China ist gemessen an seiner Wirtschaftskraft und der Größe seines Kapitalmarktes in den meisten Portfolios weit untergewichtet. Was können institutionelle Investoren tun?

China ist nicht nur die zweitgrößte Volkswirtschaft in der Welt. Mit einem Anteil von 20 Prozent am Welt-BIP und über 30 Prozent am globalen Wirtschaftswachstum übt das Land auch besonderen Einfluss auf die Weltwirtschaft aus. Längst lässt sich die chinesische Wirtschaft nicht mehr nur auf das Kopieren von ausländischen Produkten reduzieren. Vielmehr ist sie mit knapp einem Drittel aller weltweit genehmigten Patente inzwischen hoch-innovativ und weltweit führend. Und auch in vielen Schlüsselindustrien ist das Land führend. Nicht nur die Alibabas oder die Riesenbanken beherrschen das Bild – aber gleichzeitig geben sie dem Land eine dominante Rolle unter den größten IPOs.

Grund genug, höhere Investitionen in China in Erwägung zu ziehen. Darauf macht Fidelity anlässlich eines Pressefrühstücks in Frankfurt aufmerksam. Dass dies bislang noch nicht in entsprechendem Ausmaß geschehen ist, hat sicher auch mit Zugangsbarrieren und Besonderheiten zu tun. So hat die eingeschränkte Konvertibilität der chinesischen Währung die Anleger in der Vergangenheit in der Regel auf Offshore-Emissionen in Fremdwährung verwiesen. Auch die Tatsache, dass chinesische Werte nur in geringem Umfang in internationalen Indizes enthalten waren, hat die Investitionswege für viele Anleger eingeschränkt. Hinzu kommt, dass die Transparenz und Liquidität der Onshore-Märkte relativ gering ist und die Spannweite der Benchmark-Abweichungen somit entsprechend größer ausfällt. Schließlich schreckt auch der weitreichende Staatseinfluss auf die Unternehmen ab.

Abbau von Hemmnissen – Stärkung der Attraktivität

Im Hinblick auf diese Investitionshemmnisse hat sich in letzter Zeit aber einiges getan. Nach den Erläuterungen von Catherine Yeung, die bei Fidelity für den Aktienbereich Asia Pacific ex-Japan zuständig ist, hat China ein starkes Interesse an einer stabilen Währungsentwicklung. Dazu dürfte 2020 eine neutrale Geldpolitik beitragen, flankiert von einer aktiven Fiskalpolitik. Was Liquidität und Transparenz der Unternehmen angeht, liege der Fokus der Regierung darauf, die Corporate Governance der Unternehmen und ihre Wertschöpfungskette zu verbessern. Zudem solle Innovation gefördert und die Kapitalmärkte weiter geöffnet werden.

Mit Blick auf die Rentenmärkte betonte Vanessa Chan, die für Asian Fixed Income verantwortlich ist: „Asian Fixed Income should continue to deliver attractive levels of income in 2020”. Und der chinesische Onshore-Markt sollte dabei zunehmend attraktiver werden. Das gilt etwa für seine Größe sowie Breite und Tiefe. Schon 2018 sei der China Onshore Bond Market zum zweitgrößten Bondmarkt der Welt herangewachsen (die von Ausländern bevorzugten Offshore-Märkte weisen nicht einmal 1/10 dieses Volumens auf). Und das weitere Wachstumspotential sei immens. So wird erwartet, dass sich das Marktvolumen von jetzt rund 90-100 Billionen auf 180-200 Chinese Yuan verdoppeln werde – womit er wohl der größte Bondmarkt der Welt wäre. Ein weiterer Pluspunkt ist die außerordentlich niedrige Korrelation zu anderen internationalen Renten- und Aktienmärkten bei gleichzeitig einem attraktiven Renditevorteil – derzeitige Rendite 10-jähriger Staatsanleihen über 3 Prozent! Allerdings gelten bekanntlich im CNY-Bondmarkt nicht die internationalen Rating-Standards. Dadurch sind die Credits häufig schwächer, der Leverage größer und die Ausfallraten deutlich höher als international üblich. Dies beeinträchtigt Anlagen in der Breite des Marktes. In letzter Zeit, so Chan, ist an den Märkten aber eine Zinsreform in Angriff genommen worden, die die Transmission zinspolitischer Maßnahmen besser in den einzelnen Bondkategorien durchsetzt. Und auch die Ausfallraten haben sich im vergangenen Jahr ermäßigt.

Einstiegsstrategien konzipieren

Bleibt die Frage, ob oder wie diese verbesserten Bedingungen in konkrete Einstiegsstrategien umgesetzt werden. Bislang jedenfalls, konstatiert der CIO der Commerzbank, Chris-Oliver Schickentanz, „spiegelt sich diese wachsende Bedeutung Chinas beim deutschen Privatanleger nur unzureichend wider. So liegt der Gesamtanteil Chinas mit unter 1 % weit vom anteiligen Marktwert chinesischer Unternehmen entfernt.“ Grundsätzlich investierten Privatanleger nicht nur viel zu wenig in China, sie investierten überdies falsch, indem sie hauptsächlich in bekannte Einzelwerte wie Alibaba, Tencent oder Huawei investierten. Stattdessen möchte die Commerzbank grundsätzlich den China-Anteil in den Depots ihrer Privatkunden sukzessive erhöhen und dabei den Markt breiter abbilden, zum Beispiel über ausgewogene Sektorstrukturen oder Dividendenstrategien. Instrumente seien dafür Fondslösungen und ETFs. Und vor allem wolle die Commerzbank versuchen, den Kunden den chinesischen Anleihebereich zu erschließen. Denn gerade im Zinsbereich gebe es viel langfristigen Anlagebedarf der Kunden.

Eine ähnliche strategische Ausrichtung empfiehlt Dr. Harald Eggerstedt auch den institutionellen Investoren. Er leitet die Manager Selektion bei Faros Consulting. Mit Blick auf die relativ kleinen Aktienanteile der Institutionellen gehe es jetzt darum, die strategischen Positionen zu optimieren, sprich die globalen Quoten zu erhöhen. Dies bedeute indirekt auch die Erhöhung des chinesischen Anteils. Soweit die Investoren dabei auf passive Strategien setzen, sind sie quasi automatisch dabei. Denn Chinas Präsenz ist mit der Erweiterung wichtiger Indizes bereits 2018 in die globalen Indizes eingeflossen (so etwa in den MSCI ACWI und den MSCI Emerging Markets).

Interessanter noch ist nach Meinung von Eggerstedt die Einbeziehung des chinesischen Rentenmarktes – insbesondere mit Blick auf die Altersversorgungsanlagen. Durch Anlagen in den renditestarken China-Bonds könnten die Verbindlichkeiten dort besser abgesichert werden. Insoweit ist China eine sinnvolle Erweiterung für die institutionellen Portfolios. Diese Erweiterung will Faros Consulting bei seinen Kunden sukzessive umsetzen. Auch hier gebe es quasi eine passive Umsetzung durch die Inklusion bisheriger Offshore-Papiere in die globalen Indizes. So werde der Anteil chinesischer Staatsanleihen 2020 im Barclays Global Aggregate Index auf 6 Prozent steigen und sich damit verdoppeln. Aber auch die aktiven Strategien sollen verstärkt auf China ausgerichtet werden. Das, so Eggerstedt, gehe aber nur mit vor-Ort Expertise und örtlicher Präsenz.

Das ist die Herausforderung an Asset Manager und Investment Consultants.

 

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