Susanne Ballauff, Senior Managing Director und Country Head Germany & Austria bei Wellington Management, sprach mit Michael Lennert darüber, welche Vorteile es als Asset Manager in einer Krise hat, als „private Partnerschaft“ zu agieren. Doch nicht nur darüber.

Frau Ballauff, können Sie uns bitte ein aktuelles Update zu Wellington geben?

Susanne Ballauff: Ich denke, was Wellington auszeichnet oder uns von anderen Asset Managern abhebt, ist die Tatsache, dass wir eine private Partnerschaft sind. Da wir keine außenstehenden Anteilseigner haben, sind wir nur unseren Kunden gegenüber verpflichtet, können uns ausschließlich auf langfristig orientiertes Asset Management konzentrieren und müssen beispielsweise keine Quartalsergebnisse veröffentlichen. Dies lässt uns insbesondere in schwierigeren Situationen strategisch und ruhig agieren.

Seit wann sind Sie in Deutschland tätig?

Ballauff: Wir sind in Deutschland seit 1994 tätig und haben 2011 ein Büro in Frankfurt eröffnet. Grundsätzlich haben wir in der Vergangenheit nicht mit der Presse gesprochen, da wir kein öffentliches Profil gesucht und uns auf unsere globale Investment Plattform konzentriert haben. Dies ändert sich momentan, da wir im Wholesale-Bereich expandieren und auch enger mit globalen Privatbanken zusammenarbeiten.

Wie viel Vermögen verwaltet Wellington und auf welchen Asset-Klassen liegt Ihr Schwerpunkt?

Ballauff: Wir verwalten rund 1,1 Billionen US-Dollar per 31. Dezember 2019, wobei unser Schwerpunkt auf liquiden Asset-Klassen liegt. Dabei ist das Vermögen zu rund 43 Prozent in Aktien investiert, 38 Prozent der Anlagen sind in Rentenpapieren angelegt und rund 19 Prozent in Multi-Asset-Anlagen. In alternativen Strategien haben wir circa 40 Milliarden US-Dollar investiert – ein Bereich, den wir momentan ausbauen. So fangen wir im illiquiden Bereich gerade an, uns mit unserer dritten Private-Equity-Strategie am deutschen Markt zu positionieren.

Um welche Aktienanlagen handelt es sich hier?

Ballauff: Vielleicht noch einmal etwas ganz Grundsätzliches zu Wellington. Bei Wellington haben wir keinen CIO. Es gibt also keinen Chief Investment Officer, der vorgibt, wie Strategien investiert sein müssen. Wir sind anders aufgestellt und agieren in Teams. Bei uns gibt es nicht nur einen Investment-Stil, nicht nur eine Marktphase, es gibt unterschiedliche Kundenbedürfnisse und somit auch immer unterschiedliche Wege, Kapital anzulegen. Was uns aber natürlich auszeichnet, ist die Tatsache, dass wir ein aktiver Asset Manager sind. Doch um auf Ihre Frage zurückzukommen: Im Aktienbereich beispielsweise haben wir 26 verschiedene Teams, die unterschiedliche Strategielösungen anbieten. Das zeichnet uns aus. Wir sprechen diesbezüglich auch immer gerne davon, dass wir eine Research-Plattform haben und unabhängige Investment-Boutiquen, die eigenständig agieren können.

Alles unter dem Namen Wellington?

Ballauff: Genau, alles unter dem Namen Wellington. Wir sind auch bisher immer nur organisch gewachsen. Was uns daneben sehr wichtig ist, ist unsere InvestmentKultur. Da wir keinen CIO haben, ist diese sehr debattengeprägt. Das bedeutet, dass wir einen sehr starken Austausch untereinander pflegen und sehr eng zusammenarbeiten, gleichzeitig aber auch unsere Einschätzungen gegenseitig infrage stellen.

Noch einmal zurück zu den Aktien. Bei welchen Aktienanlagen verspüren Sie im Moment eine große Nachfrage?

