„Konkurrenz oder Kooperation zwischen Investment Consultants und Asset Managern?“ Unter dieser Fragestellung stand die jüngste DVFA-Konferenz zum Thema Fiduciary Management.

Klar ist, dass sich beide Seiten mit ihrem Dienstleistungsangebot aufeinander zubewegen und die Grenzlinien zwischen den Leistungen fließend werden. Schon der anfängliche Definitionsversuch machte das Problem deutlich: Was ist oder soll Fiduciary Management im Kern eigentlich sein, Implemented Consulting oder Delegated Investing, wie es der Einführungsvortrag treffend umriss?

Die großen Asset Manager bieten inzwischen – Stichwort Implemented Consulting – zumeist in gesonderten Unternehmenseinheiten auch strategische Beratungsleistungen an. Zum Teil haben sie hinsichtlich Risiko- und Pensionsberatung oder der strategischen Beratung im Vorfeld der Erstellung von Investment Guidelines schon längere Tradition. Und die Investment Consultants reklamieren – Stichwort Delegated Investing – die Beratung der gesamten Wertschöpfungskette von der ALM über die strategische und taktische Asset Allokation, Bestimmung der Risikobudgets und Managerauswahl bis hin zum Monitoring für sich, organisatorisch zumeist ebenfalls in einer gesonderten Beratungseinheit.

Die Antwort muss im Endeffekt wohl der Kunde geben. Die Diskussion zeigte aber, dass die Erwartungshaltung auch bei den Kapitaleignern noch keineswegs klar ist. Sicher ist nur der Anspruch an die Dienstleistung: Sie muss den Kunden einen Mehrwert bieten. Das können geringere Kosten oder eine Vereinfachung beziehungsweise höhere Effizienz des Anlageprozesses sein, verbesserte Zielerreichung etwa bei der Ausfinanzierung von Pensionsansprüchen, schnellere Erreichung der angestrebten Risikoposition oder verbesserte Abstimmung zwischen Consultant und Asset Manager. Für kleine Vermögen wird es wohl eher auf Vereinfachung und Kostensenkung („simplify“) hinauslaufen, für große Vermögen auf höhere Effizienz und Professionalität („skill up“). Da könnte Fiduciary Management nach Meinung eines Asset Managers mit dem Trend in Richtung alternative Portfolios zunehmend interessanter werden.

Steigender Bedarf an Fiduciary Management

Die Marktentwicklung spiegelt jedenfalls schon jetzt einen steigenden Bedarf an Fiduciary Management wider, in England wahrscheinlich deutlicher als in Deutschland. In England beliefen sich die Vermögen „under Fiduciary Management“ auf zuletzt 38 Milliarden Pfund verglichen mit erst 10 Milliarden Pfund 2007. In Deutschland kann man wohl noch nicht von einer „Fiduciary Welle“ sprechen, aber der Pegel steigt. Wichtig wird sein, wer die relevanteren Dienstleistungen anbieten kann, und vor allem, wie Interessenkonflikte vermieden werden. Den Asset Managern ist klar, dass sie bestimmte Beratungsleistungen wie Managerauswahl oder Dachfondsadministration nicht immer glaubhaft rüberbringen können. Und bei der Pensionsberatung oder Verpflichtungsbewertung werden sie wahrscheinlich mit der Skepsis mancher Kunden zu kämpfen haben. Consultants andererseits müssen konzedieren, dass die Kompetenzvermutung hinsichtlich Kapitalmarktkenntnis und Anlagestrategien vermutlich eher zugunsten der Asset Manager ausschlägt.

Ein Entscheidungsfeld könnte vielleicht die Risikomanagement-Beratung werden. Denn gerade das Risikomanagement dürfte künftig noch verstärkt kritische Bedeutung erlangen. In jedem Fall aber können Zusammenarbeitsmodelle nicht schaden. Wie meinte ein Asset Manager? Die eigene Fiduciary Management-Einheit sollte nicht nur als Beratungseinheit für die strategische Vorbereitung des Kunden verstanden werden, sondern auch als Brückenschlag für die Zusammenarbeit mit Investment Consultants.

Laut der „Marktanalyse Fiduciary Management” von Frankfurt School Student Consulting und FAROS Pension & Asset Advisory aus dem Jahr 2020 hat sich das Fiduciary Management in Deutschland bisher nicht wirklich durchgesetzt. 

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