Harald Rieger, Leiter Vertrieb für Deutschland und Österreich bei der DWS, sprach mit Michael Lennert über den Weg der DWS, nach dem IPO die eigene Asset-Management-DNA voranzutreiben, den wachsenden Bedarf nach alternativen Anlagelösungen sowie über seinen persönlichen Antrieb.

Herr Rieger, Sie sind Mitglied der Geschäftsführung der DWS und verantworten das Kundengeschäft in Deutschland und Österreich, und zwar sowohl auf der institutionellen Seite als auch auf der Retail-Seite. Wie sehen Sie die DWS aktuell im deutschen Markt positioniert?

Harald Rieger: Seit unserem Börsengang im Jahre 2018 und der Besetzung der CEO-Position mit Asoka Wöhrmann sehe ich uns ganz klar auf dem richtigen Weg. Der IPO war für uns ein wichtiger Schritt, um unsere eigene Asset-Management-DNA weiter auszubilden. Daneben konnten wir noch fokussierter die wichtigen Themen für unsere Kunden besetzen.

Uns zeichnet aus, dass wir ein globaler Asset Manager sind, der über alle Anlageklassen hinweg aus unserem Heimatmarkt heraus agiert. Hier kenne ich keinen zweiten, der dies in dieser Breite macht wie wir. In Zahlen ausgedrückt verwalteten wir per Ende vergangenen Jahres 793 Milliarden Euro weltweit. Davon sind 22,6 Prozent passiv und 93 Milliarden Euro in alternativen Anlagen angelegt. Als Marktführer in Deutschland beträgt unser verwaltetes Vermögen derzeit rund 350 Milliarden Euro, wobei ungefähr die Hälfte davon aus dem Privatkundenbereich stammt, die andere Hälfte kommt von unseren institutionellen Investoren.

Welche Themen beschäftigen Ihre Kunden besonders?

Rieger: Ein Thema, welches unsere Kunden derzeit sehr stark bewegt, ist das seit längerem andauernde Niedrigzins-, Null- oder Negativzinsumfeld. Wir haben hier im letzten Jahr verschiedene institutionelle Kunden hinzugewonnen, unter anderem mit unseren strategischen Cash-Mandaten. Diesbezüglich besprechen wir mit unseren Kunden die Fragestellung, welche geeigneten Anlagelösungen wir am kurzen Ende anbieten können, um unter anderem ihre strategische Liquidität einzusetzen oder für weitere Investitionen sinnvoll zu parken.

Grundsätzlich sprechen wir von dem Jahrzehnt der Nullzinsen, der Nachhaltigkeit und der Digitalisierung. ESG ist aus keinem Kundengespräch mehr wegzudenken und wir arbeiten gemeinsam mit unseren Kunden kontinuierlich daran, passende nachhaltige Lösungen zu implementieren. Durch die Corona-Krise wurde der Gesprächsbedarf noch einmal sehr verstärkt. Weitere Themen, die uns derzeit intensiv beschäftigen, sind alternative Investments sowie der Abbau traditioneller Fixed-Income-Bestände beziehungsweise der Aufbau von Substituten, zum Beispiel über Private-Debt- oder andere Nischen-Credit-Anlagen.

Welche Asset-Klassen favorisieren Sie bei den alternativen Anlagen?

Rieger: Wir haben eine sehr starke Stellung bei Infrastruktur- sowie Real-Estate-Anlagen inklusive US-REITs. Dort haben wir jüngst ein großes Mandat gewonnen. Da können wir auf unserer Plattform aus den Vollen schöpfen. Das bedeutet nicht, dass wir in jedem einzelnen Segment führend sind. Doch wir haben verschiedene Strategien, die für unsere Kunden in Deutschland exzellent passen. Das geht zum Teil von individuellen Mandaten über Club Deals bis hin zu gepoolten Vehikeln, die eine breitere institutionelle Kundschaft ansprechen.

Ein weiterer Bereich, der für uns gerade ein zusätzliches Momentum verspricht und den ich bereits angesprochen habe, sind Private-Debt-Investments. Bei Private-Debt-Anlagen schließt sich für uns wunderbar ein Kreis, da wir eine ausgesprochene Expertise in beiden Welten haben. Damit meine ich auf der einen Seite unsere langjährige Erfahrung auf der Equity-Seite im Alternatives-Bereich sowie auf der anderen Seite ein sehr fundiertes Wissen im aktiven Fixed-Income-Geschäft, also jeglichen Fixed-Income-Parametern, die notwendig sind für die Beurteilung der zugrunde liegenden Assets oder Bewertung derselben.

