Luc Froehlich und Christof Quiring von Fidelity bewerten die Auswirkungen von COVID-19 auf die Kapitalanlage

Bis vor etwa 2000 Jahren haben unsere Vorfahren geglaubt, die Welt sei flach. Im Nachhinein und mit einer Vielzahl von Beobachtungspunkten und besseren Technologien hört sich das eher lächerlich an. Nichtsdestotrotz scheint die Welt – zumindest die Finanzwelt – 2.000 Jahre später – nach zwei Black Swans, einem Öl-Preis Crash und COVID-19 – wieder flach zu sein. Und das mit wenigen Chancen und vielen Risiken. Die Geschichte wiederholt sich, und Investoren wurden wahrscheinlich wieder einmal getäuscht, so dass sie glauben, die Welt sei flach. Bevor wir uns drei große Opportunitäten und Post-Covid-Themen anschauen, betrachten wir, wie COVID-19 die Finanzwelt anscheinend verflacht hat.

Die Performance 2019 war, bezogen auf die Performance, ein gutes Jahr. Die meisten Asset-Klassen konnten ansehnliche Renditen erwirtschaften. Aber innerhalb von wenigen Wochen des ersten Quartals 2020, nachdem der Ölpreis zusammengebrochen und das Ausmaß der Pandemie den Investoren klar geworden war, wurde die Performance eines ganzen Jahres wieder verloren. Nur ausgesprochen defensive Anlagesektoren konnten Verluste vermeiden. Insgesamt war die Performance flach.

Die Leitzinsen der Zentralbanken

Mit globalen Lockdowns, die die Aktivität in gewissen Sektoren praktisch auf null gebracht haben, sind die Zentralbanken wieder einmal auf den Easing-Zug aufgesprungen. Der größte Unterschied zur Finanzkrise von 2008 ist, dass dieses Mal die Regierungen zu Hilfe gekommen sind. Diese koordinierte Aktion hat bis jetzt anscheinend gut funktioniert, aber wie im weiteren Verlauf dieser Abhandlung beschrieben, hat diese Spendenwelle ihre eigene negative Konsequenz.

Immerhin: flache Zentralbanken-Leitzinsen. Mit so viel Liquidität in den Märkten und der Whatever-it-takes-Hilfe-Mentalität der Zentralbanken und Regierungen, die bereit scheinen, alles zu tun, sind die Erwartungen in Bezug auf eine höhere Inflation auch gestiegen. Niedrige Nominalzinsen und eine steigende Inflationserwartung haben in vielen Regionen zu negativen Realzinsen geführt.

Und genau hier ist das Problem: Realzinsen und die ihnen zugrunde liegende Erwartung. Realzinsen sind die Sonne. Und die Sonne diktiert die Bahn der Planeten rund herum. Negative Realzinsen haben zur Rekord-Performance an den Aktienmärkten beigetragen. Gold ist auch auf ein Rekordlevel gestiegen. Weil die Rendite auf Staatsanleihen so niedrig ist, bieten diese Instrumente weniger einen Puffer, um Korrekturen an den Aktienmärkten abzudämpfen. Deshalb war Gold bei vielen Investoren extrem beliebt.

Auch Bitcoins könnte man in diesem Zusammenhang als Beispiel heranziehen. Im Gegensatz zum Geld der Zentralbanken, also dem Fiat Money, ist das Angebot an Bitcoins mit 21 Millionen Coins begrenzt. Für Investoren, die Angst haben, dass Zentralbanken unendlich Geld drucken und zu nah an eine Inflation kommen, hat Bitcoin als Store of Value nie so viel Sinn gemacht.

Mit so starker Performance sowohl auf Anleihenmärkten als auch Aktienmärkten sind Bewertungen herausfordernder geworden. Dabei hilft ein historischer Blick auf die Credit Spreads über 20 Jahre hinweg. Abgesehen von speziellen Märkten wie zum Beispiel den asiatischen High-Yield-Märkten sehen Bewertungen eher teuer aus. Credit Spreads sind flach geworden. Auf den Aktienmärkten sehen wir eine ähnliche Situation mit Price-to-Book Ratios, die klar über dem 20-jährigen Durchschnitt liegen. Der Anleihenmarkt zeigt uns, wie ernst diese Situation ist. Während die Renditen gefallen sind, ist die Duration gestiegen. Die Anleger bekommen also weniger Rendite und gehen dennoch mehr Risiko ein.

Die meisten institutionellen Investoren haben klare Performance-Ziele, die sie erreichen müssen, oder gewisse Renditen, die sie erwirtschaften müssen, um ihre Liabilities zu decken. Viele von diesen Investoren stellen sich die Frage: Muss ich in einer flachen Welt näher an der Klippe navigieren? Ist die einzige Lösung, mehr Risiko zu akzeptieren? In den meisten Fällen ist die Antwort auf diese Frage sehr einfach: Nein. Sie müssen nicht unbedingt mehr Risiko eingehen, sie sollten mehr über die Risiken erfahren, um dadurch besser gewappnet zu sein.

Wir halten drei wesentliche Themen für echte Post-Covid-Opportunitäten:

Fazit

An dieser Stelle greifen wir noch einmal das Bild aus dem Einstieg in diesen Beitrag auf: Die Welt ist doch nicht flach. Vielleicht sieht sie so aus, vor allem dann, wenn wir sie aus der Position betrachten, in der wir uns jetzt gerade befinden. Alles scheint flach zu sein: Leitzinsen der Zentralbanken und Credit Spreads. Doch schaut man über die flache Ebene hinaus, zeigen sich hohe Berge von Möglichkeiten. Nennen wir sie doch einfach „Income“, „Digital Adoption“ und „Sustainability“.

Der Artikel ist ein Auszug aus dem Beitrag der beiden Autoren im Buch „bAV 2021 – Assets & Liabilities – die zwei Seiten einer Medaille im Pensions-Management“, herausgegeben von Guido Birkner und hier bestellbar.

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