Franz Lischka, Senior Investment Manager bei der VBV, zur Ausrichtung der Vorsorgekasse in der Zeit der Pandemie.

Die Wiener VBV – Vorsorgekasse AG war während der Corona-Krise mit einem regulatorischen Thema konfrontiert. Denn die österreichische Finanzmarktaufsicht hat für Vorsorgekassen strikte Auflagen zu Struktur und Einsatz von Derivaten zur Absicherung im Portfolio erlassen. „Das hat es uns schwer gemacht, das Portfolio in der Geschwindigkeit abzubauen, in der es nötig gewesen wäre“, blickt Franz Lischka, Senior Investment Manager bei der VBV, auf den historischen Einbruch an den Kapitalmärkten Ende März zurück.

Franz Lischka Bildquelle: VBV

Denn die VBV ist vor allem über aktiv gemanagte Fonds und weder über Einzelwerte noch über ETFs – aus regulatorischen Gründen sowie aufgrund der hauseigenen ESG-Kriterien – in die jeweiligen Aktienmärkte investiert. Und diese Fonds werden bekanntlich einmal täglich bewertet und abgerechnet, erläutert Lischka. Zwar haben die Wiener diese laufend verkauft um das Aktienmarktrisiko zu minimieren, aber dies geschah zwangsläufig langsamer, als dies mit Derivaten zur Absicherung möglich gewesen wäre. Die strategische Ausrichtung wird die VBV infolge der Krise allerdings nicht ändern. „Wir bewerten unsere Strategie halbjährlich neu. Vielleicht kommt es zu kleineren Änderungen, aber große Anpassungen werden wir nicht durchführen“, sagt Lischka. So könnten eventuell Zukäufe von Unternehmensanleihen mit guten Bonitäten angesichts der verbesserten Spreads anstehen.

Renewables und Infrastruktur im Visier

Doch vor allem wird die VBV die Megatrends weiterverfolgen, die sie schon seit mehreren Jahren im Visier hat. „Wir bauen den Renewables-Bereich deutlich aus. Dass der Sektor so entspannt durch die Krise gekommen ist stimmt uns zuversichtlich, dass er sich weiter gut entwickeln wird“, so Lischka. Auch Investitionen im Bereich der sozialen Infrastruktur erweitert die VBV laufend, zumal dies auch auf den Nachhaltigkeitsfokus abzielt, welchen die Vorsorgekasse seit der Gründung im Jahr 2003 konsequent verfolgt. Bei der Vermietung von Krankenhäusern oder Pflegeheimen winken in der Regel langfristige, stabile Cash-Flows von Mietern mit guter Bonität, teils sogar mit staatlicher Garantie. „Wir würden die Private Markets Asset-Klassen mit eingeschränkter Liquidität gerne stärker ausbauen, aber auch da sind wir vom Regulator mit entsprechenden Quoten eingeschränkt“, erläutert Lischka.

ESG wird an Bedeutung gewinnen

ESG-Themen werden durch die Corona-Krise weiter an Bedeutung für institutionelle Anleger gewinnen, ist der Experte überzeugt. Gewinnen könnten seiner Einschätzung nach soziale Themen. Denn mit der Krise sind Arbeitnehmer-Belange wie Sicherheit und Gesundheit in den Fokus gerückt. Gepaart mit dem demographischen Wandel werden Arbeitgeber künftig noch mehr Augenmerk auf die Arbeitsbedingungen ihrer Belegschaft richten müssen. Der regulatorische Druck auf die Firmen werde zunehmen. „Mit nachhaltigen Investments bin ich in der Regel oft einer Entwicklung voraus“, betont Lischka. Das gelte für die Energiewende genauso wie für Arbeitsbedingungen.

Quelle: VBV

In Österreich wurden Vorsorgekassen 2003 gegründet. Sie dienen der Verwaltung und Veranlagung von obligatorischen Abfindungsverpflichtungen von Unternehmen gegenüber ihren Mitarbeitern. Für nach dem 1. Januar 2003 geschlossene Arbeitsverhältnisse zahlt der Arbeitgeber 1,53 Prozent des Bruttoentgeltes an eine ausgewählte Vorsorgekasse ein.

Aktuelle Beiträge

Alles Wichtige für institutionelle Investoren - Kompetent und unabhängig - Jede Woche neu
NEWSLETTER KOSTENLOS ABONNIEREN »
Alles Wichtige für institutionelle Investoren - Kompetent und unabhängig - Jede Woche neu
NEWSLETTER KOSTENLOS ABONNIEREN »