Die Bundesregierung treibt das Thema voran. Viele institutionelle Investoren hadern noch mit der Blockchain. Sind die Zweifel berechtigt? Erika Neufeld hat sich umgehört.

Noch ist der Markt der Blockchain weiter als der rechtliche Rahmen. So genehmigt die BaFin schon jetzt elektronische Schuldverschreibungen, obwohl die zivilrechtlichen Grundlagen in der Gesetzgebung fehlen. „Warum macht die BaFin das? Weil für sie die Handelbarkeit das zentrale Kriterium für die Existenz eines Wertpapiers ist und nicht das Zivilrecht“, erläutert Martina Hertwig, Partnerin und Wirtschaftsprüferin bei Baker Tilly. Insgesamt erfolgten bislang fünf Security Token Offerings (STO), davon drei im Immobilienbereich, berichtet Hertwig. Weitere STOs seien in Planung.

Die Einführung von elektronischen Wertpapieren und die Regulierung des öffentlichen Angebots bestimmter Krypto-Token hat das Bundesministerium der Finanzen gemeinsam mit dem Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz vor rund einem Jahr zur Diskussion gestellt. Das Eckpunktepapier will das deutsche Recht auch für elektronische Wertpapiere öffnen – vorerst aber nur für elektronische Schuldverschreibungen. Elektronische Aktien sollen zu einem späteren Zeitpunkt eingeführt werden.

Die Tokenisierung von Schuldverschreibungen hat begonnen

Auch in der „neuen Welt“ hat der Emittent für die Anleihebegebung einen klassischen Wertpapierprospekt zu erstellen. In diesem legt er fest, welche Blockchain und Token-Form genutzt werden soll. Genehmigt wird der Prospekt durch die BaFin. Weitere Intermediäre sind aktuell nicht notwendig. Künftig soll eine staatlich beaufsichtige Bank das Wertpapierregister führen, das öffentlich und im Internet zugänglich sein soll.

Bitbond ist das Unternehmen mit dem ersten Security Token in Deutschland. Im Februar 2019 erhielt es die Erlaubnis der BaFin, virtuelle Wertpapiere auszugeben. Das macht Bitbond im Rahmen nachrangiger Schuldverschreibungen. Die Zeichnung war ab März 2019 möglich und ist jetzt geschlossen.

Nach Einschätzung von Martina Hertwig sind die technischen Risiken bei Security Tokens nicht sehr hoch. „Wenn der Vermögensgegenstand erst einmal tokenisiert ist, sind die Risiken unseres Erachtens fast ausgeschlossen“, erklärt sie. Sie rät dazu, das Augenmerk auf das Investment oder Asset selbst zu legen. Ihre Prognose: In den nächsten fünf Jahren werden mindestens zehn Prozent aller Wertpapiertransaktionen Blockchain-basiert abgewickelt. Nicht nur Schuldverschreibungen, sondern auch Aktien und andere Wertpapiere werden tokenisiert werden.

Entwicklungen schreiten in Siebenmeilenschritten voran

Weltbekannte Unternehmen tüfteln schon seit einigen Jahren an Blockchain-Projekten, die den Finanzmarkt, so wie wir ihn heute kennen, revolutionieren könnten. Erstes Beispiel die Daimler AG: Mitte März 2020 hat sie gemeinsam mit der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) erstmals ein voll digitales Schuldscheindarlehen ausgegeben. Das Darlehen hat ein Volumen von 25 Millionen Euro und wird in einer Laufzeit von zwei Jahren ausgezahlt. Mit Hilfe der Distributed Ledger Technologie (DLT) und elektronischer Signatur wurde die Transaktion durchgängig digital von der LBBW abgewickelt.

