Die FERI-Gruppe will organisch aus eigener Kraft heraus wachsen – ungeachtet Corona. Michael Lennert sprach darüber mit Marcel Renné, Vorsitzender des Vorstands bei FERI. Doch nicht nur darüber.

Herr Renné, Sie sind Vorsitzender des Vorstands der FERI-Gruppe, wie lauten derzeit Ihre strategischen Topthemen?

Marcel Renné: Ein strategisches Topthema ist sicherlich, uns noch stärker als Investment Manager zu positionieren. Grundsätzlich basiert unser Geschäftsmodell auf drei Säulen – Investment Management, Investment Consulting und Investment Research. Die FERI-Gruppe verwaltet momentan knapp 40 Milliarden Euro. Hiervon sind knapp 80 Prozent institutionelle Gelder. Die restlichen 20 Prozent stammen von vermögenden Familien.

In den letzten Jahren sind wir insbesondere im institutionellen Bereich sehr stark gewachsen – eine Entwicklung, die wir vor allem auf die Kombination aus Investment Management und unserer besonderen Expertise im Bereich Consulting zurückführen. Speziell mittelgroße institutionelle Kunden mandatieren uns für beide Dienstleistungen. Das freut uns sehr und lässt uns einen noch stärker gesamthaften Ansatz auf der Beratungsseite darstellen.

Sie sprachen es gerade an, auch Family Offices sind ein Thema für Sie. Wie viel Vermögen muss man hier mitbringen?

Renné: Unserer Ansicht nach macht es Sinn, ab einem Vermögen von 50 Millionen Euro und mehr ein Multi Family Office, wie es FERI anbietet, zu mandatieren, welches eine strategische Asset Allocation für den Vermögensinhaber / die Familien aufstellt und darauf aufbauend die Umsetzung in den einzelnen Anlageklassen mit den jeweiligen Kunden zusammen gestaltet. Das geht meistens bis zu Größenordnungen von bis zu 200 Millionen Euro.

Ab dieser Größenordnung halten wir es wiederum für sinnvoll, ein eigenes Single Family Office aufzusetzen. Interessant hierbei: Gerade bei Family Offices merken wir derzeit einen verstärkten Trend zur Einbeziehung von alternativen Anlagen – in der Größenordnung von 20 bis 30 Prozent – in die strategische Asset Allocation.

Bevor wir zu einzelnen Asset-Klassen kommen, sind Themen wie der Shift hin zu einer digitalen Vermögensverwaltung auch relevant für Sie?

Renné: Ehrlich gesagt nein. Natürlich haben auch wir das Thema Robo-Advisor in den vergangenen Jahren intensiv betrachtet. Dabei kamen wir zu folgendem Schluss: Ja, es ergibt Sinn, Dienstleistungen digitaler darzustellen. Die Verwendung von Portfoliomanagement- und Kundenbetreuungstools sind dabei aus unserer Sicht besonders vielversprechend.

Was unserer Meinung nach jedoch keinen Sinn ergibt: dies alles komplett automatisiert und digitalisiert darzustellen. Vielmehr sind wir davon überzeugt, dass der Kunde in der heutigen Welt mehr denn je Orientierung in Form persönlicher Beratung braucht. Deswegen verfolgen wir einen Beratungsansatz, bei dem die Soft Skills im Fokus stehen und der Kunde immer die Möglichkeit hat, seinen Relationship-Manager persönlich anzurufen und beispielsweise zu fragen, wie kommen wir jetzt aus der Corona-Krise et cetera. Das ist meines Erachtens der entscheidende Faktor in unserem Geschäftsmodell.

Welchen Weg gehen Sie dann bei der Digitalisierung?

Renné: Ein weiteres Problem beim Geschäftsmodell der Robo-Advisor ist, dass man eine relativ hohe Cash-Burn-Rate hat, da man wirklich ein großes Team an Entwicklern benötigt, die diese Systeme aufsetzen und instand halten. Wir gehen beim Digitalisierungsthema deswegen einen anderen Weg: Wir digitalisieren uns von innen heraus über die bestehenden Systeme – und nicht von außen über den Markt.

So sind wir gerade dabei, unseren Internetauftritt, unsere Portfoliomanagementsysteme und Kundensysteme weiter zu modernisieren, damit etwa unsere Research-Ergebnisse noch besser und schneller in die Investment-Entscheidungen einfließen können.

Kommen wir zurück zu Ihrem Investment-Ansatz. Worin sehen Sie Ihre besondere Expertise?

