Die weltweite Pandemie zwingt Asset Manager ihre strategische Agenda zu hinterfragen. Rückstände bei der Digitalisierung müssen nun unter Zeitdruck bewältigt werden, sagt Maren Schmitz, Leiterin des Asset Management Beratungsgeschäfts für KPMG Deutschland.

Frau Schmitz, COVID-19 hat viele Finanz- und Wirtschaftsbereiche ausgebremst. Wie hat sich die Pandemie auf das Asset Management ausgewirkt?

Nach einem kurzen, aber starken Einbruch haben sich die Finanzmärkte weitgehend erholt, was sich auch in den Nettozuflüssen der zuletzt veröffentlichten BVI Statistiken zur Entwicklung der Assets under Management (AuM) widerspiegelt. Die AuM der deutschen Asset Manager bewegen sich nach kurzem Einbruch wieder auf dem Ausgangsniveau.

Nichtsdestotrotz herrscht auf Grund der weltweiten Pandemie auch weiterhin eine enorme Unsicherheit an den Märkten, was den bereits vorhandenen Margen-Druck weiter verstärkt und Asset Manager zwingt, ihre strategische Agenda zu hinterfragen. Dabei kamen auch einige Rückstände bei der Digitalisierung zum Vorschein, die nun unter Zeitdruck bewältigt werden müssen. Vor diesem Hintergrund haben viele Asset Manager bereits ihr operatives Vorgehen deutlich verändert. Home-Office wird zunehmend zur Regel. So haben einige Asset Manager bereits angekündigt, den Mitarbeitern auch nach der Krise die Möglichkeit anzubieten, aus dem Home-Office zu arbeiten.

Die Krise hat vor allem die Themen Nachhaltige Investments und Digitalisierung beflügelt. Welche digitalen Trends, die wir heute diskutieren, werden das Asset Management in Zukunft bestimmen?

Nachhaltige Investments sind künftig der Standard und der „konventionelle Markt“ trocknet zunehmend aus. Durch Corona wird Nachhaltigkeit zunehmend auch Mittel zur Berücksichtigung von neuen Risiken (zum Beispiel Pandemie-Risiken) betrachtet.

Auf die Digitalisierung wirkt die Krise wie ein Katalysator: Die ganzheitliche Digitalisierung von Prozessen steht im Fokus, damit beispielsweise umfassend aus dem Home-Office gearbeitet werden kann. Als Grundlage für die Ende-zu-Ende Digitalisierung benötigen Asset Manager eine Digitale Plattform, die ausreichend Flexibilität für die Zukunft bietet. Auf Basis dieser Plattform lassen sich dann einzelne Geschäftsfähigkeiten in Form von Modulen (Container-Technik) schnell und innovativ bereitstellen. Der moderne „IT Betrieb“ der Plattform erfolgt dabei über Cloud Computing.

Im Fokus der Plattform steht eine ganzheitliche Datenschicht, die einzelnen Geschäftsfähigkeiten konsistenten Zugriff auf Daten gibt und einen umfassenden Einsatz von Technologien wie Data Analytics und Künstliche Intelligenz ermöglicht. Wir beobachten im Markt erste Initiativen, bei denen Asset Manager Ihre aktuellen Wertschöpfungsketten hinterfragen und den Weg hin zur Digitalen Plattform beschreiten.

Der Einsatz von Data Analytics und Künstlicher Intelligenz bietet in der Praxis viele Vorteile. Wo aber liegen die Schwächen und wo wird auch künftig der Asset Manager gefragt bleiben?

Es steht außer Frage, dass Data Analytics und KI einen deutlich größeren Stellenwert einnehmen und entlang der gesamten, sich stetig transformierenden Wertschöpfungskette eine tragende Rolle spielen werden. Dabei wird mit diesen Technologien einerseits eine umfangreiche Automatisierung ermöglicht. Auf der anderen Seite lassen sich gerade im Vertrieb und Portfoliomanagement Wettbewerbsvorteile erzeugen.

Dennoch wird der Mensch auch weiterhin wichtige Funktionen einnehmen: Es geht im Asset Management oftmals nicht darum, den Menschen zu ersetzen, sondern durch das Zusammenspiel aus „Mensch und Maschine“ das Beste aus beiden Welten zu erzielen. Die menschliche Interaktion mit dem Kunden wird auch weiterhin entscheidend bleiben. Die KI unterstützt den Vertriebler jedoch dabei, den Kunden besser zu verstehen und maßgeschneiderte Produkte zu entwerfen.