Ballauff: Natürlich hat die Corona-Krise derzeit enormen Einfluss auf das Anlageverhalten institutioneller Investoren. Gleichwohl sehen wir im Moment grundsätzlich sehr viel Interesse bei Small Caps, sowohl global als auch regional. Aber auch im Bereich Emerging Markets und bei globalen Aktien generell. Ein anderes Thema, was natürlich im Aktien und auch im Rentenbereich im Moment sehr stark im Vordergrund steht, ist alles rund um das Thema Nachhaltigkeit.

Renten sind neben dem Thema Nachhaltigkeit ein sehr gutes Stichwort, was bieten Sie im Rentenbereich an?

Ballauff: Im Rentenbereich verfügen wir über eine große Expertise bei Emerging- Markets-Anleihen, im High-Yield- und im Credit-Bereich. Ursprünglich war Wellington vor allem für die US-Märkte bekannt, im Credit-Bereich sind wir in den letzten zehn Jahren aber auch global ein Begriff geworden. Was wir in den letzten Jahren sehr stark ausgebaut haben, ist unser Angebot im europäischen Rentenbereich, seien es aktiv gemanagte Europe-Credit-, Buy-and-Maintain- oder Euro-High-Yield-Portfolios. Ein weiteres Thema, bei dem das Interesse exponentiell gestiegen ist, sind US-Kommunalanleihen. Wir bieten außerdem inzwischen auch Rentenlösungen im Impact-Bereich an, was bei Pensionsfonds auf Interesse stößt.

Welche Argumente sprechen bei Multi-Asset-Anlagen für Wellington?

Ballauff: Bei Multi-Asset-Anlagen können wir kundenspezifische Lösungen anbieten und die komplette Breite und Tiefe aller Strategien in unserer globalen Plattform nutzen. Ein weiterer Bereich, der momentan sehr stark wächst, sind die Income-Strategien, da die Kunden laufende Erträge benötigen. Hier haben wir kürzlich zusammen mit anderen Mitbewerbern eine Roadshow durchgeführt, um uns in Deutschland noch stärker zu positionieren.

Sie sprachen auch Private-Equity-Anlagen an, welche Bereiche decken Sie hier ab?

Ballauff: Bei Private Equity verspüren wir eine Nachfrage im Late-Stage-Bereich, also das Stadium bevor die Unternehmen an die Börse gehen. In diesem Bereich sind wir gut aufgestellt und haben weltweit eine erhöhte Nachfrage verzeichnet. Das ist eigentlich ein Segment, wo Kunden bislang kaum investiert waren. Der Hauptunterschied besteht darin, dass dieses Segment nicht ganz so illiquide wie manche Private-Equity-Strategien ist, die langfristiger ausgerichtet sind. Und genau da legen wir jetzt den dritten Fonds auf.

Wie aktiv sind Sie beim Thema ESG?

Ballauff: Wir haben bedeutsame Investitionen im Nachhaltigkeitsbereich getätigt. Unser ganzheitlicher Ansatz nutzt Research-Erkenntnisse zu potenziellen Anlagen unserer Ressourcen im Aktien-, Credit-, Fundamental- und Nachhaltigkeitsbereich. Um die Ziele unserer Kunden zu erreichen, integrieren wir das Research und unsere Aktivitäten im Nachhaltigkeitsbereich – die direkte Interaktion mit Unternehmen – in unsere gesamte Investment-Plattform.

Grundsätzlich würde ich hier mehrere Bereiche unterscheiden. Da gibt es zum einen die SRI-Investments, die man größtenteils über Negativlisten abgebildet hat, aber auch das Thema Engagement, die ESG-Faktoren Umwelt, Soziales und Governance sowie das Thema Impact Investing. Ein weiteres Thema, das uns im Moment stark umtreibt, ist die Klimaveränderung und welche Auswirkungen dies auf die Investment Prozesse, Anlageentscheidungen und den Kapitalmarkt insgesamt hat. Darauf achten wir im Moment sehr stark, und wir sind eine exklusive Partnerschaft eingegangen, um dem gesamten Unternehmen Research zu diesem wichtigen Thema zugänglich zu machen. Darüber hinaus haben wir unser Angebot im Impact-Investing-Bereich erweitert und könnten hier Lösungen sowohl auf der Aktien- als auch auf der Anleihenseite anbieten.

