Horst Grögler, Head of Pension Asset Management der TRATON SE, sprach auf dem dpn-Roundtable über Asset Liability Management (ALM) in Zeiten der Pandemie.

Herr Grögler, lässt sich das Stressszenario einer Pandemie im ALM abbilden?

Wir haben in unserer jüngsten ALM-Studie natürlich auch Worst-Case-Szenarien eingepreist, aber mit einer Pandemie haben auch wir nicht gerechnet. Wir gehen bei unseren Annahmen immer von einer noch funktionierenden Wirtschaft aus. Im Augenblick sehen wir dagegen einen Nachfrage- und Angebotsschock. Wir stehen in den nächsten Wochen in Deutschland vor der Frage, wie wir die Produktion wieder hochfahren, wenn ein Teil unserer Zulieferer noch nicht imstande ist, zu produzieren. Vor diesem Hintergrund bin ich über die Kurseinbrüche bei Aktien nicht überrascht, sondern hätte erwartet, dass die Kurse noch weiter runtergehen.

Horst GröglerWie reagiert Ihr Asset Management?

In unserem Asset Management reagieren wir mit einigen Abweichungen von unserer strategischen Asset Allocation. So haben wir Fälligkeiten aus größeren Investments vorläufig teilweise on hold gestellt und sie als Cash geparkt, um die Situation neu zu beurteilen. In unserem Overlay haben wir Hedges sehr nahe den bisherigen Tiefstkursen opportunistisch mit positiven Ergebnissen aufgelöst.

Jetzt müssen wir uns überlegen, wie wir uns neu aufstellen. In unserem Lifecycle-Modell tragen das Kapitalmarktrisiko letztlich die Mitarbeiter, nicht das Unternehmen. Deshalb müssen wir für unsere Mitarbeiter versuchen, weiterhin deren Kaufkrafterhalt sicherzustellen und eine angemessene Realverzinsung zu erzielen. Der langfristige Trend im Lifecycle ist nach wie vor deutlich positiv. Aber wir haben Ende 2018 und jetzt in 2020 deutliche Rückschläge gesehen. Im regulierten Bereich stellt sich mit Blick auf unseren Pensionsfondsbestand die Frage, wie sich der Rechnungszins nachhaltig erwirtschaften lässt. Wir sind praktisch dazu verurteilt, auch in risikoreichere Asset-Klassen zu investieren. Unser Weg ist daher nicht, verstärkt in Fixed Income zu gehen, sondern wir wollen weiterhin eine vernünftige Quote in Real Assets fahren. Diversifikation ist für uns weit oben auf der Agenda.

Lesen Sie das gesamte Gespräch zum Thema Asset Liability Management in der aktuellen dpn-Sonderausgabe Mai 2020. Zu Gast waren neben Herrn Grögler von TRATON SE auch Dr. Nicolas Vogelpoth, SVP und Head of Asset Management & Quantitative Strategy bei Uniper, Eberhard Haug, Director Asset Management – Liquid Assets bei EnBW Energie Baden-Württemberg AG, Wolfgang Murmann, Head of Solutions Germany von Insight Investment, Martin Thiesen, Geschäftsleitung der Metzler Pension Management GmbH, und Nikolaus Schmidt-Narischkin, Managing Director und Head of Sales and Client Management bei Willis Towers Watson.

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