Auch im Portfoliomanagement ergibt sich durch „Mensch und Maschine“ ein erfolgreiches Zusammenspiel: Der Mensch trainiert die KI, um passende Signale zu finden und steuert gleichzeitig mit seiner Erfahrung und emotionalen Intelligenz. Die KI durchsucht gigantische Datenmengen in Echtzeit und liefert so passende Signale. Durch das effektive und effiziente Zusammenspiel ergeben sich so Wettbewerbsvorteile.

Die Blockchain-Technologie hat begonnen die Kapitalmärkte digital zu transformieren. Das wiederum wirkt sich auf das Asset Management aus. Wie gut stehen deutsche Asset Manager hinsichtlich ihres Know-hows sowie Offenheit gegenüber der neuen Technologie im internationalen Vergleich da?

Deutsche Asset Manager stehen der Blockchain-Technologie noch skeptisch gegenüber. Aber sie haben realisiert, dass die Technologie einen disruptiven Einfluss auf die Branche haben wird. Im Moment sind deutsche Asset Manager mit dem Aufbau von Experten-Teams und mit Großprojekten noch zurückhaltend im Vergleich zu anderen Ländern wie Asien oder den USA. Dies könnte sich aber nun mit dem neuen Gesetzentwurf zur Einführung von elektronischen Wertpapieren ändern.

Es handelt sich für eine Vielzahl der Finanzmarkt-Teilnehmer um einen Meilenstein, da der Entwurf sehr pragmatische Vorschläge zum Einsatz von Blockchain-Technologie als Krypto-Wertpapierregister macht und den lang ersehnten rechtlichen Rahmen für die Emission von Token realisiert. An dieser Stelle nimmt Deutschland mit Liechtenstein in Europa eine Vorreiterrolle ein!

Spätestens wenn der Gesetzentwurf konkretisiert und auf weitere Gattungen neben Schuldverschreibungen ausgeweitet wird, werden sich auch in Deutschland große Asset Manager und Verwahrstellen aus der Deckung wagen.

Auf welche Weise lässt sich die Blockchain-Technologie im Asset Management sinnvoll einsetzen?

Die Blockchain-Technologie und Tokenisierung von Assets kann die Notwendigkeit von zentralen Registern, die nur von einzelnen Marktteilnehmern administriert werden, abschaffen. In einem Netzwerk von verifizierten Markteilnehmern kann mit Hilfe von Blockchain-Technologie ein dezentrales Register an Wertpapiertransaktionen etabliert werden, das Zentralverwahrer obsolet macht und auch die Rolle von Verwahrstellen grundlegend ändert.

Das heißt letztendlich, dass alle Marktteilnehmer durch den direkten Zugriff (variierend nach Berechtigung) auf ein und dieselbe Datenbasis von geringeren Transaktionskosten und schnelleren Prozessen profitieren können. Clearing und Settlement kann zum Beispiel in Echtzeit abgebildet werden und Wertpapier-Servicing über Smart Contracts realisiert werden. Außerdem könnte die Blockchain durch die Beschränkung des Zugriffs durch Investoren auch zu einem einfacheren Direktvertrieb von Asset Managern beitragen.

Was sind die wesentlichen Vorteile des Einsatzes? Wo liegen die Schwachpunkte?

Der wesentliche Vorteil ergibt sich daraus, dass alle Marktteilnehmer Zugriff auf eine dezentrale Datenbasis haben, die in Kombination mit Kryptographie fälschungssicher und unveränderbar ist. Die Transaktionshistorie kann nicht verändert werden und es können nur neue Transaktionen hinzugefügt werden, die von selektierten Netzwerkteilnehmern (zum Beispiel Asset Manager oder Banken) verifiziert und genehmigt wurden. Das heißt, es kann vollständig auf Intermediäre durch Konsens-Mechanismen verzichtet werden, wodurch Transaktionswege vereinfacht und beschleunigt werden können. Durch das generische Konstrukt von Smart Contracts können zudem alle ereignisbasierten Vorgänge abgebildet werden.

Die grundlegende Schwäche ist, dass es sich um eine abstrakte Technologie handelt, die Expertenwissen und spezialisierte Entwickler benötigt.

Frau Schmitz, ich danke Ihnen herzlich für das Gespräch!

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