11.02.2020 | Von Michael Lennert

Institutionelle Investoren setzen auf digitale Plattformen

Bei ihrer Kapitalanlage binden institutionelle Investoren zunehmend Plattformen in die Akquise ein. Daneben vergibt mehr als jeder fünfte Investor online Kredite.

Bildquelle: NicoElNino/iStock/GettyImagesPlus

Das zeigt eine Studie, die das FinTech Loanboox in Zusammenarbeit mit der TUM School of Management an der Universität München erstellt hat und bei der rund 50 Versicherungen, gesetzliche Krankenkassen, Versorgungswerke, Pensionskassen und Asset Manager aus Deutschland, Österreich und der Schweiz teilgenommen haben, von denen  über die Hälfte der Befragten ein Vermögen von mehr als 3 Milliarden Euro verwaltet.

Einen Schwerpunkt der Studie bildete die Frage der jeweiligen Anlagestrategie. Hierzu wurde unter anderem untersucht, in welche Asset-Klassen investiert wird, welche Einflussfaktoren den Anlageentscheidungen zugrunde liegen und inwieweit digitale Anwendungen eine Rolle bei der Kapitalanlage spielen.

Corporate ist wichtigste Asset-Klasse für institutionelle Investoren

Befragt nach der Bedeutsamkeit verschiedener Asset-Klassen, zeichnen sich Corporates als die wichtigste Form aus. 84 Prozent aller Studienteilnehmer stufen diese als (eher) wichtig ein. Hinsichtlich der Asset-Klassen Near Public Sector (NPS), Immobilien und Infrastructure ist keine Tendenz bezüglich einer einheitlichen Einstufung der Relevanz zu beobachten.  Vergleicht man das Antwortverhalten der Investoren aus den Regionen Schweiz und Deutschland/Österreich fällt hingegen auf, dass Schweizer Investoren eine unterschiedliche Einstellung zu dem Bereich NPS haben. So erachten die Schweizer die Asset-Klasse NPS zu 71 Prozent als (eher) wichtig, die beiden Länder aus der Eurozone hingegen nur zu 36 Prozent.

Bei der Anlageentscheidung orientieren sich die Investoren in erster Linie an den Kriterien Rendite (82 Prozent), Rating (77 Prozent), Laufzeit (74 Prozent) und Liquidität (72 Prozent). Hingegen wird den Kriterien geplanter Verwendungszweck und Erfahrungswerte mit Kunden grundsätzlich eine untergeordnete Rolle zugeschrieben. Einzig Versorgungswerke/Pensionskassen erachten letzteres Kriterium für eher relevant.

Plattformkompetenz ist in der Schweiz höher als in Deutschland

Bei den Akquiseaktivitäten werden analoge „Kanäle“ inzwischen immer mehr durch digitale abgelöst. Der Großteil der Befragten (70 Prozent) bevorzugt E-Mails. Am zweithäufigsten wird das Telefon genannt (65 Prozent). Dahinter folgen schon digitale Plattformen, die von 43 Prozent der Teilnehmer als Akquisekanal verwendet werden. Persönliche Gespräche sowie die Kontaktaufnahme über Finanzberater spielen mit 19 Prozent eine ebenso untergeordnete Rolle wie das Fax, welches lediglich noch bei einem Studienteilnehmer zum Einsatz kommt.

Auch bei der Kreditvergabe wird verstärkt auf digitale Anwendungen gesetzt. Zwei von zehn Investoren vergeben bereits Kredite über digitale Plattformen. Allerdings gibt es hier starke länderspezifische Unterschiede. Während in der Schweiz zwei Drittel aller befragten Investoren Plattformen zur Kreditvergabe einsetzen, sind es in Deutschland/Österreich nur rund 11 Prozent. Ein möglicher Grund könnte eine mangelnde Vertrautheit mit der Verwendung solcher Plattformen sein. In Deutschland/Österreich sind 45 Prozent der Befragten mit der Nutzung von digitalen Plattformen (eher) unvertraut, in der Schweiz sind es nur 29 Prozent.

Länderübergreifend einheitlich wird hingegen die Frage beantwortet, welche Eigenschaften digitaler Plattformen am relevantesten eingeschätzt werden. Markttransparenz sehen 77 Prozent aller Befragten als (eher) wichtigen Aspekt an. Von keinem wird dieser Punkt als (eher) unwichtig eingestuft. Die Möglichkeit der Zeitersparnis wird von 66 Prozent der Teilnehmer als (eher) wichtige Eigenschaft beschrieben. Nur knapp 6 Prozent der Beteiligten stufen die Zeitersparnis als weniger relevanten Faktor ein.

Loanboox ist eine unabhängige Fremdkapitalmarkt-Plattform, über die in Deutschland seit Oktober 2017, Finanzierungen von mehr als 6 Milliarden Euro  angefragt wurden, global sind es 30 Milliarden. Über 530 Kreditnehmer und rund 140 Kapitalgeber aus Deutschland sind inzwischen an die Plattform angeschlossen.

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