Über die Herausforderungen für das Asset Management sprach Antonis Maggoutas, Head of Germany & Austria Distribution bei Federated Hermes, mit dpn-Redakteurin Antje Schiffler.

Herr Maggoutas, welche Lehren ziehen Sie bezogen auf das institutionelle Asset Management bis jetzt aus der Coronavirus-Pandemie?

Die Covid-19-Krise treibt den drastischen Wandel über Märkte, Wirtschaft und Gesellschaft hinweg voran. Wir sehen zunehmend, dass institutionelle Investoren die langfristigen Ziele und Ergebnisse ihrer Investitionen neu bewerten. Die Pandemie hat die Nachhaltigkeitskonzepte radikal verändert und unsere langjährige Überzeugung bekräftigt, dass Investitionen und Wertschöpfung mehr als nur starke finanzielle Erträge erzielen müssen. Zudem sehen wir eine deutliche Beschleunigung der digitalen Kundenkommunikation und deren Effektivität. Persönlicher Kontakt wird weiterhin wichtig bleiben, aber die physische Anwesenheit ist nicht immer notwendig, um reibungslos und erfolgreich mit Investoren und Kollegen zusammenzuarbeiten.

Des Weiteren mussten viele Unternehmen ihre Pläne zur Geschäftskontinuität innerhalb kürzester Zeit validieren und teilweise anpassen. Niemand hätte es im Januar für möglich gehalten, dass in vielen Unternehmen 100 Prozent der Mitarbeiter von zuhause aus arbeiten. Spannend ist aktuell auch die Thematik um Risikomodelle. Viele Investoren werden sich fragen müssen, wie nützlich diese wirklich sind, um Krisen vorherzusehen, die es so in der Vergangenheit noch nie gab.

Was raten Sie einem institutionellen Investor bezüglich seiner strategischen Asset Allocation?

Staatsanleihen sind wenig rentabel und die Aktienmärkte sehen in großen Teilen teuer aus. Wir könnten also ein deflationäres Szenario wie in Japan erleben oder das genaue Gegenteil: also lediglich eine vorübergehende Erschütterung, die sich auflöst, sobald der Lockdown endet – und die Weltwirtschaft dadurch wieder wächst. Dies sind aber zwei absolut gegensätzliche Szenarien. Es ist eine extrem schwierige Zeit bezüglich der Asset Allocation, und eine Zeit, in der aktives Management am sinnvollsten und besonders erforderlich ist.

Denn es wird auf jeder Sektor-, Länder- und Unternehmensebene Gewinner und Verlierer geben. Wir rechnen auch damit, dass die Nachfrage nach Fonds, die ökologische, gesellschaftliche und Governance-Ziele verfolgen, steigen wird. Wir haben jüngst besonders viel Interesse an unseren High-Yield-Produkten gesehen. Es ist mehr denn je wichtig, sich breit aufzustellen und in Real Assets beziehungsweise Alternatives zu investieren. Dazu zählen Infrastruktur, Private Equity, Direct Lending, Immobilien und Gold.

Gibt es nach der Coronavirus-Pandemie eine neue Normalität, und wenn ja, wie wird diese aussehen?

Wir haben das große Glück, dass wir dasselbe wie bisher tun können. Durch verantwortungsbewusste Investitionen wollen wir nachhaltig Wohlstand schaffen und gleichzeitig positive Ergebnisse für die Gesellschaft erzielen. Konkret bedeutet das: Wir verwalten unsere Kundenportfolios – allerdings jetzt einfach von zu hause aus – und die Kundenbetreuung funktioniert genauso ausgezeichnet. Auch wenn wir uns immer noch mitten in dieser globalen Krise befinden, ist es gut, dass wir bereits über die Zukunft sprechen und darüber nachdenken, wie wir sie bestmöglich gestalten können.

Viele Unternehmen könnten mit deutlich weniger Bürofläche auskommen: Wir werden also in einigen Branchen künftig häufiger sehen, dass Arbeitnehmer ein bis zwei Tage die Woche von zuhause aus arbeiten werden, sofern das für sie möglich ist. Doch ich bin auch überzeugt, dass Mentoring, persönliche Kontakte, Teamzusammenhalt, Brainstorming und Kreativität, – also genau die Dinge, die einzig aus einem realen Zusammentreffen einer Gruppe entstehen – weiterhin wichtig bleiben. Dies muss in persönlichen Treffen innerhalb einer Büroumgebung stattfinden. Nur auf diese Weise können Organisationen wie die unsere erfolgreich sein und wachsen. Überdies: Die Arbeit aus dem Homeoffice erspart auch die Zeit des täglichen Pendelns und ermöglicht hier und da mehr Kapazitäten. Dafür war die Krise ein guter Test.

 

Federated Hermes

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