Die Fondsgesellschaften verwalten 2021 ein Vermögen mit 4.334 Milliarden Euro. Fast zwei Drittel entfallen auf das institutionelle Geschäft.

Die Fondsgesellschaften verwalten 2021 mit 4.334 Milliarden Euro ein Vermögen in Rekordhöhe. Die Gründe dafür sind die hohe Inflationsrate von 3,1 Prozent sowie die Negativzinsen. Angesichts dieser Lage haben viele Bürger 2021 die Wertpapieranlage für sich entdeckt. Immer mehr Sparer legen auch in Publikumsfonds an. Besonders stark sei die Zahl der Verträge mit Fondssparplänen gestiegen, sagt Alexander Schindler, Präsident des deutschen Fondsverbands BVI, auf der diesjährigen Pressekonferenz.

Vermögen in den letzten Jahren um 140 Prozent gestiegen

Die kräftigen Mittelzuflüsse und die steigenden Aktienkurse haben zu der neuen Bestmarke beim verwalteten Vermögen geführt. In den letzten zehn Jahren ist das Vermögen um über 140 Prozent gestiegen. Der deutsche Fondsmarkt bestätigt damit einmal mehr seine führende Position in Europa.

„2021 war ein Ausnahmejahr. Die Fondsgesellschaften verwalten mit 4.334 Milliarden Euro ein Rekordvermögen, und Fonds erzielten mit einem Neugeschäft von 256 Milliarden Euro ihr bestes Absatzjahr“, sagt Alexander Schindler.

Laut Europäischer Zentralbank ist Deutschland mit einem Anteil von 27 Prozent der größte Fondsmarkt in der EU. In Deutschland sind offene Spezialfonds mit einem Vermögen von 2.188 Milliarden Euro die größte Fondsgruppe. Zusammen mit den Mandaten im Wert von 634 Milliarden Euro entfallen fast zwei Drittel des verwalteten Gesamtvermögens auf das rein institutionelle Geschäft mit zum Beispiel Altersvorsorgeeinrichtungen und Versicherungsgesellschaften. Eine weitere Bestmarke gibt es bei den offenen Publikumsfonds. Sie verwalten ein Rekordvermögen von 1.471 Milliarden Euro.

Alternative Anlageklassen gewinnen an Bedeutung

Das Netto-Vermögen geschlossener Fonds ist in den letzten drei Jahren von 14 auf 41 Milliarden Euro gestiegen. Angesichts der Nullzinsen und der attraktiven Renditechancen an den Privatmärkten sind alternative Anlageklassen wie zum Beispiel „Private Equity“ und „Private Debt“ für institutionelle Investoren bedeutender geworden. Allein Beteiligungsfonds haben ihre Assets in den letzten drei Jahren auf 24 Milliarden Euro fast verzehnfacht.

Mit Zuflüssen von 256 Milliarden Euro beim Neugeschäft erzielten Fonds einen neuen Absatzrekord. Die stabile Stütze im Neugeschäft sind offene Spezialfonds. Ihnen floss mit netto 131 Milliarden Euro eine neue Rekordsumme zu. Bislang war 2015 mit 121 Milliarden Euro ihr stärkstes Absatzjahr. Offene Publikumsfonds übertrafen beim Neugeschäft mit 118 Milliarden Euro deutlich ihre Rekordmarke aus dem Jahr 2000 (75 Milliarden Euro).

Seit 2019 haben Publikumsfonds ihre Zuflüsse pro Kalenderjahr jeweils mehr als verdoppelt. Dazu haben vor allem Privatanleger beigetragen. Nach Angaben der Bundesbank entwickeln sie sich seit 2013 wieder zur tragenden Säule bei den Zuflüssen von Publikumsfonds. In den letzten beiden Jahren entfielen zusammen über 90 Prozent des Neugeschäfts von Publikumsfonds auf Privatanleger.

Deutsche Fondsgesellschaften vorsichtig bei nachhaltiger Klassifizierung

Publikumsfonds mit Nachhaltigkeitsmerkmalen erzielten 2021 Zuflüsse von 60 Milliarden Euro. Im Vorjahr waren es 21 Milliarden Euro. Die Fondsbranche verwaltet insgesamt 588 Milliarden Euro in Publikums- und Spezialfonds, die gemäß Artikel 8 oder 9 der EU-Offenlegungsverordnung als nachhaltig gelten. Damit stecken 16 Prozent des gesamten Fondsvermögens in Produkten mit Nachhaltigkeitsmerkmalen. Bei Publikumsfonds sind es 31 Prozent. Im Vergleich zu anderen Fondsmärkten ist der Anteil eher gering. In Frankreich zum Beispiel liegt er bei 60 Prozent. In der EU entfallen im Schnitt 40 Prozent des Publikumsfondsvermögens auf Fonds mit Nachhaltigkeitsmerkmalen. Offenbar sind die Fondsgesellschaften in Deutschland bei der Klassifizierung ihrer Fonds als nachhaltig im Sinne der Offenlegungsverordnung vorsichtiger als ihre Kollegen im Ausland, die ihre Fonds deutlich offensiver als nachhaltig im Sinne der Offenlegungsverordnung einstufen.

 

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