Das Risikomanagement der VERKA bewegt sich zwischen Nachhaltigkeit, BaFin-Aufsicht und eigenen Stress Tests. Da bleibt die Frage, ob man Investitionen in Infrastruktur und alternative Energien in Zukunft nicht anders stressen kann.

dpn im Gspräch mit Ewald Stephan, Vorstand der VERKA VK in Berlin, und Daniel Wolbert, Leiter Kapitalanlagen.

Herr Stephan, für Sie als kirchliche Pensionskasse ist nachhaltige Anlage quasi Muss. Sie haben aber auch die UN Principles of Responsible Investment unterzeichnet. Was bringt das zusätzlich?

(Stephan) Durchschlagskraft. Die UN Principles stützen sich auf die gleichen drei ESG-Grundlagen – Ökologische Verantwortung, Sozialverträglichkeit und Governance – wie der „Leitfaden für ethisch nachhaltige Geldanlage in der evangelischen Kirche“, ohne allerdings direkte Nachhaltigkeitskriterien vorzugeben. Ihr besonderer Wert ist aber der Rahmen, den sie für Austausch und Zusammenarbeit der zeichnenden Unternehmen bieten. Für diese Dialogmöglichkeiten wollen wir die Plattform verstärkt nutzen, speziell für Engagement-Aktivitäten bei Unternehmen. Denn mit 2 Mrd. Euro sind wir ja nur eine kleine Nummer. Auch mit dem „Arbeitskreis Kirchliche Investments“ ist das Gewicht noch begrenzt. Im großen Konvoi der UN PRI sind wir erheblich durchschlagskräftiger.

Beinhaltet die Unterschrift unter die UN PRI auch eine gewisse Kontrolle?

(Wolbert) Jeder Unterzeichner muss jährlich über seine Aktivitäten berichten und Zahlen offenlegen. Auch wenn die Mitgliedschaft eher eine freiwillige Selbstverpflichtung darstellt, besteht durchaus die Möglichkeit, ausgeschlossen zu werden, wenn man der Verpflichtung nicht gerecht wird. Das ist schon eine gewisse Kontrolle und erfordert Selbstdisziplin.

Wie passt Nachhaltigkeit in Ihr Risikomanagement?

(Stephan) Wir wissen aus verschiedenen Untersuchungen, dass nachhaltig ausgerichtete Unternehmen und Staaten in der Lage sind, nicht nur eine gleichhohe Rendite wie andere Investments zu bringen, sondern auf Dauer vor allem eine sicherere Rendite zu bieten. Das passt perfekt in unser Risikomanagement.

Inwiefern?

(Stephan) Wir sind von Grund unseres Hauses aus sehr konservativ. Es gab früher einmal die Erwartungshaltung der Landeskirchen an uns, eine Überrendite zu erwirtschaften. Das haben wir ab 2009 auf die Linie zurückgefahren, langfristig stabile Erträge zu erwirtschaften. Das entspricht sehr dem Nachhaltigkeitsgedanken.

Und Sie unterliegen der BaFin-Aufsicht?

(Stephan) Wir haben zwar auch noch sogenannte deregulierte Bestände. Aber wir unterliegen mit allen Beständen der BaFin-Aufsicht wie jede Lebensversicherung auch. In unserem Aufsichtsrat herrscht unisono die Meinung vor, dass es gut ist, eine professionelle Aufsicht wie die BaFin zu haben und damit einhergehend ein professionelles Risikomanagement zu betreiben und Stresstests zu machen.

(Wolbert) Im Übrigen haben wir zur Planung, Steuerung und Kontrolle unserer Kapitalanlagen zusätzliche interne Stress Tests, die noch deutlich strikter sind als die der BaFin.

Aber hinter jedem Stress Test stecken ja immer ganz bestimmte Voraussetzungen, die man nicht unbedingt teilen muss.

(Stephan) Die reine Systematik im BaFin-Stress Test ist durchaus in Ordnung. Worüber man diskutieren kann, sind die regulatorischen Rahmenbedingungen. Es ist bis heute immer noch so, dass Staatsanleihen – ob griechische oder deutsche – durchweg als risikolos gelten. Daran hat Solvency II nichts geändert, obgleich uns die Tatsachen anderes gelehrt haben. Da muss man im Gegenzug fragen, wie risikobehaftet etwa eine Daimler-Anleihe ist. Ich behaupte, eine Daimler-Anleihe ist besser durch die Krise gekommen als eine griechische Staatsanleihe. Im Stresstest muss Daimler aber mit bis zu 40 Prozent Eigenkapital unterlegt werden, die griechische Staatsanleihe aber nicht. Das macht keinen Sinn. Zudem sollte man überlegen, ob man Investitionen in Infrastruktur oder alternative Energien in Zukunft nicht ganz anders stressen und mit Risikokapital unterlegen kann. Bislang sind sie ebenfalls mit bis zu 40 Prozent Eigenkapital zu unterlegen. Es liegt doch im öffentlichen Interesse, den Prozess zu mehr solcher Investitionen in Gang zu bringen. Die Versicherungen sind bereit. Aber das regulatorische Umfeld steht im Wege.

Aber Sie unterliegen doch nicht Solvency II?

(Stephan) Nein, vorerst nicht. Die Bestrebungen der EU gehen allerdings dahin, die Pensionskassen künftig auch dem Solvency II-Regime zu unterwerfen. Bestimmte Solvency-Regelungen bezüglich der Risikomanagementseite werden zudem voraussichtlich für uns schon im nächsten Jahr über das VAG wirksam, andere sind es zum Teil bereits heute. Auch wenn die Eigenkapitalregelungen dabei noch nicht in Betracht kommen, fließen die Solvency-Maßstäbe etwa über die Stresstests schon vergleichbar in unser Risikomanagement ein. Insofern wollen wir auf Solvency II ähnlich vorbereitet sein wie alle Versicherungen auch.

Und würden Sie sagen, dass Sie heute schon Solvency II-fähig sind?

(Stephan) Das hängt letztlich von der Eigenkapitalbewertung ab, sprich: Wie bewertet man auf der Eigenkapitalseite die Unternehmensträgerschaft einer Landeskirche? Nach unseren Satzungsregelungen hängen wir unmittelbar von der Bonität unserer Vereinsmitglieder, also im Wesentlichen der Landeskirchen, ab. Das wirft in letzter Konsequenz die Frage auf, ob eine Landeskirche pleitegehen kann oder nicht. Das ist im Prinzip nicht anders als bei Pensionskassen von privaten Unternehmen, die mit dem gleichen Rating zu versehen sind wie ihre Muttergesellschaft. Solange diese Bewertungsfrage nicht geklärt ist, kann Solvency II nicht auf Pensionskassen angewendet werden.

Den vollständigen Artikel lesen Sie in dpn Dezember 2013 /Januar 2015-Ausgabe 

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