Der Lebensversicherer LV 1871 gewinnt den institutional assets Award 2020 & 2021 in der Kategorie Fixed Income Allocation.

„Für uns als Lebensversicherer hat der Award in der Kategorie Fixed Income eine große Relevanz“, betont Wolfgang Reichel, Vorstandsvorsitzender der Lebensversicherung von 1871 a. G. München, kurz LV 1871. „Wir sind es gewohnt, uns dem Wettbewerb und unserer Peergroup zu stellen, gerade weil der Maklervertrieb unser prägender Vertriebskanal ist.“ Zu den Besten zu gehören ist das Ziel des Lebensversicherers, der sich bereits seit Jahren bei den institutional assets Awards engagiert. In diesem Jahr war er neben Platz 1 bei Fixed Income zudem als Follower-up in weiteren Award-Kategorien platziert, insbesondere für Asset-Liability-Management, Risikomanagement, Private Equity sowie Insurance Asset Management. Als Host für den Award in Fixed Income Allocation tritt die Capital Group auf, die den Ausbau des eigenen Fixed-Income-Geschäftes als strategisches Wachstumsfeld definiert hat.

Enge Verflechtung von Kapitalanlage und Risikomanagement

„Im dauerhaft niedrigen Zinsumfeld hat eine Verschiebung der Allokationen hin zu den risikoreicheren Asset-Klassen stattgefunden, und Fixed-Income-Anlagen haben ihre Eigenschaft als klassischer Diversifikator teilweise verloren“, stellt Henning Busch, Managing Director bei der Capital Group, fest. „Ein Zusammenspiel von Kapitalanlage und Risikomanagement ist daher zunehmend wichtiger geworden.“ Dieses Zusammenspiel ist auch für die LV 1871 sehr wichtig, gerade in Zeiten, in denen die Kapitalanlage immer stärker diversifiziert wird und damit auch die Risiken steigen. „In den zwei zurückliegenden Jahrzehnten sind beide Bereiche immer enger zusammengerückt und inzwischen längst miteinander verwoben“, sagt Wolfgang Reichel. Das hat sich im März 2020 auf dem Höhepunkt der ersten Corona-Welle bewährt. Kurze Wege haben den täglichen Austausch vereinfacht, so dass die Verantwortlichen die Risikotragfähigkeit rasch den neuen Anforderungen anpassen konnten. „Dadurch waren wir auch nicht unter Druck, Risky Assets wie Aktien kurzfristig verkaufen zu müssen“, sagt der Vorstandsvorsitzende.

Die Auszeichnung in der Award-Kategorie Fixed Income ist für Dr. Martin-Ulrich Fetzer, Leiter Bereich Kapitalanlage bei LV 1871, folgerichtig. „Fixed Income macht rund 75 Prozent unserer Allokation aus.“ Im Jahr 2020 wuchsen die Kapitalanlagen des Lebensversicherers um 101 Millionen Euro auf fast 5,9 Milliarden Euro. Im Anlagenbestand bilden Inhaberschuldverschreibungen, Einlagen bei Kreditinstituten und übrige Kapitalanlagen mit 38,7 Prozent den größten Einzelposten, gefolgt von Namensschuldverschreibungen, Schuldscheinforderungen und Darlehen mit 22,3 Prozent. Hypotheken- und Grundschuldforderungen summieren sich auf 12,3 Prozent, während Aktien, Investment-Anteile und andere nicht festverzinsliche Wertpapiere zusammen auf 20,1 Prozent kommen.

Liability-driven Assets und Spread-driven Assets

„Unsere Fixed-Income-Anlagen teilen wir in Liability-driven und in Spread-driven auf“, erläutert Martin-Ulrich Fetzer. „Die beiden Gruppen stehen im Verhältnis 75:25 zueinander.“ Darin spiegelt sich das erste Ziel wider, zunächst die Verpflichtungen zu erfüllen. In den 25 Prozent Spread-driven Assets hält die LV 1871 Anlagen mit attraktiven Risiko-Rendite-Profilen. „Hier gehen wir stärker in den High-Yield-Bereich“, erklärt der Anlageverantwortliche. „Zudem steigen wir verstärkt in den illiquiden Bereich ein wie Loan Funds oder Infrastructure Debt.“

Dr. Harald Eggerstedt, Sprecher des institutional assets Fixed Income Evaluierungskomitees und im Hauptberuf Senior Consultant bei Faros Consulting, hebt bei der Begründung der Jury die Klarheit der strategischen Ausrichtung und das Durchhaltevermögen in der Kapitalanlage hervor. „Die LV 1871 hat zunächst ihre Hausaufgaben bei den Verpflichtungen gemacht und ist dann in der Phase der Marktturbulenzen standhaft geblieben.“ Dass die LV 1871 im Fixed-Income-Bereich auch auf neue Segmente setzte, bedeutete eine höhere Komplexität für das Asset Management. Dabei half die klare Unterscheidung von Liability-Driven Assets, also sicheren Anlagen wie Staatsanleihen, Pfandbriefen, Supranationals und Hypothekendarlehen, auf der einen Seite und Spread-Driven Assets wie High Yields, Nachranganleihen, strukturierten Zinsprodukten und Loan Funds auf der anderen Seite. „Zugleich hat sich der Lebensversicherer über Hypotheken mehr Ertrag gegenüber Pfandbriefen und Staatsanleihen ins Portfolio geholt.“