Renné: Wir haben sicherlich eine ausgesprochene Expertise bei jeglichen Themen rund um Asset Liability Management, dem Aufsetzen der strategischen Asset Allocation, deren taktischer Umsetzung, im Overlay Management sowie in der klassischen Manager-Selektion. Daneben haben wir auch bei speziellen Anlageklassen eine sehr gute Expertise in unseren Asset-Management-Teams.

Beispielsweise bei welchen?

Renné: Insbesondere bei alternativen Anlagen wie Hedgefonds oder Private-Equity-Anlagen. Wir sind auch sehr erfolgreich bei Volatilitätsstrategien oder im Bereich von Risiko-Overlays. Diese Fähigkeit hat sich gerade jetzt in Krisenzeiten wie der Corona-Pandemie sehr bewährt. Ich sehe unseren Schwerpunkt jedoch nicht im Immobilienbereich oder etwa bei Anleihen. Da gibt es Partner, mit denen wir sehr gut zusammenarbeiten.

Wie haben Sie bis jetzt Corona gemeistert?

Renné: Während der Lockdown-Phase arbeiteten von unseren 200 Kollegen nur noch zehn hier im Haus am Park in Bad Homburg, alle anderen befanden sich im Homeoffice. Das hat reibungslos funktioniert. Auch das Hochfahren der IT von 100 Laptops auf rund 170 hat problemlos funktioniert.

Welche Lehren haben Sie daraus gezogen?

Renné: Grundsätzlich: flexibel zu sein und entsprechend agieren zu können. Im Wesentlichen sind es drei Lehren: Man sollte erstens in Bezug auf die eigenen IT-Systeme nicht von Dritten abhängig sein, sondern diese selber beherrschen. Punkt zwei betrifft die Kundennähe, das bedeutet: den Kunden eng durch die Krise zu begleiten. Und Punkt drei: gute, einsatzfähige und flexible Mitarbeiter zu haben, die sich schnell an eine neue Situation anpassen. Das haben wir als sehr positiv erlebt. Dann übersteht man auch erfolgreich derartige Phasen.

Wie haben Sie denn diese Phase Asset-under-Management-mäßig überstanden?

Renné: Natürlich haben sich auch unsere Assets under Management phasenweise um rund 15 Prozent coronabedingt verringert. Durch die mittlerweile dynamische Erholung der Märkte sowie unsere speziellen Asset-Management-Konzepte wie etwa Volatilitätsstrategien waren wir jedoch in der Lage, uns zum Stichtag 30. Juni wieder sehr gut zu positionieren. Natürlich sind wir auch insofern mit den bisher erzielten Ergebnissen sehr zufrieden.

Märkte ist ein gutes Stichwort. Können Sie uns hierzu ein kurzes Update geben?

Renné: Ich glaube, dass wir gegen Jahresende und in 2021 durchaus eine weitere positive Aktienmarktentwicklung sehen werden. Warum? Einfach weil durch die Maßnahmen, die die Notenbanken und die Regierung initiiert haben, ein sehr starkes Fundament gelegt wurde. Und das spielen die Märkte momentan – auch auf die Gefahr einer zweiten Welle hin.

Sicherlich werden wir jetzt nicht mehr das dynamische Wachstum von Anfang April bis heute sehen, das ist klar. Aber wir erkennen durchaus auch in 2021 Chancen, dass sich die Kapitalmärkte weiterhin stabil halten, vor allem weil es einfach keine Alternative zu Aktien gibt.

Was hat Sie in dieser Phase am meisten gestresst?

Renné: Die erste Phase bis Ende Februar war für mich schon sehr beeindruckend, vor allem als in den ersten zehn bis 14 Tagen der Krise alle Anlageklassen gefallen sind. Wir konnten uns dieses Phänomen zunächst nicht erklären. Sicherlich waren etliche Investoren hoch geleveragt und mussten ihr Leverage Exposure runterfahren, andere bauten Risikokapital ab. Das erzeugte Stress im System.

Gleichwohl haben sich die Institutionellen danach zügig wieder berappelt, auch weil beispielsweise unser Mandantenkreis wusste, dass unsere Systeme reibungslos funktionieren. Als Folge dessen stellten uns die Investoren dann Anfang April relativ häufig Fragen wie: Wie kommen wir wieder in die Märkte rein? In welche Asset-Klassen geht ihr rein und warum?

Die Investoren wollten ganz genau wissen, was als nächster Schritt passiert. Also das Thema Recovery und wie baue ich als Investor wieder Risikokapital auf, rückte wieder zunehmend in den Fokus. Das war natürlich auch für uns eine sehr intensive Zeit, da wir die Kunden besonders eng begleitet haben und die Anspannung immer noch sehr groß war.

Haben Sie – durch die massiven Maßnahmen, die die Notenbanken und die Regierung in dieser Zeit initiiert haben – Angst vor Inflation?

