Barbara Rupf Bee, Head of Europe, Middle East and Africa (EMEA) bei Allianz Global Investors, sprach mit Michael Lennert über besseres Zuhören, über die Anforderungen, damit Asset Manager in der Zukunft weiter erfolgreich sind, und einiges mehr.

Wo sehen Sie derzeit die größten Herausforderungen bei institutionellen Investoren?

Rupf Bee: Aufgrund der bereits seit langem anhaltenden Niedrigzinsphase besteht die größte Herausforderung für institutionelle Investoren – und das gilt für alle Länder, für die ich verantwortlich bin – immer noch darin, eine ausreichend hohe Rendite zu erwirtschaften. Daneben gilt es, die Allokationspolitik und Strategien der Investoren derart dynamisch zu gestalten, dass unter Berücksichtigung aller internen und externen Richtlinien hinreichend flexibel agiert werden kann. Das sind meistens die zwei wichtigsten Themen. Bei diesem Prozess sehen wir uns als Partner der Kunden und versuchen, mit ihnen zusammen Lösungen zu erarbeiten. Denn es geht ja zumeist um längerfristige Engagements, bei denen sich beide Parteien – und dies ist mir wichtig: wirklich beide Partner – darüber einig sein müssen, auf welche Reise sie sich begeben. Und sie müssen ein gemeinsames Verständnis dafür erarbeiten, welche Asset-Klassen-Spezifika sie ins Portfolio nehmen.

Wie sieht für Sie die institutionelle Asset Allocation der Zukunft aus? Sehen Sie grundsätzliche Verschiebungen? Natürlich wissen auch wir, dass man einzelne institutionelle Investoren beziehungsweise Investorengruppen nicht oder ganz schlecht miteinander vergleichen kann.

Rupf Bee: Sie haben natürlich recht. Institutionelle Investoren kann man nicht über einen Kamm scheren. Asset-Allocation-Entscheidungen sind abhängig von vielen Parametern, wie beispielsweise dem individuell vorhandenen Risikobudget und Risikoappetit der Anleger, den vorhandenen Richtlinien, den länderspezifischen gesetzlichen Vorgaben et cetera. Somit gilt stets die Einzelfallprüfung. Nichtsdestotrotz lassen sich ein paar grundsätzliche Trends feststellen: Institutionelle Investoren geben sich nicht mehr mit der früheren klassischen Asset-Allocation-Anleihenquote zufrieden, da das Risiko-Return-Profil dieser Anlagen im Portfolio einfach nicht mehr stimmt. Hier findet eine starke Verschiebung innerhalb des Fixed-Income-Bereichs statt, in Richtung risikoreicherer Segmente wie etwa High-Yield- oder Schwellenländeranleihen. Dies stellt einige Kunden vor größere Herausforderungen. Um heute noch Return fürs Portfolio zu erwirtschaften, muss man innovativer als früher vorgehen und auch mehr Research betreiben. Hier kommen beispielsweise die Private Markets ins Spiel. Im Detail sind das Private-Equity-, Private-Debt– oder Infrastrukturanlagen, die derzeit einen starken Zuspruch erfahren. Diese können eine sehr gute Ergänzung zu einem traditionellen Fixed-Income-Portfolio sein. Auf der Aktienseite sehen wir ebenfalls einen weiteren Ausbau sowie eine wachsende Internationalisierung der Portfolios. Am besten alles basierend auf einem ESG-Ansatz, vielleicht sogar im Einklang mit Artikel 8 oder 9 der EU-Offenlegungsverordnung (Sustainable Finance Disclosure Regulation – SFDR). Hierzu bauen wir etwa mit unserem Münchner Inhouse-Anbieter risklab den Bereich ESG Advisory aus, um den Kunden passgenaue und ESG-konforme Lösungen anbieten zu können.

Bedeutet dies, dass Sie zunehmend vom Asset Manager zum Consultant werden?

Rupf Bee: Nein. Es ist einfach nur so, dass die Gespräche kontinuierlich aktiver und intensiver werden. Bei diesen Gesprächen geht es nicht mehr nur um ein Darstellen von Investment-Lösungen, sondern es geht um ein Zuhören und Verstehen, welche Ziele der Kunde letztlich hat und wie er sie erreichen will. Das hat weniger mit Beratung zu tun, sondern ist ein interaktiver und gemeinsamer Prozess von Asset Manager und Kunde. Diesen Prozess bewerte ich um einiges höher als noch vor fünf Jahren. Dazu gehören insbesondere auch die Analyse und ein Verständnis der Risiken, auf die man sich einlässt, die Bewertung des vorhandenen Risikobudgets sowie das Vorhandensein eines aussagekräftigen und transparenten Reportings. Das alles ist sehr wichtig.

Können Asset Manager besser zuhören als früher?

Rupf Bee: Ich will es hoffen. Wenn uns der Kunde sagt: Sie haben uns gut verstanden und Sie setzen die strategische Asset Allocation nach unseren Vorstellungen um, dann ist das für uns das größte Kompliment.

