Besonders das Neugeschäft bei Publikumsfonds stimmt optimistisch, berichtet der BVI. Weiter an Fahrt gewinnt das Thema Nachhaltigkeit.

Die deutsche Fondsbranche brummt. Das Jahr 2021 könnte sich sogar als Rekordjahr entpuppen und damit das bisher absatzstärkste Jahr 2015 knacken, hat der Bundesverband Investment und Asset Management BVI berechnet. Bis Ende September wurden Zuflüsse in Höhe von 167,9 Milliarden Euro verzeichnet. Im Jahr 2015 sammelten Fondsgesellschaften insgesamt 186,6 Milliarden Euro ein.

Offene Publikumsfonds können sich bereits über ein Absatzhoch freuen. Sie übertreffen beim Neugeschäft in diesem Jahr mit 85,9 Milliarden Euro bereits die bisherige Rekordmarke aus dem Jahr 2000. Damals erzielten sie Zuflüsse von 74,6 Milliarden Euro. Offenen Spezialfonds flossen in diesem Jahr bisher 79,9 Milliarden Euro zu und den geschlossenen Fonds 4,4 Milliarden Euro. Im Berichtszeitraum zogen Anleger 2,3 Milliarden Euro aus Mandaten ab. Das Neugeschäft der Branche seit Jahresbeginn summiert sich auf ein Plus von 4 Prozent oder 3.852 Milliarden Euro. Insgesamt verwalteten die Fondsgesellschaften Ende September ein Vermögen von 4.183 Milliarden Euro.

Begehrte Publikumsfonds für Aktien

Über die Hälfte des Neugeschäfts im diesem Jahr floss bisher in Aktienfonds. Dies gilt besonders im Segment der Publikumsfonds: Hier sind sie absoluter Absatztreiber. Ihnen flossen im Neunmonatszeitraum rund 42,9 auf nun 586 Milliarden Euro zu. Davon entfallen 25,2 Milliarden Euro auf aktiv gemanagte Fonds und 17,7 auf ETFs. Vor allem weltweit investierte Fonds waren beliebt (21,7 Milliarden Euro).

Auf Platz zwei in Sachen Zuflüsse befinden sich Mischfonds. Sie wurden mit 29,6 Milliarden Euro Neugeldern bedacht. Davon entfallen 16,4 Milliarden Euro auf Fonds, die zu gleichen Teilen in Aktien und Anleihen investieren. Insgesamt beläuft sich das verwaltete Vermögen in dem Segment auf 379 Milliarden Euro. Rentenfonds flossen indes 6,7 Milliarden Euro zu. Die Hälfte des Neugeschäfts stammt dabei von Fonds, die ihren Schwerpunkt auf Unternehmensanleihen legen. Damit konnte diese Fondsgruppe zur Jahresmitte die Rentenfonds, die überwiegend in Euro-Anleihen mit kurzer Restlaufzeit investieren, vom Thron stürzen. Konkret entfiel auf Unternehmens-Anleihefonds per Ende September ein Vermögen von 46 Milliarden Euro. Das ist ein Fünftel des Vermögens aller Rentenfonds (229 Milliarden Euro).

Fondsbranche: Nachhaltigkeit ist gefragt

Rund ein Viertel des Neugeschäfts fließt dabei in nachhaltige Fonds. Als nachhaltig gelten dabei die von den Mitgliedern als Artikel-8-Fonds (Fonds mit Nachhaltigkeitsstrategie) und Artikel-9-Fonds (Fonds, die zu Nachhaltigkeitszielen beitragen) klassifizierten Produkte gemäß der EU-Offenlegungsverordnung. Beim Neugeschäft dominieren nachhaltige Publikumsfonds mit 38,8 Milliarden Euro. Die nachhaltigen Produkte steuern  45 Prozent der Zuflüsse bei Publikumsfonds bei. Indes verzeichneten nachhaltige Spezialfonds nur Zuflüsse von 2,8 Milliarden Euro. Allerdings darf diese Zahl nicht überinterpretiert werden, mahnt der BVI. Denn die Anlagestrategien der institutionellen Investoren werden ohnehin oft individuell ausgestaltet. Daher gebe es wenig  Anreiz für die Fondsgesellschaften, sie formal unter Artikel 8 oder 9 der Offenlegungsverordnung zu klassifizieren.

Alles in allem verwaltete die deutsche Fondsbranche Ende September ein Vermögen von 452 Milliarden Euro in nachhaltigen Fonds. Davon entfallen 339 Milliarden Euro auf Publikumsfonds und 113 Milliarden Euro auf Spezialfonds.

Immobilienfonds: Fokus auf Deutschland und USA

Das verwaltete Netto-Vermögen der Immobilienfonds ist in den letzten zwölf Monaten von 238 Milliarden Euro (Ende September 2020) auf 267 Milliarden Euro gestiegen. Das entspricht einem Wachstum von 12 Prozent. Auf offene Spezialfonds entfallen dabei 129 Milliarden Euro, auf offene Publikumsfonds 124 Milliarden Euro und auf KAGB-konforme geschlossene Fonds 14 Milliarden Euro.

Dabei hat sich in den vergangenen zehn Jahren der Schwerpunkt auf Immobilien in Deutschland verlegt. Bei Publikumsfonds stieg der Anteil – gemessen an den Verkehrswerten – von 30 auf 38 Prozent. Bei Spezialfonds stieg er von 49 auf 72 Prozent.

Besonders stark ist aber der Anteil von US-Immobilien in Publikumsfonds gewachsen. Er hat sich verdoppelt von 4 auf nun 8 Prozent. Verringert hingegen hat sich indes der Anteil von Immobilien in Frankreich.

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