Renné: Perspektivisch gesehen, also in den nächsten fünf Jahren, besteht für uns die Gefahr einer schleichenden Inflation, aber nicht einer Hyperinflation. Grundsätzlich überwiegen für uns momentan eher deflationäre Tendenzen. Und dagegen kämpfen die Notenbanken ja momentan auch massiv an.

In welche Asset-Klasse würden Sie im Moment nicht investieren?

Renné: Wir halten im Moment das Thema Büroimmobilien für schwierig. Natürlich sollten solche Immobilien Bestandteil eines institutionellen Portfolios sein, aber übergewichten würden wir diese im Moment nicht.

Themenwechsel. Welche persönlichen Erfolgsziele haben Sie sich bei FERI gesetzt?

Renné: Ich bin mit einem Fünfjahresplan angetreten, der als ein Ziel hat, die Assets under Management auf über 50 Milliarden Euro zu steigern.

Von diesen genannten fünf Jahren, wie viele Jahre sind hier schon vorbei?

Renné: Anderthalb. Man kann es auch so ausdrücken: Ich habe mit 35 Milliarden Euro verwaltetem Vermögen angefangen, jetzt sind wir in der MLP Gruppe nach anderthalb Jahren und einer Finanzmarktkrise bei 40 Milliarden und wir streben mittelfristig die 50 Milliarden Euro Assets under Management an. Außerdem wollen wir die für uns relevanten Zukunftsthemen erfolgreich besetzen.

Und die sind?

Renné: Wir wollen für uns relevante Zukunftsthemen auf der Asset-Management-Seite investierbar machen. Da kommen wir sehr gut voran. Beispielsweise hat unser Team in der Schweiz ein Konzept aufgelegt, das nennt sich Exponential Technologies und investiert ganz stark in die 5G-Technologie. Daneben haben wir ein anderes Konzept erarbeitet: Exponential China.

Und nicht zu vergessen: das Thema Nachhaltigkeit. Hier haben wir ein SDG (Sustainable Development Goals) Office gegründet und erarbeiten – auch auf Grundlage von Studien zu den relevanten Zukunftsthemen aus unserem FERI Cognitive Finance Institute heraus – Lösungen, wie wir diese 17 UN-Nachhaltigkeitsziele investmenttechnisch umsetzen können. Ziel ist es dabei auch, dass wir am Ende des Tages beispielsweise ein aussagekräftiges Nachhaltigkeitsreporting anbieten können.

Das ist das, was die Institutionellen in den nächsten Jahren noch mehr wünschen. Diese Anleger benötigen nicht nur Investment-Möglichkeiten, sie erwarten auch Investment-Transparenz, speziell bei den alternativen Asset-Klassen, da gerade hier extrem viele Risiken schlummern können. Diese Risiken müssen sie als Investment Manager erkennen, transparent machen und auch managen können. Eine solche Transparenz durch ein Reporting zu bieten, am besten auf Knopfdruck, ist eine Disziplin, die meines Erachtens in den nächsten Jahren zu einem noch wichtigeren Erfolgsfaktor wird.

Sehen Sie durch die Corona-Pandemie mittelfristig Konsolidierungstendenzen am Markt? Und wenn ja, sehen Sie sich als Jäger oder als Gejagter?

Renné: Das ist eine gute Frage. Wissen Sie, einmal sagte ein Geschäftsführer zu mir: Sie sind zu klein, um erfolgreich zu sein, jedoch zu groß, um noch effizient zu sein. Aber eigentlich sitzen Sie im Sweet Spot. Darüber habe ich lange nachgedacht. Und er hat recht: Wir haben insgesamt eine sehr solide Basis, auf der wir aufbauen können. Das bringt uns in die Position des Jägers.

Auch deswegen, weil die Kleineren auf Dauer regulatorisch nicht überleben können, da sie zu viel Geld investieren müssen, um etwa die ganzen aufsichtsrechtlichen Anforderungen erfüllen zu können. Die große Kunst liegt meines Erachtens gleichwohl nicht darin, etwas zu kaufen, sondern darin, zu integrieren. Deswegen liegt auch unser großes Wachstumspotenzial im organischen Wachstum – aus eigener Kraft heraus noch mehr Assets zu generieren. Und dabei kann sich Corona auch sehr positiv für uns auswirken.

Aktuelle Beiträge

Alles Wichtige für institutionelle Investoren - Kompetent und unabhängig - Jede Woche neu
NEWSLETTER KOSTENLOS ABONNIEREN »
Alles Wichtige für institutionelle Investoren - Kompetent und unabhängig - Jede Woche neu
NEWSLETTER KOSTENLOS ABONNIEREN »