Haben Sie spezielle Ziele für Deutschland und wie lautet Ihr lokales Commitment?

Ballauff: Wir möchten gemeinsam mit unseren Kunden wachsen. Wir kommen historisch zwar aus dem institutionellen Geschäft, planen aber, insbesondere in Deutschland unseren Publikumsfonds-Bereich weiter auszubauen. Wir nennen das Global Wealth Management. Hier sind wir mit der bisherigen Entwicklung sehr zufrieden und sehen Interesse von Global- Wealth-Kunden in der gesamten Region.

Können Sie Umsatzzahlen nennen?

Ballauff: Wir verwalten per Ende Dezember 2019 in Deutschland rund 11,4 Milliarden Euro im institutionellen und 1,8 Milliarden Euro im Global-Wealth-Bereich.

Sie sind profitabel?

Ballauff: Ja. Das Unternehmen ist finanziell sehr robust aufgestellt, und einer der Vorteile einer privaten Partnerschaft besteht darin, dass wir uns dem Ziel widmen können, für unsere Kunden eine Stabilitätsquelle zu sein, und darüber hinaus Investitionen in unser Unternehmen tätigen können, wenn andere Firmen ihre Ausgaben zurückfahren.

Susanne BallauffWie lauten Ihre Pläne für die Zukunft?

Ballauff: Wie bereits erwähnt möchten wir im Einklang mit unseren Kunden wachsen und auch ihrem Interesse an neuen Anlageklassen gerecht werden. Wir möchten dabei speziell im alternativen Bereich und hier insbesondere bei Private-Equity- und Private-Debt-Anlagen wachsen. Auch im Nachhaltigkeitsbereich sehen wir weiterhin wachsendes Interesse und erweitern hier unser Angebot und die Integration solcher Aspekte in die gesamte Investment-Plattform kontinuierlich. Daneben glaube ich, dass für deutsche institutionelle Kunden die Asset-Klasse REITs sehr interessant sein kann. Hier sind wir sehr gut aufgestellt. Und wie bereits schon angesprochen, die Expansion im Global Wealth Management.

Wie beurteilen Sie die Stimmung der institutionellen Branche im Moment?

Ballauff: Die Stimmung wird derzeit sehr dominiert durch die Corona-Krise und deren globale Auswirkungen. Unser CEO hat sich in seinem letzten Brief an unsere Kunden mit diesem Thema befasst und darauf hingewiesen, dass unser Ziel darin besteht, über die Situation unserer Kunden und ihre spezifischen Bedürfnisse möglichst gut informiert zu sein – nicht nur im Hinblick auf ihr Investment-Portfolio, sondern auch ihre Gesundheit und die Sicherheit ihrer Angehörigen.

Unser Unternehmen ist technisch sehr gut aufgestellt, und wir stehen weiter in engem virtuellen Kontakt mit den Kunden und konnten so auch Gespräche mit Portfoliomanagern per Videokokonferenz et cetera anbieten. Dank unserer Technologieplattform sind wir in der Lage, ganz normal weiterzuarbeiten, mit so gut wie keinen Einschränkungen für unsere Kunden oder die Investment-Plattform!

Was fürchten Sie am meisten, auch potenziell weitere Konzentrationstendenzen im Asset Management?

Ballauff: Sicherlich. Beispielsweise man in der Branche mittlerweile Merger in einer ganz neuen Größenordnung. Und es stimmt: Der Druck zum Konsolidieren in der Branche nimmt weiter zu. Ich denke, wir sind einfach glücklich und sehr zufrieden damit, dass wir eine private Partnerschaftsstruktur haben, die bisher immer nur organisch gewachsen ist. Als globaler Asset Manager mit kontinuierlichem Wachstum werden wir uns weiterhin darauf konzentrieren, die Anlageziele und Serviceerwartungen unserer Kunden zu erfüllen und möglichst noch zu übertreffen.

Frau Ballauff, vielen Dank für das Gespräch.

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