Zwischen Mai 2015 und Mai 2016 sind 213 Milliarden Dollar an Vermögen aus aktiv geführten Fonds abgeflossen.

Laut „Financial Times“  macht sich unter Asset Managern, die Fonds aktiv managen, so etwas wie eine Titanic-Stimmung breit. Ausgelöst durch die Verwerfungen am Markt. So hat etwa der Brexit viele der hochbezahlten Profis – der Durchschnittslohn für einen Fondsmanager in den USA lag letztes Jahr bei stolzen 690 000 Dollar – auf dem falschen Fuss erwischt. Der Ucits-HFS-Index, welcher die Performance europäischer Hedgefonds misst, sank um 0.41 Prozent.

Das Analysehaus Morningstar konstatiert eine Flucht aus aktiv verwalteten Fonds. Von Mai 2015 bis Mai 2016 wurden hier 213 Milliarden Dollar an Vermögen abgezogen, während Indexfonds in der gleichen Periode Zuflüsse von 240 Milliarden Dollar verbuchten. Und europäische Indexfonds erzielten im Brexit-Monat Juni Nettomittelzuflüsse von 3,5 Milliarden Dollar.

Die „Financial Times“ macht unterschiedliche Verhaltensmuster bei den „aktiven“ Vermögensverwaltern aus: Asset Manager wie Tim Guinness  von Guinness Asset Management setzen auf Verdrängung. Passive Fonds seien „langweilig“ und ein Portfolio, das den Markt grundsätzlich nie schlage, sei weniger attraktiv als eines, das die Chance zur Überrendite biete. Anleger würden daher immer jene Fonds kaufen, die gerade die andern schlagen.

Skepsis und das Prinzip Hoffnung

Eine andere Gruppe von „aktiven“ Asset Managern, im Wirtschaftsblatt vertreten vom Stockpicker Dennis Lynch, fällt es schwer, positive Argumente für seinen Anlagestil zu finden. Obwohl sein Morgan Stanley Institutional Growth Fonds den US-Leitindex S&P 500 während 10 Jahren um jährlich 2 Prozent übertraf. Lynch kennt die Zahlen aus der Spiva-Untersuchung, wonach 83 Prozent der amerikanischen und 86 Prozent der europäischen Fonds hinter dem Markt zurückblieben.

Nach wie vor stellen die aktiven Asset Manager den viel höheren Marktanteil als Indexfonds-Verwalter. Sie sind überzeugt, dass es den aktiven Anlagestil für effiziente Märkte brauche. Die „Financial-Times“ vergleicht dies mit der Überzeugung der Titanic-Crew, wonach ihr Tanker unsinkbar sei. Und gibt jenen, die besten Karten, die nicht auf den Zusammenstoß mit dem Eisberg warten.

Als Protagonist von „Retten, was zu retten ist“, wird Joe Sullivan von der Fons-Boutique Legg Mason angeführt. Dieser will nicht bloß zuwarten: Es bestünden große Überkapazitäten in der Branche und Schwergewichte wie Blackrock und Pimco würden bereits Personal abbauen. Es gehe darum, sich neu zu erfinden. Etwa als Lieferant bestimmter Portfolio-Bausteine, oder mit einem Berufswechsel ins Beratungsfach.

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