Die Corona-Krise hat bestehende Trends im Asset Management beschleunigt. dpn hat diesbezüglich nachgehakt.

Ihre Einschätzung teilen Dr. Oliver Roll, Head of Germany/Austria bei Pareto Asset Management, Matthias Kruse, Geschäftsführer & Managing Director, Sales & Client Service bei Lazard Asset Management, Romina Smith, Managing Director, Head of Central Europe, Global Client Group bei Nuveen und Maik Fechner, Country Head Germany and Austria, Director Institutional Clients bei Ninety One.

Welche Themen werden institutionelle Investoren abseits von strategischer Asset Allocation und Auswahl der Asset-Klassen in diesem Jahr am meisten beschäftigen?

Roll: Ganz „abseits“ oder unabhängig von SAA/Asset-Klassen ist keines der Themen: „Das eigene Geschäftsmodell und die Märkte“ treibt die Banken und Versicherungen, das „Lower-for-longer“ die Pensions-Industrie, Responsible Investing/ESG-Integration und Impact-Investing die Corporates. Alle haben mit der Politisierung der Kapitalanlage zu tun und müssen schauen, ob die „Reflationierung“ tatsächlich kommt.

Kruse: Die Pandemie, ESG, das Negativzinsumfeld und Inflation sind die wichtigsten Themen. Durch die schleppende Pandemieeindämmung in Europa wird die wirtschaftliche Erholung nachhaltig ausgebremst. Das lenkt Investorengelder stärker in globale Konzepte. Daneben geht ein klarer Trend in Richtung ESG-Anlagen. Das Negativzinsumfeld und mögliche höhere Inflationsraten sind weitere Herausforderungen, bei denen wir Investoren beraten.

Smith: Das bestimmende Thema ist, wie Anlageziele mit den ESG-Zielen in Einklang gebracht werden können, ohne auf Rendite zu verzichten. Vor allem VAG-regulierte Investoren sehen sich im Zuge der EU-Taxonomie für nachhaltige Investitionen mit einer gewissen Komplexität konfrontiert, wie das effiziente Integrieren von ESG-Kriterien in Portfolios, das Messen und Nachhalten von ESG-Zielen, aber auch das Anpassen der Fondsselektion mittels Rating und Scoring.

Fechner: Ich denke, der Fokus auf nachhaltiges Investieren wird weiterhin ein dominierendes Thema sein. Wir haben gerade die Verabschiedung der EU-Taxonomie für nachhaltiges Investieren erlebt, die diesen Bereich, alleine aufgrund ihrer Natur, deutlich stärker definiert und eine langfristige Wirkung für Investoren haben wird. Allerdings müssen Investoren die richtige Balance finden, um angesichts der anhaltenden Pandemie und politischen Risiken die erforderlichen Renditen zu erzielen.

Wenn Sie das Wort Digitalisierung hören, welche Stichpunkte fallen Ihnen in Bezug auf das institutionelle Asset Management dazu ein?

Roll: Fluch und Segen, beides, nicht neu. Segen: Gerade in der C19-Krise hat sich gezeigt, wie gut es im Finanzsektor geht, wie wenig die allermeisten von uns dem Infektionsgeschehen ausgesetzt waren (Homeoffice). Die stärkere Online-Präsenz hat uns 600.000 neue junge Investoren gebracht. Fluch: Die Möglichkeiten im Online-Reporting führen zu Bürokratiemonstern und Dateninflation, zum Beispiel im ESG-Bereich.

Kruse: Das Asset Management ist als Dienstleistung schon immer digital(isiert). Ohne neue digitale Kommunikationslösungen wäre Kundennähe in den letzten 12 Monaten nur schwer möglich gewesen. Homeoffice-Regelungen und virtuelle Meetings werden voraussichtlich teilweise bleiben. Diese Entwicklung hat natürlich auch zu einer verstärkten Nachfrage nach digitalen Geschäftsmodellen und Produkten geführt, zum Beispiel Themen-Investments, Robotics und Automation oder Digital Health.

Smith: Investmentgesellschaften müssen mittels Digitalisierung ihren Kunden einen Mehrwert bieten – und das Spektrum ist umfangreich. Im Kern geht es jedoch um transparentere und nutzerfreundlichere Prozesse, beim Reporting, der digitalen Beratung und der Fondsselektion, aber auch um Ideen, wie das Liefern von Informationen auf Knopfdruck, beispielsweise zur Portfolio-Allokation, oder wie ein Investment aus ESG-Gesichtspunkten performt.

Fechner: Bei der Digitalisierung geht es darum, unseren Kunden effektivere Instrumente zur Verfügung zu stellen, wie zum Beispiel die Portfolioüberwachung in Echtzeit auf Ebene der einzelnen Beteiligungen. Als aktive Investoren sind Daten ein wesentlicher Bestandteil unserer Arbeitsweise und der Bewertung von Investitionsmöglichkeiten. Wir stellen sicher, dass wir die Art und Weise, wie wir diese Daten sammeln, analysieren und interpretieren, weiter verbessern, um effektive Investitionsentscheidungen für unsere Kunden zu treffen.

Wie beurteilen Sie den Hype um Kryptowährungen, Blockchain et cetera?

Roll: Zu unterscheiden ist Blockchain als hochinteressante und spannende Technologie, die noch auf weitere Anwendungen jenseits von Kryptowährungen wartet. Wir sehen noch kein werthaltiges Geschäftsmodell, das auf DLT basiert, oder zumindest nutzt. Als Value-Investor setzen wir nicht auf Spekulation. Ich glaube, Robert Shiller startet nicht umsonst sein „Narrative Economics“ mit dem Beispiel Bitcoin.

Kruse: Die Blockchain-Technologie kann in vielen verschiedenen Bereichen angewendet werden, und durch eine gesteigerte Transaktionsgeschwindigkeit, geringere Gebühren und höhere Transparenz können beispielsweise ganze Wirtschaftssysteme effizienter gestaltet werden. Kryptowährungen sind in ihrer derzeitigen Ausgestaltung primär Spekulationsobjekt und als Anlageform insbesondere für institutionelle Investoren aus unserer Sicht ungeeignet.

Smith: Die Blockchain-Technologie kommt zunehmend bei Anleiheemissionen und -transaktionen zum Einsatz. Hier sind bereits heute einige Vorteile unbestritten: niedrigere Transaktionskosten, reduziertes Kontrahentenrisiko und effizientere Abwicklungsprozesse. Im Real-Estate-Bereich steht der Einsatz noch relativ am Anfang. Die Technologie hat jedoch das Potenzial, einige der zentralen Eigenschaften der Anlageklasse nachhaltig zu verändern.

Fechner: Es ist ein interessanter Bereich, den es zu beobachten gilt. Blockchains führen eine neue dezentrale Datenstruktur ein, die den Nutzern die Kontrolle über Daten und digitale Vermögenswerte zurückgibt. Die deutsche Bundesregierung hat im September 2019 eine umfassende Blockchain-Strategie verabschiedet, mit der sie die Technologie fördern und die Risiken bei der Implementierung der Blockchain-Technologie abmildern will.

 

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