damit die Netzwerkeffekte auch wirken. Eine Knacknuss ist ferner die Integration der Blockchain-Technologie in die bestehende IT-Infrastruktur. Das Internet der Dinge bringt weitere Angriffsflächen für Manipulationen und die IT-Sicherheit wird noch wichtiger. Was geklärt sein muss, sind die Verantwortlichkeiten bei einer Hackerattacke oder bei Softwarefehlern, aber auch Fragen betreffend Datenschutz, Compliance und der Unterbindung von betrügerischen Aktivitäten wie der Geldwäsche. Fazit: Es gibt keine Chancen ohne Risiken.

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