Daneben haben wir als DWS durch die Zusammenarbeit mit der Deutschen Bank einen weiteren Vorteil. Die Deutsche Bank ist wichtigster Aktionär der DWS und gleichzeitig bei Private Debt ein starker Partner, wenn es um das Thema Deal Sourcing geht. Das alles natürlich immer in einer Art und Weise, dass sämtliche Interessen gewahrt bleiben. Zusätzlich achten wir auch bei diesen Lösungen auf ESG.

Welche Ansätze verfolgen Sie beim Thema ESG?

Rieger: Wir haben letztes Jahr unseren 10. ESG Corporates Day durchgeführt. Das heißt, wir haben bereits vor zehn Jahren angefangen, das Thema ESG sehr intensiv mit unseren Kunden zu diskutieren, und werden von unseren institutionellen Investoren mit unserem Multi-Vendor-Ansatz sehr stark als Lösungsanbieter wahrgenommen. Sei es nun für unterschiedliche Asset-Klassen, Herausforderungen bei der strategischen Asset Allocation oder Fragen zu den Themen ESG-Reporting oder ESG- Advisory.

Wir optimieren beispielsweise die Portfoliokonstruktion unseres eigenen Deutsche-Bank-Pensionsplans unter ESG- Gesichtspunkten und reduzieren den CO2- Fußabdruck dadurch signifikant.

Gibt es auch Asset-Klassen, in denen Sie nicht derart stark sind?

Rieger: Natürlich ist unser Anspruch, in möglichst vielen Asset-Klassen zu den führenden Anbietern zu zählen. Aber auch das unterliegt natürlich stets gewissen Phasen und Priorisierungen bei uns im Haus. Es gibt in der Tat einige Anlageklassen, die wir nicht abdecken. Dazu zählen beispielsweise Hedgefonds, von denen wir uns vor einiger Zeit getrennt haben. Ähnliches gilt für Private Equity. Auch da sind wir ganz bewusst den Weg gegangen, keine breite Private-Equity-Palette anzubieten, sondern eher eine interessante Nischenstrategie als Ergänzung unseres Alternatives-Portfolios.

Viel wichtiger ist es uns, auf der Alternatives-Seite – wie bereits schon erwähnt – sehr gute Angebote in den Bereichen Real Estate oder Infrastructure Debt und Equity bieten zu können. Daneben werden wir im Bereich Private Debt weitere Strategien lancieren sowie unser ESG-Angebot weiter intensiv ausbauen. Das gilt für alle drei Anlagebereiche – für den alternativen Bereich, für den passiven Bereich, aber auch für den aktiven Bereich.

Wie haben Sie die Corona-Krise bis jetzt erlebt und welche Lehren haben Sie daraus gezogen?

Rieger: Zum einen muss ich sagen, dass ich es sehr positiv erlebt habe, wie gut und professionell unsere Kunden, aber auch die DWS selbst, mit der Corona-Pandemie umgegangen sind. Auch in den Marktphasen, in denen die Märkte stark unter Druckstanden. In diesen Zeiten waren wir noch enger am Kunden.

Zudem erleben wir, dass sich viele unserer Kundenbeziehungen zu Partnerschaften entwickeln. Und das liegt schlichtweg an dem sehr intensiven Dialog, den wir über alle Bereiche miteinander führen. Das war wirklich beeindruckend.

Gleichzeitig haben sich die bereits genannten Trends durch die Corona-Krise meines Erachtens noch weiter verstärkt. Auch das Thema Nullzinsen hat eine stärkere Bedeutung bekommen. Jetzt sehen wir gerade eine gewisse Gegenbewegung bei den Zinsen, aber wir rechnen nicht damit, dass die Zinsen signifikant weitersteigen. Wir nutzen solche Situationen natürlich auch. Beispielsweise haben wir mit verschiedenen großen Kunden in den vergangenen Monaten Inflations-Overlays aufgelegt.

Was treibt Sie persönlich an? Haben Sie persönliche Ziele, die Sie umsetzen wollen?

Rieger: Meine Ambitionen bei der DWS sind ganz klar. Ich sehe viel positive Energie, die ich gemeinsam mit meinem Team nutzen möchte, um die exzellente Stellung, die wir im Heimatmarkt haben, weiter auszubauen. Wenn uns das gelingt und wir damit unsere Kunden voranbringen, dann bin ich persönlich sehr zufrieden.

Weitere Informationen zur DWS und Herrn Rieger finden Sie in der dpn-Ausgabe April/Mai 2021.

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