Wie Unternehmen ihr Kapitalanlagemanagement auslagern können

Die Auslagerung des gesamten Kapitalanlagemanagements an einen Fiduciary Manager hat sich für kleinere und mittelgroße Pensionseinrichtungen zu einer Lösung für viele Herausforderungen entwickelt. Anlageverantwortliche können sich durch die Zusammenarbeit mit einem Fiduciary Manager auf die Eckpfeiler der Anlagestrategie und das Tagesgeschäft konzentrieren. Zusätzlich erhalten sie einen besseren Zugang zu alternativen Anlagen und profitieren von besseren Konditionen.

Ein professionelles Kapitalanlagemanagement ist für Einrichtungen der betrieblichen Altersversorgung vor dem Hintergrund der gestiegenen Herausforderungen zwingend notwendig. Aktuell sorgen vor allem die steigende Komplexität von Finanzprodukten, das historisch tiefe Zinsniveau, der demografische Druck und die wachsende Komplexität der Versorgungsregelungen für erhöhten Handlungsdruck.

Wegen der hierzulande üblicherweise niedrigen Aktienquoten und des Fokus’ auf festverzinslichen Wertpapieren reichen die Renditen oft nicht mehr aus, um die Pensionszusagen der Begünstigten zu finanzieren. Besonders herausfordernd ist all dies, da die personellen Ressourcen bei den Anlageverantwortlichen limitiert beziehungsweise durch das Tagesgeschäft weitgehend gebunden sind. Es sind also grundsätzlich neue Lösungen gefragt.

Anleger haben ihre gesamte Kapitalanlage auf den Prüfstand zu stellen

Pensionseinrichtungen begegnen diesen Herausforderungen höchst unterschiedlich. Das Spektrum reicht dabei von Schockstarre über das beständige Hinaufklettern auf der Risikoleiter bis hin zu Leistungskürzungen. Dies war nicht zuletzt im Tarifstreit der Deutschen Bahn und der Gewerkschaft GDL ein besonders heiß diskutiertes Thema.

Vor allem kleinere und mittelgroße institutionelle Investoren, deren Anlagefokus und Expertise traditionell stark auf Renteninvestments liegen, tun sich mit den aktuellen Herausforderungen schwer. Bestehende Personalkapazitäten sind in der Regel nur auf das Tagesgeschäft zugeschnitten und stoßen angesichts wachsender aufsichtsrechtlicher Anforderungen an ihre Grenzen. Außerdem gibt es bei den kleineren Altersversorgungseinrichtungen kein ausreichendes Asset-Liability-Management, oder es fehlt die Erfahrung, die richtigen Schlussfolgerungen daraus zu ziehen. Die Folge ist häufig, dass hochkorrelierte Anlageformen vor allem auf der Rentenseite zu hoch gewichtet sind. Da die Gremien bei vielen institutionellen Anlegern meist fachfremd besetzt sind, prägen zudem zyklisches Verhalten, hektische Eingriffe in die Strategische Asset Allokation und eine zu späte Reaktion auf Marktveränderungen das Bild.

Moderne Portfoliotheorie forciert die Professionalisierung

Seit den Anfängen der institutionellen Geldanlage vor rund 100 Jahren vertrauten Investoren ihre Portfolios meist einem einzigen Vermögensverwalter an, der für die Aufteilung des Vermögens auf verschiedene Anlageklassen sowie die Verwaltung des gesamten Portfolios die Verantwortung übernahm. Alle Vermögenswerte waren in der Regel in einem Depot investiert, wobei der größte Anteil auf Rentenpapiere entfiel. Banken und Asset Manager hatten quasi eine Monopolstellung bei der Beratung von Pensionseinrichtungen.

Nachdem die Erkenntnisse der modernen Portfoliotheorie in den fünfziger und sechziger Jahren breite Aufmerksamkeit fanden, setzte ein Umdenken ein. Man erkannte, dass die Entscheidung zur Asset Allokation die wichtigste Renditequelle ist und dass auf bestimmte Anlageklassen spezialisierte Vermögensverwalter bessere Ergebnisse erzielten als die Manager gemischter Portfolios. Während Investments mit niedrigen oder negativen Korrelationen in den Fokus rückten, gewannen zudem risikoreichere und renditestärkere Anlagen an Relevanz.

