Die Helaba Invest hat als ein Ziel ausgegeben, die eigenen Geschäftsfelder stärker zu vernetzen und deren Interaktion weiter voranzutreiben. Doch nicht nur das. Michael Lennert sprach darüber mit dem Sprecher der Geschäftsführung Dr. Hans-Ulrich Templin.

Herr Dr. Templin, wie sehen Sie die Helaba Invest aktuell positioniert?

Templin: Wir sehen uns als Full-Service-Manager und fokussieren uns bei unserem Geschäftsmodell auf die drei Geschäftsfelder Asset-Management-Wertpapiere, Immobilien & Alternative Investments sowie Administration/Master-KVG. Im Bereich Asset-Management-Wertpapiere verwalten wir derzeit knapp 52 Milliarden Euro und sehen unsere Stärken insbesondere bei Credits, bei Multi-Asset-Anlagen sowie beim Overlay Management. Bei den Immobilien & Alternative Investments sind es rund 13 Milliarden Euro Assets
under Management. Hier favorisieren wir neben Immobilien im Moment Infrastrukturanlagen. Und beim dritten Bereich der Master-KVG liegt unser Schwerpunkt auf der Administration von liquiden und illiquiden Asset-Klassen, dem Reporting und Meldewesen sowie der Administration von Direktbeständen. In diesem Bereich
verwalten wir derzeit knapp 123 Milliarden Euro in Spezialfonds sowie knapp 13 Milliarden Euro in Direktbeständen.

Bevor wir zu den einzelnen Bereichen kommen, wie haben Sie bis jetzt die Corona-Pandemie erlebt?

Templin: Corona war und ist natürlich ein besonderer Ausnahmezustand. Ein besonderer Ausnahmezustand dahingehend, dass am Anfang primär nicht die Herausforderungen des volatilen Kapitalmarktumfeldes im Fokus standen, sondern vor allem die Gesundheit unserer Mitarbeiter sowie die Frage, wie handlungsfähig wir als Firma durch die Krise kommen.

Wie gut sind Sie durch die Krise gekommen?

Templin: Das hat sehr gut geklappt. Aber es war auch speziell am Anfang eine besondere Herausforderung, da wir einen Verdachtsfall hatten, der sich zum Glück nicht bestätigt hat. Als Konsequenz hieraus wurde
die Firma fast vollständig ‚geräumt‘ und 97 Prozent der Mitarbeiter wurden quasi von einer auf die andere Minute ins Homeoffice geschickt. Das war der erste Härtetest. Dieser hat wie schon erwähnt sehr gut funktioniert, da wir technisch sehr gut vorbereitet waren.

Daneben gab es in der zweiten Märzhälfte einen weiteren Härtetest, der das Settlement bei etlichen Instrumenten betraf. Sprich, wir haben Geschäfte abgeschlossen, bei denen die Transaktionen durch den Kontrahenten zunächst gar nicht oder erst verspätet bestätigt wurden. Dies hat dazu geführt, dass es nur unter großen Anstrengungen möglich war, einen adäquaten Fondspreis zu ermitteln… Gerade für unser Overlay Management war dies eine besondere Herausforderung, denn eine korrekte Fondsbewertung ist die Voraussetzung für eine adäquate Sicherung. Dies konnten wir dadurch lösen, dass wir die Geschäfte schon vor der Bestätigung durch den Kontrahenten in die Bewertung einbezogen haben. Gleichzeitig war das Handelsvolumen sieben- bis achtfach so hoch wie in „normalen“ Zeiten. Insgesamt war insbesondere der März eine ziemlich anstrengende Zeit, in der wir alle sehr viel gearbeitet, die wir aber alle gemeinsam bewältigt haben.

Was für Lehren haben Sie daraus gezogen?

Templin: Wir haben Vorkehrungen getroffen, damit wir beim nächsten Lockdown oder einer ähnlichen Konstellation mit Partnern kooperieren, die uns bei der Ausführung der Trades besser unterstützen.

Wurde beispielsweise das Overlay Management während der Krise stark nachgefragt?

Templin: Ja, es wurde nachgefragt. Ein Overlay Management ist aber immer sehr individuell. Es gilt zunächst einmal zu hinterfragen, welche Ziele ein Investor erreichen möchte? Soll eine feste Untergrenze eingehalten werden? Oder möchte er einfach in einer Krise nicht ganz so stark dabei sein wie andere? Für einen anderen
Investor ist ein Overlay Management ein Asset-Management-Instrument, mit dem er noch mehr Geld verdienen möchte. Insofern gibt es verschiedene Ansätze und man benötigt zuerst eine gewisse Phase,
um sich gegenseitig kennenzulernen. Letztendlich geht es auch um die Frage, wie viel gegenseitigen Freiraum man sich einräumt.

