Der Assetmanager Natixis gibt sich in seiner Prognose für 2023 überwiegend positiv. Besonders Fixed Income Produkte profitieren von gestiegenen Zinsen.

„Wir bekommen Stabilisierung“, fasst Dirk Schumacher, Head of Macro Research beim Asset Manager Natixis, während eines Pressegesprächs die volkswirtschaftliche Einschätzung für das laufende Jahr zusammen. Dafür sprächen zentral zwei Faktoren: Zum einen Chinas jüngste Abkehr von der Zero-Covid-Strategie, infolge derer sich Lieferketteneffekte wieder verbessern, und zum anderen der starke Rückgang der Öl- und Gaspreise, welcher für Entspannung auf den Märkten sorgt.

Gerade der Angebotsschock in Folge zerrissener Lieferketten hätte im vergangenen Jahr das Inflationsgeschehen massiv vorangetrieben, so Schuhmacher. Nun seien sie aber auf dem Weg zur Normalisierung und eine Umdrehung des Angebotsschocks stelle sich ein. Der Preisschock auf den Energiemärkten habe im vergangenen Jahr insbesondere energieintensive Sektoren hart getroffen, nichtdestotrotz konnte sich laut Natixis-Studien der Output der Industrie dynamisch entwickeln.

EZB mit begrenztem Handelsspielraum

Mit Blick auf die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung hinge alles von der Inflation ab, so Schumacher. Bezogen auf die im aktuellen wirtschaftlichen Klima limitierten Optionen der Zentralbank, sieht der Volkswirt die EZB und ihre Außendarstellung kritisch: „Es ist gefährlich, dass die EZB so tut, als hätte sie das im Griff“, meint Schumacher. Gerade weil die EZB anhand drei verschiedener Kanäle ihre Geldpolitik ausrichte – dem Quantitive Tightening, dem Quantitive Easing und dem Asset Purchase Programm – seien im kommenden Jahr durchaus starke Zinsbewegungen möglich. Derzeit liege der Fokus von FED und EZB auf Zweitrundeneffekten, die in Reaktion auf die hohe Inflation die Löhne steigen lassen. Ein Effekt, der insbesondere in den USA stark Fahrt aufgenommen habe. Bei Natixis geht man dennoch für das neue Jahr von einer nur leichten Rezession im Frühjahr und sogar einem leichten Wirtschaftswachstum von 0,5 bis 1,0 Prozent im späteren Jahresverlauf aus.

ESG bleibt Dauerbrenner

Auch das Thema nachhaltiges ESG-Assetmanagement bleibt laut Sebastian Römer, Executive Managing Director und verantwortlich für den DACH- und Osteuropäischen Raum bei Natixis, einer der Core-Points 2023. Durch die eindeutigere Klassifizierung anhand der Anfang des vergangenen Jahres eingeführten Taxonomie habe die EU mehr Klarheit für Investoren geschaffen. Zwar habe die Regelung auch die „Spreu vom Weizen getrennt“, sodass branchenweit einige ESG-Fonds vom Top-Niveau Artikel 9 auf Artikel 8 oder sogar Artikel 6 heruntergestuft wurden. Durch den Multi-Affiliate-Ansatz sieht sich Natixis aber gut aufgestellt. Besonders die Boutique Mirova hat sich auf das Thema ESG fokussiert. „Wir haben fast 30 Prozent Anfragen für Fonds nach Artikel 9“, so DACH-Chef Römer. Der Klimawandel schreite unaufhaltsam voran und so sei der Run auf ESG-Anlagen schon längst keine Modeerscheinung mehr. Auch sei sogenanntes „Greenwashing“ durch die strengeren Regeln schwieriger geworden.

Neben dem „Dauerbrenner“ ESG erlebe auch Fixed-Income ein Comeback als eine der bestimmenden Investmentkategorien für 2023. Gerade in der ersten Jahreshälfte locken aufgrund des gestiegenen Zinsniveaus Anleihen wieder mit sicherer Rendite. Denn derzeit gebe es viel „Dry Powder“, also große Mengen an Cash, das darauf warte, investiert zu werden, so Römer. Im Laufe des Jahres liege der Fokus – wie die letzten Jahre bereits – jedoch weiterhin auf Aktien, die entlang der hohen Volatilität des Aktienmarkts starke Überrenditen versprechen.

Dr. Dirk Schumacher Quelle: ASSET

Sebastian Römer Quelle: ASSET

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