Unternehmen mit Pensionszusagen und IFRS-Bilanzierung wollen Risiken abbauen. LDI-Strategien können dabei helfen, sollten aber individuell gestaltet werden.

Unternehmen mit betrieblichen Pensionszusagen, die nach IFRS bilanzieren, fahren trotz des Niedrigzinses
im Umgang mit ihren Pensionsverpflichtungen verstärkt LDI-Strategien – mal enger, mal breiter. Wolfgang Murmann, Geschäftsführer der deutschen Niederlassung von Insight Investment, beobachtet, dass Unternehmen in den zurückliegenden drei Jahren verstärkt bilanzielle Risiken im Zusammenhang mit einem Asset-Liability-Management des gesamten Pensionsplans bei der Anlage ihrer Pensionsvermögen berücksichtigen. Demnach ergibt LDI vor allem für Unternehmen Sinn, die unter IFRS bilanzieren und ihre Pensionsrisiken aus der IFRS-Bilanz heraushaben wollen.

„Pay“, „Hedge“ und „Grow“

Zu Beginn einer Panel-Diskussion auf der „dpn ASSETS & LIABILITIES Convention“ erläutert Murmann in einem Impulsvortrag die drei Funktionen des Planvermögens von Pensionseinrichtungen: Pay, Hedge und Grow. Demnach bezeichnet „Pay“ das Auszahlen von Versorgungsleistungen zum Zeitpunkt ihrer Fälligkeit. „Dabei besteht in der Direktzusage immer die Möglichkeit, die Leistungen aus dem operativen Cashflow zu bedienen“, so der Geschäftsführer. Die „Hedge“-Funktion des Planvermögens beschreibt das Absichern von Risiken aus der IFRS-Bilanzierung der Pensionsverpflichtungen. Das „Grow“-Mandat ist schließlich darauf gerichtet, die Zielrendite zu erwirtschaften.

Die Direktzusage als Durchführungsweg eröffnet verschiedene Ansätze, die Leistungsverpflichtungen aus Pensionsplänen zu erfüllen. Eine erste Stufe ist, die Leistungen zum Zeitpunkt der Fälligkeit komplett aus dem operativen Geschäft zu entrichten und den Cashflow zu bedienen. In der zweiten Stufe ist zwar grundsätzlich
Planvermögen vorhanden, aber es besteht kein direkter Zusammenhang zwischen Kapitalanlage und den Pensionsverpflichtungen. „Die weiteren Stufen fallen unter das Schlagwort LDI“, sagt Wolfgang Murmann. „Dabei verschiebt sich der Ansatz von der reinen Asset-only-Performance hin zu einer Ausfinanzierungsgrad-Perspektive.“

Die letzten De-Risking-Stufen Run-off und Buy-out sind derzeit vor allem in reifen Pension-Märkten wie Großbritannien weit verbreitet, seltener in Deutschland. Hierzulande sind vermehrt Rentner-GmbHs als Buy-out-Äquivalent anzutreffen. Die Heterogenität der einzelnen Ansätze geht auch auf die Funding Level der DAX-Konzerne zurück. So beträgt das durchschnittliche Funding Level im DAX rund 72 Prozent. „Das ist der höchste Wert seit der Lehman-Krise“, betont Wolfgang Murmann. „Hier stellt sich die Frage, wie sich der Ausfinanzierungsgrad auf die Strategie im Asset und im Risikomanagement auswirkt.“ Bei diesem Aspekt sind die
Unternehmen in Deutschland heterogen aufgestellt.

Perspektive des Asset und des Risikomanagements

Daraus eröffnen sich für den Umgang mit Pensionsverpflichtungen verschiedene Perspektiven. Zunächst die Perspektive des Asset Managements mit der Frage, wie sich die Zielrendite erwirtschaften lässt. „Noch
vor zehn Jahren steckten rund 80 Prozent der Assets in liquiden Fixed-Income-Anlagen, also Staats- und Unternehmensanleihen mit Investment-Grade-Qualität“, sagt Wolfgang Murmann. „Bis heute ist dieser
Anteil auf rund ein Drittel gesunken.“ Gleichzeitig bauten die Investoren ihre Bestände in Risky Assets aus, indem sie die Positionen in Aktien, Private Market, High Yield und Immobilien erhöhten. Die zweite Perspektive ist das Risikomanagement. Dafür verweist Murmann auf eine Studie der Frankfurt School of Finance zu den Risiken der DAX- und MDAX-Unternehmen. Die Untersuchung identifiziert Kapitalmarktindikatoren und differenziert Unternehmen nach der Höhe des Pensionsrisikos. Die Aktien von Unternehmen mit einem niedrigen Pensionsrisiko haben mit etwa 20 Prozent pro Jahr rentiert, die Aktien von Unternehmen mit einem hohen Pensionsrisiko hingegen mit nur rund 10 Prozent pro Jahr. Es zeigt sich also ein Bild, das den Erwartungen genau entgegenläuft.

Risiken für Direktzusagen unter einem IFRS-Regime

Bei den Risiken für Direktzusagen unter einem IFRS-Regime unterscheidet Wolfgang Murmann bei den Liability-Risiken zwischen Bewertungsrisiken und Cashflow-Risiken. Zu den Cashflow-Risiken zählen vor allem Inflation und Langlebigkeit, zu den Bewertungsrisiken Zinsen und Credit Spread. „Auf der Asset-Seite spiegeln sich die Asset-Allocation-Trends wider“, so der Anlageexperte. „Die Risiken auf der Aktivseite haben in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen.“ Dazu zählten Marktwertschwankungen, Kreditrisiken, ESG-Risiken, Wechselkursrisiken, gegebenenfalls auch Liquiditätsrisiken in Plänen, die sich im Auszahlungsmodus befinden.

Murmann hält die Risiken auf der Liability-Seite aufgrund hoher Durationen und einer hohen Zinssensitivität für größer als die der Asset-Anlagen. „Gerade der Rechnungszins hat auf der Liability-Seite in den vergangenen zehn Jahren deutliche Spuren hinterlassen.“ Beim Zinsrisiko gehe es um die Bewertungen der Pensionsverpflichtungen. Aus dem Blickwinkel einer IFRS-Bilanzierung zeigten sich zwei Trends. „Zum einen sind die Pensionsverbindlichkeiten im Zuge der Zinsschmelze stark angestiegen, zum anderen ist die Volatilität der
Verpflichtungen sehr hoch.“ Wie können Unternehmen mit diesem Risiko umgehen und den Ausfinanzierungsgrad ihrer Pensionsverpflichtungen stabilisieren? „Hier ist LDI ein Lösungsansatz“, sagt Wolfgang Murmann. „Dabei
stellt sich die Frage, wie viel LDI passt und welche Instrumente hier passen, etwa physische Instrumente oder ein Overlay.“ So verfolgt ein Investor mit einer Mindest-Hedge-Ratio das Ziel, die Pensionsrisiken nicht auf das operative Geschäft überspringen zu lassen.

Lesen Sie mehr zum Thema in der dpn-Ausgabe Nr. 121.

 

Aktuelle Beiträge

dpn Newsletter – Kompetent & unabhängig – Jede Woche neu
Jetzt anmelden »
dpn Newsletter
Jetzt anmelden »
Kompetent – unabhängig – jede Woche neu