Wie muss ein Asset Manager positioniert sein, damit er in Zukunft weiter erfolgreich ist?

Rupf Bee: Die Zukunft ist dynamisch. Deswegen sollte auch ein Asset Manager künftig noch dynamischer aufgestellt sein als heute. Daneben wird er ein noch größeres Augenmerk auf die Servicekomponente seiner Dienstleistungen legen müssen, weil er damit den Kunden am meisten dient. Um als Asset Manager erfolgreich zu sein, geht es nicht nur um Neugeschäft, womöglich zu jedem Preis. Vielmehr kommt es insbesondere auch auf den Ausbau der bestehenden, üblicherweise langfristig ausgerichteten Beziehungen an. Gegenseitiges Vertrauen ist hierbei essenziell.

Gibt es Bereiche im Asset Management, die Sie als besonders chancenreich betrachten?

Rupf Bee: Für uns ist das Geschäft mit Family Offices und vermögenden Privatkunden ein sehr stark wachsendes Segment. Gerade diese Klientel ist oftmals bereit, sehr schnell zu investieren, geht teilweise auch größere Risiken ein. Außerdem laufen die Entscheidungsfindungsprozesse oftmals schneller ab als im institutionellen Sektor. Generell werden derzeit im Wealth Management sowohl auf Asset-Management- als auch auf der Investmentbanking-Seite sehr innovative Lösungen angeboten. Mit der Konsequenz, dass dies sehr agile Investoren sind.

Themenwechsel: Sie sind schon sehr lange im Asset Management tätig. Was macht Ihnen am meisten Spaß an Ihrem Job?

Rupf Bee: Dass ich jeden Tag lernen und an den Aufgaben wachsen kann – das macht unglaublichen Spaß. Also sozusagen die intellektuelle Herausforderung.

Frauen spielen im Asset Management zunehmend eine größere Rolle. Wie hat sich die Rolle der Frau Ihrer Ansicht nach in den vergangenen Jahren im Asset Management verändert?

Rupf Bee: Ich komme ursprünglich gar nicht aus dem Asset Management. Ich war zuerst relativ lange auf der sogenannten „dunklen Seite“, im Investmentbanking tätig. Also von dem her ist es bei mir …

Noch schlimmer?

Rupf Bee: … noch schlimmer – ja genau! (lacht) Aber nein, ernsthaft: Ich bin anders aufgewachsen. Bei uns zu Hause gab es keinen großen Unterschied zwischen Mann und Frau. Da hieß es: If you want to do it, then do it. Ich habe den größten Teil meiner Karriere in England gearbeitet, darüber hinaus in den USA, Asien und der Schweiz. Da war es nie eine Frage, ob man eine Frau ist oder ein Mann, sondern was zählte, waren die erbrachten Leistungen. Deswegen hat sich für mich diese Frage noch nie gestellt. Aber was hat sich verändert? Ich sehe, dass sich gerade hier in Deutschland immer mehr Frauen etwas trauen und sich für eine Karriere im Asset Management interessieren. Das finde ich toll.

Wie investieren Sie privat?

Rupf Bee: Ich investiere überwiegend in Produkte von Allianz Global Investors, beispielsweise in unsere Sustainable-Development-Goals(SDG)-Themen- und Impact-Fonds. Dabei handelt es sich um Themen wie Positive Change, Clean Planet, Food Security, Global Water, Smart Energy oder Sustainable Health Evolution. Das ist für mich Alignment of Interest mit den Kunden. An diesen Fonds habe ich mitgearbeitet. Darauf bin ich sehr stolz. Nicht zu vergessen das Thema „Pets and Animal Wellbeing“. Das war eines unserer intuitivsten, am meisten diskutierten und lustigsten Investment-Themen. Nebenbei mit einer sehr sehenswerten Performance.

Welche Essentials ziehen Sie aus diesem Gespräch?

Rupf Bee: Für mich ist essenziell, dass der Weg in die Zukunft über die Nachhaltigkeit führt. Daneben wollen wir unseren Kunden ein guter Partner sein, der zuhört und mit ihnen zusammen langfristig solide Lösungen erarbeitet. Und last, but not least: Wenn man heute ein Portfolio darstellen und eine nachhaltige Rendite generieren will, wird es ohne Private-Markets-Anlagen nicht gehen. Das sind meine drei wichtigsten Punkte.

Frau Rupf Bee, vielen Dank für das Gespräch.

Kurze Fragen…Kurze Antworten:

  • Das habe ich fürs Leben gelernt: Sehe nichts als gegeben an und schätze jeden Tag für das, was er dir gibt.
  • Mein größter beruflicher Erfolg: Dass mir mit jeder Funktion, die ich übernehmen durfte, die Möglichkeit geschenkt wurde zu lernen – jeden Tag.
  • Drei Eigenschaften, die mich gut beschreiben: international, interessiert, energiereich
  • Wenn ich könnte, würde ich …: Es ist gut, wie es ist – ich freue mich auf das, was der Tag bringt.
  • Glück bedeutet … dass meine Familie, meine Freunde und Kollegen/Kolleginnen gesund sind und bleiben!

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