Das Asset Management spezialisierte sich in der Folge weiter, nachdem die Besonderheiten von Anlagesegmenten wie Small- und Mid-Caps sowie Value- und Growth-Aktien entdeckt wurden. Zusammen mit neuen Philosophien wie Top-down-Betrachtungen oder Absolute Return und einem internationaleren Anlagefokus führte dies zu einer stark wachsenden Zahl an Akteuren, die an der Verwaltung eines institutionellen Portfolios beteiligt sind. Bei großen Pensionseinrichtungen waren dadurch teilweise mehr als zwei Dutzend Vermögensverwalter und Berater involviert. Dem Vorteil tendenziell besserer Ergebnisse spezialisierter Asset Manager standen Probleme gegenüber, die aus der Beteiligung zu vieler Berater und Vermögensverwalter resultierten. Da niemand die Gesamtverantwortung übernahm, wurde die Gesamtsteuerung des Portfolios vernachlässigt.

Wesentlich für die fehlende Gesamtverantwortung sind nicht nur zu viele verschiedene Vermögensverwalter und externe Berater, sondern auch Probleme bei der strategischen Entscheidungsfindung sowie im Risikomanagement. Zusätzlich werden die Zusammenhänge und das Geschehen auf dem Kapitalmarkt immer komplexer. Die Auslagerung des Anlageprozesses auf einen Fiduciary Manager setzt hier an, da dieser Fachexpertise und Verantwortung für den Gesamtprozess im Interesse institutioneller Investoren vereint.

Entwicklung des Fiduciary Managements

Das Fiduciary Management hat seinen Ursprung in den Niederlanden und wurde in Großbritannien sowie in den USA weiterentwickelt. In diesen Kapitalmärkten ist die Auslagerung des Kapitalanlagemanagements an einen fiduziarischen Treuhänder bereits bewährte Praxis.

Eine von KPMG in Großbritannien durchgeführte Umfrage aus dem Jahr 2019 zeigt, dass 85 Prozent der Pensionseinrichtungen, die dort mit einem Fiduciary Manager zusammenarbeiten, ein Kapitalvolumen von unter 300 Millionen Euro führen. Das Anlagevolumen von 63 Prozent dieser Einrichtungen liegt sogar unter 120 Millionen Euro. Das zeigt den Bedarf von kleinen und mittleren Pensionseinrichtungen an externer Expertise im Bereich der Kapitalanlage.

In Deutschland arbeiten neben berufsständischen Versorgungseinrichtungen, Pensionskassen und Pensionsfonds auch Versicherungen, Stiftungen oder die Zusatzversorgung des öffentlichen Diensts im Bereich der Kapitalanlage mit Fiduciary Managern zusammen. Da viele institutionelle Investoren in Deutschland sehr konservative Anlagestrategien verfolgen, war der Beratungsaufwand für Fiduciary Manager hierzulande überschaubar. Wegen der anstehenden Herausforderungen stoßen jedoch immer mehr Pensionseinrichtungen an ihre Grenzen.

Das Ziel des Fiduciary Managements besteht darin, die Verwaltung komplexer Anlageportfolios zu organisieren. Mandate für Fiduciary Manager können das gesamte Vermögen eines Kunden umfassen oder auch als Teilmandate und für einzelne Aufgabenbereiche wie zum Beispiel das Risikomanagement angelegt sein. Kurz gefasst, handelt es sich um ein professionelles Outsourcing des Anlagemanagements unter Berücksichtigung rechtlicher, regulatorischer und bilanzieller Anforderungen sowie der Verpflichtungsseite.

Fiduciary Manager kümmern sich in erster Linie um die Kapitalanlagen ihrer Mandanten. Das heißt, sie können innerhalb eines klar definierten und regulatorisch erlaubten Handlungsspielraums selbständig Anlageentscheidungen für den Kunden treffen. Von Vorteil ist dabei auch, dass die Handlungsfähigkeit nicht durch zeitraubende Gremienentscheide eingeschränkt wird. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass die Aufgabenbeschreibung im Vorfeld exakt formuliert werden muss, so dass im Nachgang effiziente Entscheidungswege gewährleistet sind. Das Aufgabenspektrum des Fiduciary Managers reicht im Einzelnen von Asset-Liability-Studien über die strategische und taktische Asset Allokation bis hin zur Risikosteuerung, Portfolioüberwachung und Gremienbetreuung. Das Ergebnis ist idealtypisch ein Multi-Asset-Ansatz mit Schwerpunkt auf der Rentendirektanlage und einer professionellen Managerauswahl bei liquiden und alternativen Asset-Klassen.

Erfahrungsgemäß besteht bei Pensionseinrichtungen der größte Handlungsbedarf bei der Portfoliokonstruktion und der Managerauswahl sowie beim Kostenmanagement. State of the Art ist heute eine über mehrere Anlageklassen breit diversifizierte Portfoliokonstruktion, wobei mit Blick auf Rendite und Diversifikation kein Weg an komplexen Anlageklassen und alternativen Investments vorbeiführt. Gerade bei kleineren Kapitalsammelstellen stehen jedoch die naturgemäß kleinen Allokationen einem hohen Aufwand zur Selektion geeigneter Produkte gegenüber. Gespräche mit Produktanbietern führen häufig aufgrund der geringen Volumina und der relativ schlechten Verhandlungsposition nicht zum gewünschten Ergebnis.