Continental, Siemens und die Commerzbank haben vor rund einem Jahr, im Januar 2019, ein gemeinsames Pilotprojekt gestartet. Im Rahmen einer Testtransaktion wurde erstmalig ein Geldmarktpapier – ebenfalls ein klassisches Schuldverschreiben – zwischen Unternehmen blockchain-basiert abgewickelt. Die Transaktion umfasste ein Volumen in Höhe von 100.000 Euro. Dank Blockchain konnte die Transaktion in Minuten statt Tagen abgewickelt werden.
Die Ergebnisse zeigen: Die Entwicklungen schreiten in Siebenmeilenschritten voran. Das blockchain-basierte Wertpapiergeschäft – das Wertpapiergeschäft der Zukunft – rückt damit immer näher.

Der „digitale Strukturwandel“ ist im vollen Gange

Aktuell befinde sich der Markt um Kryptowerte in einer spannenden Phase, meint Daniel Höfelmann, Director Innovation Management bei der Aareal Bank AG. „Wir erleben einen „digitalen Strukturwandel“, der weiter voranschreiten und alle Marktteilnehmer früher oder später erreichen wird. Fakt ist, dass Krypto-Assets im Finanzmarktumfeld zunehmend an Bedeutung gewinnen werden“, beobachtet Höfelmann. Die Reaktion auf die angekündigte Facebook-Digitalwährung „Libra“ zeige die Dynamik dieser Technologie. Gleichzeitig offenbart sie aber auch die Ungewissheit darüber, welchen Stellenwert sie wie schnell im Finanzmarkt einnehmen wird. Staatliche Institutionen werden eine große Rolle dabei spielen, wie sich der Markt um die Krypto-Assets weiterentwickeln wir, so Höfelmann weiter.

Investoren, die an das Potenzial der Blockchain-Technologie glauben, aber nicht unmittelbar in Kryptowerte investieren wollen, können auch mit klassischen Finanzprodukten an der neuen Technologie partizipieren. Die ersten Produkte sind bereits auf dem deutschen Markt, darunter etwa der Invesco Elwood Global Blockchain ETF und der Chainberry Equity-Fonds von Hansainvest.

Der Blockchain-ETF von Invesco sei für eine Vielzahl an Investoren von Interesse, berichtet Dr. Christopher Mellor, Produktmanager bei Invesco ETF in London. Typischerweise sei diese Art von thematischem ETF bei Privatbanken und Family-Office-Investoren am beliebtesten. Der Index verfolgt die Weiterentwicklung von Unternehmen weltweit, die sich am Blockchain-Ökosystem beteiligen. Darunter sind Unternehmen, die sich blockchain-bezogenen Aktivitäten, wie etwa der Herstellung von Kryptowährungen („Kryptomining“), widmen. Umfasst werden auch Unternehmen, die sich an blockchain-bezogenen Finanzdienstleistungen, Zahlungssystemen oder Technologie-Lösungen beteiligen.

„Die Aussichten für den ETF und die zukünftige Entwicklung der Strategie sind offensichtlich mit den Aussichten für die Blockchain selbst verbunden. Wir erwarten, dass die Verwendung von Blockchain sowohl in öffentlichen, typischerweise auf Kryptowährungen bezogenen, als auch in privaten, typischerweise auf Unternehmen bezogenen, Systemen weiter zunehmen wird, prognostiziert Mellor.

Blockchain hat Potenzial, die Weltwirtschaft zu verändern

Der Chainberry Equity-Fonds von Hansainvest und Chainberry investiert nicht in Kryptowährungen, sondern in Unternehmen mit technologischen Blockchain-Bezug. Das Zusammenwachsen von Blockchain mit Künstlicher Intelligenz (KI) und dem Internet of Things werde zu radikalen strukturellen Veränderungen der Weltwirtschaft führen, so heißt es im Fondsportrait des Anbieters.

“Vertrieblich waren wir bislang vor allem auf das Retail-Segment fokussiert. Typischer Weise beschäftigen sich institutionelle Anleger nur mit Fonds, die einige Zeit auf dem Markt sind und entsprechenden Track-Record aufgebaut haben“, sagt Karsten Müller, Geschäftsführer von Chainberry. Er erwartet, dass der Fonds nach knapp eineinhalb Jahren seit Auflegung langsam auch für den institutionellen Anleger interessant wird.

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