Kommen wir zu den Immobilien und Infrastrukturanlagen. Es gibt Immobilienexperten, die der Ansicht sind, dass Büroimmobilien durch Corona an Attraktivität verloren haben, da das Homeoffice an Bedeutung zugenommen hat. Teilen Sie diese Aussage?

Templin: Die Gefahr besteht, insbesondere bei zehn bis 15 Jahre alten Büros. Unter dem Strich glaube ich gleichwohl, dass der Nettoeffekt an Büroflächenersparnis gar nicht so groß ausfallen wird. Warum? Auch wir beispielsweise überlegen, verschiedene Einheiten unseres Hauses zusammenzulegen. Doch diese Einheiten müssen auch zusammenpassen. Es ist aus meiner Sicht beispielsweise nicht sinnvoll, einen Buchhalter und einen Fondsmanager gegenüberzusetzen, da der Austausch meines Erachtens nicht sehr viel bringt. Insofern muss man sinnvolle Inseln bilden. Gleichzeitig ist es auch nicht so, dass man auf einmal die Bürofläche halbiert. Nichtsdestotrotz werden wir sicher weniger Bürofläche benötigen als früher.

Wie beurteilen Sie weitere Immobilienbereiche?

Templin: Hotels finden wir aktuell nicht mehr so spannend wie vor Corona. Da halten wir uns zurück. Aber losgelöst von der Hotel- oder Gastronomie-Branche oder dem Einzelhandel könnte man sich einmal grundsätzlich fragen, was eigentlich genau mit den Innenstädten passiert? Unsere Philosophie ist es nicht, sehr stark auf bestimmte Segmente zu setzen und diese über- oder unterzugewichten, sondern unser Ziel ist es, ein diversifiziertes und ausbalanciertes Portfolio zu bilden. Insgesamt ist der Bereich Immobilien und
Infrastruktur trotz Corona bei uns in den letzten Monaten sehr gut weitergelaufen. Die Nachfrage ist unverändert hoch.

Was subsumieren Sie alles unter Infrastruktur?

Templin: Das können Leitungen, Autobahnen oder Straßen sein, aber auch soziale Infrastruktur wie Kitas oder Ähnliches.

Sind erneuerbare Energien ein Thema?

Templin: Ja, erneuerbare Energien spielen auch eine Rolle bei Infrastruktur.

Denken Sie bei alternativen Investments auch an Private Equity?

Templin: Grundsätzlich nicht. Private-Equity-Anlagen scheinen uns im Moment zu teuer, als dass wir zu viel Energie investieren sollten. Da halten wir uns erst mal noch zurück.

Liquid Alternatives? Hedgefonds?

Templin: Die beiden Begriffe schwappen immer wieder auf, aber ich habe noch nicht so richtig beobachtet, dass sie sich auf lange Sicht durchsetzen konnten.

Kommen wir zum Thema Master-KVG. Uns ist zu Ohren gekommen, dass Sie hier kürzlich ein größeres Mandat gewonnen haben. Können Sie uns mehr verraten?

Templin: Es stimmt, wir haben wirklich ein sehr großes Mandat gewonnen. Ich sage mal so, es ist ein westdeutscher institutioneller Investor aus dem kirchlichen Sektor mit einem Anlagevolumen von rund 20
Milliarden Euro plus Direktbeständen, die wir mit abbilden dürfen. Insofern ist es wirklich ein sehr großer Erfolg.

Was, denken Sie, hat den Ausschlag gegeben, Ihnen das Mandat zu erteilen?

Templin: Ich glaube, es ist eine Mischung aus Kundenorientierung, Empathie und unserer prozessualen Sicherheit. Diesbezüglich haben wir einen langen Track Record. Das spricht sich herum. Daneben gab es zwei weitere Besonderheiten: Zum einen war die Administration der Direktbestände ein größeres Thema, zum anderen spielte das Thema Nachhaltigkeit, das Erstellen von Nachhaltigkeitsberichten sowie die Nachhaltigkeitsberatung eine zentrale Rolle. Dies ist eine unserer Stärken. Übrigens werden wir den Bereich Nachhaltigkeit in Zukunft weiter sehr intensiv ausbauen.

Wie lauten Ihre Ziele für die Zukunft?

Templin: Wir arbeiten intensiv am Thema Digitalisierung. Es ist weiterhin wichtig, Prozesse und die Datenverarbeitung zu automatisieren. Grundsätzlich gesprochen haben wir uns als Ziel gesetzt, unsere drei
Geschäftsbereiche als Full-Service-Manager noch weiter zu vernetzen und deren Interaktion noch stärker voranzutreiben. Unser oberstes Ziel dabei ist es, zufriedene Kunden zu haben. Und last, but not least: Für uns ist die Mitarbeiterentwicklung sehr wichtig. Diese werden wir stetig ausbauen. Mitarbeiter sind ein echtes Asset, diese wollen wir fördern und halten.

Vielen Dank für das Gespräch. 

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