Besserer Zugang zu alternativen Assets

Durch die Zusammenarbeit mit einem Fiduciary Manager erhalten Investoren einen besseren Zugang zu alternativen und nicht liquiden Investments. Diese bieten kalkulierbare langfristige Auszahlungen, häufig attraktive Renditen und haben sich folglich mittlerweile etabliert. Während der Zugang zu alternativen Anlagen rechtlich nicht beschränkt ist, erfordert die Assetklasse deutlich mehr Investmentkompetenz und ein Kapitalvolumen, das die Möglichkeiten von kleinen und mittelgroßen institutionellen Investoren in der Regel übersteigt. Der Fiduciary Manager bündelt daher die Investitionsvorhaben mehrerer Anleger in zugangsbeschränkte Produkte, um geforderte Mindestanlagevolumen zu erreichen. Darüber hinaus sind Zusagen nur in einem kurzen Zeitfenster der Fundraising-Periode möglich. Vielen Anlegern fehlt es jedoch an internen Kapazitäten, um die Angebote innerhalb dieses beschränkten Zeitfensters ausreichend zu prüfen.

So hat eine Analyse unserer Datenbank im Bereich Infrastruktur ergeben, dass Produkte im Durchschnitt erst ab einem Mindestzeichnungsbetrag von 18,5 Millionen Euro investierbar sind. Jeder zweite Asset Manager fordert in dieser Kategorie sogar ein Mindestinvestment in Höhe von 20 Millionen Euro. Für viele kleine und mittlere Pensionseinrichtungen ist ein Einzelinvestment in dieser Größenordnung nicht zu realisieren. Durch die Bündelung von Investitionsvorhaben ermöglicht ein Fiduciary Manager mehreren Anlegern den Zugang zu kostengünstigeren Tranchen bereits ab einem niedrigen einstelligen Millionenbetrag.

In einem Praxisbeispiel erwartet ein unabhängiger deutscher Asset Manager, der auf erneuerbare Energien und Infrastruktur-Investments in Europa spezialisiert ist, von institutionellen Anlegern eine Mindestzeichnung in Höhe von 20 Millionen Euro. Aufgrund unserer Verhandlungsposition war FAROS als Fiduciary Manager in der Lage, Investoren die Beteiligung bereits ab 2 Millionen Euro zu ermöglichen. Damit eröffneten sich für viele Anleger neue Investitionsmöglichkeiten und die Chance, bedarfsgerechte Anlagestrategien zu finden. Darüber hinaus ist der Abruf des Kapitals deutlich beschleunigt gewesen.

Kostentransparenz dank weitreichender Marktübersicht

In punkto Kosten ist für deutsche Investoren nachteilig, dass man sich hierzulande im Vergleich zum Ausland mit teils überschneidenden Aufgaben von Verwahrstelle und Kapitalverwaltungsgesellschaft eine komplexere und damit teurere Verwaltungsstruktur leistet.

Außerdem können die Kosten für vergleichbare Leistungen verschiedener Anbieter stark voneinander abweichen. Dank des Wettbewerbsdrucks befinden sich Investoren jedoch im Allgemeinen in einer guten Position, günstigere Gebühren auszuhandeln. Voraussetzung dafür ist allerdings eine entsprechende Marktübersicht, die vielen Investoren fehlt. So hat beispielsweise eine kürzlich von Faros durchgeführte Kostenanalyse für ein deutsches Versorgungswerk große Einsparpotenziale ergeben. Dank der Verhandlungen des Fiduciary Managers kann pro Jahr über 1 Million Euro eingespart werden. Im Einzelnen handelte es sich dabei um externe Kosten von Dienstleistern wie Verwahrstellen, KVGen oder Asset Managern, die um über 40 Prozent reduziert werden konnten.

Um die Transparenz zu verbessern und einen Marktvergleich zum Investmentzeitpunkt zu ermöglichen, empfiehlt es sich, eine systematische Fee Guidance zu erarbeiten. Diese sollte die für alle relevanten Asset-Klassen marktübliche Fee-Strukturen abbilden. Da viele illiquide Fonds auch eine Performance Fee verlangen, sollte bei Neuinvestments die Fee-Struktur über die gesamte Fondslaufzeit modelliert werden. Dies ermöglicht einen fairen Vergleich zwischen den verschiedenen Gebührenstrukturen während der Laufzeit und des Performance-Potenzials. Entsprechend sollten Anleger bei Neuinvestments harte Verhandlungen mit dem Anbieter und eine intensive Prüfung der Konditionen im Blick haben.

