Institutionelle Investoren stocken ihre Allokation in Krytowährungen wie dem Bitcoin angesichts der jüngsten Kursgewinne auf. Doch sie sollten sich vor allem mit der zugrunde liegenden Technologie – der Blockchain – beschäftigen, so die Überzeugung von Invesco.

Der Bitcoin hat seit Jahresbeginn 2021 rund 85 Prozent an Wert gewonnen. Angesichts dieser rasanten Kursgewinne erhöhen auch institutionelle Investoren ihre Allokationen in digitale Währungen. Die Kryptowährungen scheinen sich damit als eigene Anlageklasse zu etablieren, so Invesco-Chefökonom John Greenwood und Senior Economist Adam Burton. Doch der wahre Wert liegt in der zugrunde liegenden Technologie, der Blockchain.

Bitcoin: “Hochspekulative Anlageklasse”

Die Kryptowährung sei im Grunde genommen nichts anderes ist als „ein auf Dollar lautender, rohstoffähnlicher Vermögenswert“ und somit eine „hochspekulative Anlageklasse ohne offensichtliche intrinsische, langfristige Vorteile gegenüber anderen Anlageklassen wie Aktien, Anleihen oder Immobilien“, lautet das Urteil der Invesco-Experten

Im Jahr 2020 habe der Bitcoin-Kurs vor allem von der außerordentlichen Liquiditätsausweitung der globalen Zentralbanken als Reaktion auf die Corona-Krise profitiert. „Dieser Tsunami der Geldschöpfung hat sich seit März 2020 erheblich auf US-Dollar-Assets ausgewirkt. Unserer Ansicht nach ist Bitcoin auf dieser Welle mitgeritten“, sagt Greenwood.

Die Ökonomen erwarten eine Achterbahnfahrt des Bitcoin-Kurses. „Wir haben den Eindruck, dass derartige digitale Währungen einfach zu kaufen, aber nur sehr schwer zu verkaufen sind, rechnen hier also mit einer sehr großen Geld-Brief-Spanne, vor allem in einem fallenden Markt“, warnen sie. Es helfe dabei wenig, dass der Markt immer noch relativ illiquide ist. Mehr als 90 Prozent des aktuellen Bestands an Bitcoins liegen auf etwa 2 Prozent der bestehenden Konten in der Blockchain.

Bitcoin: Absturz bei steigenden US-Zinsen?

Ein wichtiger Test für digitale Währungen werde sein, wie sie auf anziehende Inflation und höhere Zinsen reagieren werden. „Wir vermuten, dass Bitcoin wieder abstürzen wird, wenn die US-Zinsen in nennenswertem Umfang nach oben drehen“, so Greenwood.

Letztlich habe der Bitcoin nicht allein dadurch, dass das Angebot begrenzt ist, einen inneren Wert. Zudem fehle eine Dividenden- oder Ertragsrendite einer Aktienanlage oder der Kupon einer Anleihe. Somit seien auch keine Analysen von Spreadunterschieden möglich.

Auch die drei grundlegenden Merkmale von Geld erfüllt der Bitcoin nicht. Er sei kein stabiler Wertspeicher, wie die starken Kursausschläge der Vergangenheit zeigen. Auch gebe es potenziell viele digitale Konkurrenten, die den Wert von Bitcoin aushöhlen könnten.

Er könne zudem niemals als Geldmenge für eine Volkswirtschaft fungieren, da der gesamte nominale Bestand an Bitcoin durch seinen ursprünglichen Code begrenzt sei und sich der ausstehende Bestand an Bitcoin nicht steuern ließe. Aus makroökonomischer Sicht müsse eine Geldmenge jedoch „elastisch“ sein. „Wie bei Gold und Silber gilt auch hier: Wenn Bitcoin als Währung in diesem Sinne dienen sollte, hätte jede starke Aufwertung katastrophale Folgen für die betroffene Wirtschaft“, so Greenwood.

Bitcoin-Transaktionen langsam und teuer

Auch erfülle Bitcoin die dritte der grundlegenden Eigenschaften von Geld noch nicht – die Tauschmittelfunktion. Zwar haben Paypal und Venmo angekündigt, dass Kunden ihre Einkäufe bei Verkäufern der Website mit digitalen Währungen bezahlen können. Auch Tesla erwägt, Bitcoin zu akzeptieren. Ein reguläres, weithin anerkanntes und nahezu sofortiges Zahlungsmittel seien Kryptowährungen aber noch nicht.

Dies liege daran, dass Transaktionen mit digitalen Währungen über die Blockchain langsam, umständlich und teuer sind. „In diesem Sinne wird Bitcoin in absehbarer Zeit nicht zu einem ernstzunehmenden Konkurrenten von konventionellem Geld werden“, sagt Greenwood.

Der Digitalisierung von Währungen gehöre zwar die Zukunft. Erfolgreich würden diese aber nur als Teil des bestehenden Finanzsystems mit einem stabilen monetären Rahmen sein. „Die Gesellschaft wird zwischen zwei potenziellen Architekturen wählen müssen: einem Zahlungssystem mit einer vertrauenswürdigen zentralen Autorität, das heißt einer Zentralbank, oder einem dezentralen System, ähnlich wie Bitcoin“, so Greenwood. Für das Überleben der privat ausgegebenen digitalen Währungen sei künftige Regulierung daher absolut entscheidend.

„Der Wert der Digitalisierung liegt in der zugrunde liegenden Technologie – der Blockchain – und nicht im Vermögenswert – Bitcoin“, ist Greenwoods Fazit.

Die BaFin etwa hat das  Kryptoverwahrgeschäft als Finanzdienstleistung in das Kreditwesengesetz (KWG) aufgenommen. Und die Tokenisierung von Real Assets wie etwa Kunst verbreitet sich auch immer mehr.

 

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