Über Kryptowerte zur Portfolio-Diversifikation und die Herausforderung des Krypto-Custodys sprach Erika Neufeld mit Jan Brzezek und Stijn Vander Straeten, Geschäftsführer bei Crypto Storage AG, Tochtergesellschaft der Crypto Finance AG.

Was zeichnet die Crypto Finance AG aus?

Brzezek: In der neuen Welt fehlt häufig das Verständnis vom Banking. Unser Ziel ist es, die alte und neue Welt zu verbinden. Das machen wir über drei Gesellschaften, die wir in der Crypto Finance Gruppe haben: Das Asset Management, also eine Vermögensverwaltungsgesellschaft, dann haben wir ein Brokerage Business, wo wir Kryptowerte handeln, und als Drittes das Infrastruktur Business. Viele unserer Mitarbeiter kommen aus dem Bankenbereich, sie verstehen die alte Welt.

Wie bieten Sie institutionellen Anlegern Zugang zu ihren Produkten?

Brzezek: Im Bereich Asset Management mit Crypto Fund AG sind wir seit eineinhalb Jahren ein regulierter Asset Manager und Vermögensverwalter für Fonds. Einerseits haben wir den Indexfonds: Den Index haben wir mit der Schweizer Börse zusammen entwickelt. Anderseits haben wir vor einen Hedge Fonds, unseren Flagship-Fonds, den wir vor zwei Jahren aufgebaut haben. Da handeln wir Bitcoin Futures an der Chicago Mercantile Exchange (CME). Damit bieten wir den Investoren über ein reguliertes Vehikel – ein regulierter AIF aus Liechtenstein – Zugang zu dieser Anlageklasse ohne den operativen Risiken die im Krypto Sektor häufig vorhanden sind.

Weil der Basiswert so volatil ist, das Asset beispielsweise von 1000 auf 4000 und von 4000 auf 14.000 gehen kann, lässt sich dies gut über ein Trend Following Modell spielen. Das ist spannend für institutionelle Anleger, die Hedge-Fonds-orientiert sind oder bereits in CTAs investiert sind. Im letzten Jahr haben wir eine Performance von 111 Prozent erwirtschaftet. Ins neue Jahr sind wir aktuell mit über 30 Prozent unterwegs.

Wie lassen sich die „alte und neue Welt“ im Bereich Brokerage verbinden?

Brzezek: In der traditionellen Welt handeln die wenigsten Banken selber an den Aktienbörsen oder agieren über Broker. Sie machen es meist über eine große Bank, etwa über die UBS, Commerzbank oder Deutsche Bank. Das machen wir auch. Unser Kunde braucht nur einen Account und erhält Zugang zu den 14 größten Brokern und Börsen im Kryptobereich weltweit.  Auch hier ist die Kundenbasis im institutionellen Bereich tätig: Banken oder Fonds, die Kryptowerte zur Portfolio-Diversifikation kaufen.

Wer in Kryptowerte investiert, hat sich den Herausforderung des Custodys zu stellen. Wie sicher ist Ihre Verwahrungslösung?

Vander Straeten: Wer im traditionellen Zahlungsverkehr über SWIFT einen Fehler macht, kann in 99,5 Prozent aller Fälle die Zahlung wieder rückgängig machen. Bei der Blockchain-Technologie geht das nicht. Wer hier eine falsche Adresse eingibt, also nicht weiß, wer hinter der Adresse steht, verliert seine Vermögenswerte. Gerade deshalb ist es so wichtig, dass nicht nur die Verwahrung des Private Keys sicher ist – und das kann man heute sehr sicher gestalten -, sondern auch die Diligence auf der Transaktion. Denn im Gegensatz zum Zahlungsverkehr kann ich die Transaktion nicht rückgängig machen.

Entwickelt haben wir unsere Storage-Technologie mit einem, in der Schweiz sehr bekannten, Security Provider, den auch die Schweizer Nationalbank nutzt. Diese Lösung vertreiben wir an professionelle Finanzintermediäre. Das Flagship-Projekt unseres Hauses ist die Bank Swissquote. Die Retailbank erlaubt ihren Kunden, Ein- und Auszahlungen der fünf größten Kryptowährungen sowie Handel durchzuführen. Das passiert auf unserer Infrastruktur – gestored wird bereits ein dreistelliger Millionenbetrag.

Seit einigen Monaten sind Sie nun auch in Deutschland tätig.

Brzezek: Auf der Asset Management Seite ist eines unserer Produkte zum Vertrieb in Deutschland zugelassen. Auf der Brokerage Seite haben wir bereits eine Wertpapier-Lizenz beantragt, die wir auch im Laufe dieses Jahres bekommen. Storage ist nicht direkt als Infrastruktur-Anbieter reguliert, aber wir werden die Bafin-Lizenz für das Verwahrgeschäft beantragen. Weil wir schon im letzten Jahr im Verwahrgeschäft tätig waren, ist uns eine Übergangsfrist von der Bafin eingeräumt worden. Bis Ende September müssen wir der Bafin einen vollen Antrag einreichen. Wie der Antrag auszusehen hat, dazu muss sich die Bafin noch zu äußern. Die Details sind noch nicht ausgearbeitet.

Vander Straeten: In der Schweiz sind wir nur technischer Provider der Verwahrungslösung. In Deutschland, mit der Änderung des Kreditwesengesetz, haben wir nun Klarheit. Mit dieser Änderung sehen wir uns im kompetitiven Vorteil, da unsere Corporate Governance schon auf Bankenniveau angesiedelt ist. Das wollen wir nun nach Deutschland replizieren.

Wie bauen Sie das Verwahrgeschäft mittelfristig auf?

Vander Straeten: Operativ und technisch ist alles aufgesetzt. Wenn heute ein Kunde anruft, wird er geserviced. Zudem denken wir über ein mögliches Passporting in andere europäische Länder nach. Denn sollte es zu einem Durchbruch kommen, wäre der europäische Markt extrem groß. In der Schweiz waren wir bisher Vorreiter. Wenn aber der Markt bricht – mit Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien – dann ist der Schweizer Markt Kindergarten dagegen.

Brzezek: Wir werden unsere Internationalisierung-Strategie weiter ausbauen, die wir gerade umsetzen. Deutschland ist nur ein Bereich, wo wir hingehen. Auch in London und Asien sind wir sehr stark engagiert.

Man munkelt, dass viele Institutionelle in Kryptowährungen investieren möchten…

Brzezek: Ja, aber noch sind nicht viele drin. Warum? Weil beispielsweise J.P. Morgan, Northern Trust oder Goldman Sachs noch kein Custody Offering haben. Fakt ist, dass alle Großbanken in Deutschland, den USA oder des UK an Custody-Lösungen arbeiten. In den nächsten drei Jahren werden sie definitiv Custody-Lösungen anbieten.

Vander Straeten: Ich mache mir nichts vor: Pensionskassen würden bei uns keine 300 Millionen hinterlegen, dafür ist unser Balance-Sheet zu klein. Wir glauben aber, dass wir mit einem starken Partner an der Seite, das wettmachen könnten. Sollten wir es alleine machen, werden wir die mittleren Vermögenswerte anziehen.

Herr Brzezek, Herr Vander Straeten, ich danke Ihnen herzlich für das Gespräch!

Aktuelle Beiträge

Alles Wichtige für institutionelle Investoren - Kompetent und unabhängig - Jede Woche neu
NEWSLETTER KOSTENLOS ABONNIEREN »
Alles Wichtige für institutionelle Investoren - Kompetent und unabhängig - Jede Woche neu
NEWSLETTER KOSTENLOS ABONNIEREN »