Mit dem Überblick über die Kosten- und Dienstleistungssituation von Fondsmanagern, Verwahrstellen und KVGen können bestehende Konditionen mithilfe eines Fiduciary Managers kritisch überprüft werden. Darüber hinaus bieten die Bündelung mit weiteren Anlegern große Kosteneinsparpotenziale. Der Fiduciary Manager ist aufgrund seiner Einkaufs- und Informationsvorteile in der Lage, mit dem Anbieter günstige laufende Kosten und einen niedrigen Ausgabeaufschlag zu verhandeln.

Was einen guten Fiduciary Manager auszeichnet

Fiduciary Management unterliegt hohen aufsichtsrechtlichen Anforderungen und bietet einen sehr hohen Mandantenschutz. In Deutschland werden Fiduciary Manager wegen der ihnen übertragenen komplexen Aufgaben von der BaFin und der Bundesbank beaufsichtigt und müssen über eine Vermögensverwaltungslizenz nach dem Wertpapierinstitutsgesetz verfügen. Dies ist auch ein Grund dafür, dass nur wenige, sehr professionell agierende Berater diese Dienstleistungen anbieten. Gleichzeitig sind die formalen Voraussetzungen an die Geschäftsleiter eines Fiduciary Managements hinsichtlich fachlicher Kompetenz und geschäftspolitischer Integrität sehr hoch und bieten dem Kunden einen hohen – durch die Finanzaufsicht laufend geprüften – Governance-Schutz.

Vergleich von Investment-Consulting und Fiduciary Management

Während der Fokus im Consulting häufig auf einzelnen Aspekten des Anlageprozesses liegt, übernimmt der Fiduciary Manager Gesamtverantwortung. Doch wo genau endet das Consulting, wo beginnt das Fiduciary Management? Fiduciary Manager dürfen – im Gegensatz zu einem Investment-Consulting – konkrete Anlageprodukte empfehlen, da sie über eine Vermögensberatungserlaubnis nach § 15 Abs. 1 WpIG verfügen. Eine trennscharfe Unterscheidung zwischen einer Anlageidee und einer Anlageempfehlung ist nicht immer möglich. Anleger sollten deshalb die hohen Anforderungen der Aufsicht an die Governance-Struktur berücksichtigen, wenn sie bei der Kapitalanlage externe Expertise hinzuziehen.

Fazit

Fiduciary Management ist eine Organisationsform in der institutionellen Vermögensverwaltung, bei der einzelne Prozesse oder der gesamte Kapitalanlageprozess in die Hände eines unabhängigen Experten gelegt werden. Der hohe Governance-Schutz und die Unabhängigkeit gegenüber Banken und Produktanbietern der Investmentbranche zählen zu den wesentlichen Voraussetzungen eines Fiduciary Managers, der dadurch Compliance-konform und frei von Interessenkonflikten agiert.

Folgende Vorteile haben sich daraus ergeben:

  • Übernahme der Umsetzungsverantwortung in den Bereichen der Bilanzplanung / Asset-Liability-Situation, der Kapitalanlage und des Risikomanagements auf aggregierter Ebene durch den Fiduciary Manager
  • Auslagerung des kapazitätsintensiven Tagesgeschäfts
  • Konzentration auf die Eckpfeiler der Anlagestrategie und ein effizientes Controlling der Vorgaben durch institutionelle Anlageverantwortliche
  • bessere Opportunitäten in der Kapitalanlage durch Investitionen in zugangsbeschränkte Anlageprodukte bereits ab kleineren Investitionssummen
  • Optimierung der Kostenstrukturen durch detaillierte Marktübersicht des Fiduciary Managers
  • Compliance-konformes Handeln der Entscheidungsträger aufgrund sachlicher Vorbereitung komplexer Entscheidungen durch den Fiduciary Manager auf hohem Niveau

In weiter entwickelten Kapitalmärkten ist die Auslagerung des Kapitalanlagemanagements an einen treuhänderisch tätigen Investment-Consultant bereits seit der Jahrtausendwende bewährte Praxis.

Neben berufsständischen Versorgungseinrichtungen sowie kleineren und mittelgroßen Pensionskassen kommen auch Unternehmen, Stiftungen und kirchliche Investoren als Kunden in Frage. Aktuell sind in Deutschland im Wesentlichen Asset Manager beziehungsweise deren Konzernmütter als Fiduciary Manager aktiv. In Vorreiternationen wie beispielsweise den Niederlanden oder Großbritannien sind vor allem unabhängige Consultants als Fiduciary Manager tätig. Aus Sicht der institutionellen Investoren ist das die bessere Lösung.

 

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