Dr. Andreas Billmeyer, Leiter des Stabs Risikomanagement bei LV 1871, betont, dass der Lebensversicherer schon seit Jahren antizyklisch denkt und investiert. „Wir gehen nicht in die typische Falle des Risikomanagements, in Werte reinzugehen, wenn sie steigen, und wieder rauszugehen, wenn sie sinken.“ Eine antizyklische Strategie erfordert ausreichend Solvenzmittel als Puffer. „Das hat uns durch die Krise des Frühjahrs 2020 gebracht, als wir nicht nur in Risikoszenarien dachten, sondern auch Chancen genutzt haben.“ So konnte LV 1871 in der Kapitalanlage das vergangene Jahr mit einem Plus von 7,3 Prozent abschließen. „Das haben wir durch ein robustes, breit diversifiziertes Portfolio erreicht“, sagt Wolfgang Reichel.

Größere Diversifizierung

Um mehr zu diversifizieren, hat LV 1871 im vergangenen Jahr auch bei Fixed Income neue Wege eingeschlagen. „Wir haben vor allem bei Private Debt und Infrastructure Debt zugekauft“, erklärt Martin-Ulrich Fetzer. „Hier haben wir die illiquide Seite gestärkt.“ Vor jedem Investment stehen genaue und längere Analysen an, um passende Zeitpunkte für einen Einstieg zu erwischen. Inzwischen ist der Lebensversicherer in den wichtigsten illiquiden Asset-Klassen und -Segmenten allokiert – ein großer Aufwand für das zehnköpfige Team in der Kapitalanlage. „Wir managen die klassischen liquiden Anlageklassen inhouse, aber für alternative Anlagen suchen wir uns externe Asset Manager“, so Fetzer.

Gerade bei den knapp 6 Prozent Private Equity, die als Funds of Funds im Portfolio liegen, kooperiert der Lebensversicherer mit externen Managern, mit einigen von ihnen bereits seit 15 Jahren. „Die langfristige Kooperation mit externen Asset Managern hat die Jury positiv in ihrer Begründung des Preises hervorgehoben“, unterstreicht Harald Eggerstedt. „Diese Konstellation ergibt zusammen mit der guten Performance über alle Anlageklassen hinweg eine robuste Aufstellung.“

Im Fondsmanagement für Private Debt nutzt LV 1871 einen Plattformansatz. Zusammen mit einem Berater sucht der Lebensversicherer am Markt Fonds, die ein bestimmtes Risiko-Rendite-Profil aufweisen. „Uns ist wichtig, dass wir selbst die Fonds aussuchen können“, sagt Martin-Ulrich Fetzer. „Die Funds of Funds, die am Markt in dieser Anlageklasse angeboten werden, haben uns bei der Risikoanalyse nicht überzeugen können, weil wir bewusst konservativ anlegen.“ Bislang hat LV 1871 vier Fonds über die Plattform des Beraters selektiert, das mittelfristige Ziel liegt bei zehn Fonds.

Auch innerhalb der Fonds ist dem Leiter Kapitalanlage eine breite Diversifikation wichtig. „Damit können wir die größten Risiken im Vorfeld ausschließen und liegen bei der Performance gut im Rennen.“ Regelmäßige Performance-Kontrolle und Risikoanalyse gehören für Fetzer dazu. „Wir führen für jeden Fonds eine Due Diligence durch und sprechen den Fondsmanager regelmäßig.“

Bei der strategischen Asset Allocation hat LV 1871 in den vergangenen Jahren vor dem Hintergrund des Niedrigzinses das Portfolio deutlich umgestaltet. „Wir nehmen vor dem Hintergrund des Niedrigzinses von Jahr zu Jahr immer mehr Anlagen aus neuen Asset-Klassen auf und verkaufen im Gegenzug Positionen mit Null- oder gar negativen Renditen“, sagt Andreas Billmeyer. „Damit haben wir mit jedem Jahr auch immer einen Schuss Risiko zusätzlich im Portfolio.“ Doch bei einer Basissolvenzquote von über 400 Prozent fällt es dem Risikomanager leicht, mehr Risiken in der Kapitalanlage zu akzeptieren.

Das Geschäft von Andreas Billmeyer ist ein Wechselspiel zwischen langfristigen Durationen und kurzfristiger Überprüfung. „Wir halten unsere illiquiden Anlagen oft über zwölf Jahre und müssen sehen, dass die Performance am Ende stimmt“, so der Risikomanager. „Aber natürlich muss ich mir die einzelnen Titel und ihre Performance auch jeden Monat anschauen.“ Langes Durchhalten der Allokationsstrategie steht im Vordergrund, während kurzfristiges, taktisches Eingreifen oft gar nicht möglich ist. „Altersvorsorge muss über einen Zeitraum von zehn Jahren oder mehr performen, deshalb hilft es wenig, sich zum Beispiel bei Private Equity ständig die einzelnen Titel anzuschauen.“

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