Ukraine-Krieg, Inflationsgefahren und ein Regimewechsel durch die US-Notenbank. Wie soll man sich als Institutioneller in diesem Marktumfeld positionieren?

Droht durch Inflation und Geldpolitik ein Regimewechsel an den Kapitalmärkten?

Wolfgang Sussbauer, Leiter Deutschland und Österreich, PGIM Fixed Income: Der Regimewechsel der Zentralbanken betrifft grundsätzlich alle Risiko-Assets. Pauschale Aussagen sind aktuell gefährlich. Wir sehen aber auf Einzeltitel- und Sektorenebene durchaus interessante relative Value Trades und da wir davon ausgehen müssen, dass zumindest in der ersten Jahreshälfte die Volatilität hoch bleiben wird, werden idiosynkratische Risiken und daraus resultierende Opportunitäten in den Fokus rücken.

Geraldine Sundstrom, Portfoliomanagerin Asset Allocation, PIMCO: Der Inflationsausblick ist nach wie vor sehr unsicher. Wir gehen derzeit davon aus, dass die Inflation für den größten Teil des Jahres 2022 auf einem hohen Niveau bleiben wird. Der Krieg in Osteuropa hat zu einem Schock bei der Energieversorgung geführt, da physische Unterbrechungen der Rohstoffströme, Probleme bei der Verschiffung, Versicherung und Kreditvergabe sowie die Vermeidung des Handels mit Russland die Preise weiter in die Höhe treiben.

Welchen Fixed-Income-Anlagen gehört dieses Jahr die Zukunft?

Wolfgang Sussbauer: In diesem Marktumfeld empfehlen sich Multi-Sektor-Strategien, in denen der Portfoliomanager nicht an eine Anlageklasse oder Region gebunden ist. Wir finden insbesondere das Crossover-Segment attraktiv und innerhalb von IG Credit einzelne US-Titel, die in EUR emittieren (sogenannte Reverse Yankees). Zunehmend gefällt uns auch Emerging Markets Debt. Dort speziell Hartwährungsanleihen von ausgewählten Sovereigns und Corporates.

Geraldine Sundstrom: Die Volatilität bietet bei den festverzinslichen Wertpapieren Gelegenheiten bei Kern-Staatsanleihen, insbesondere bei solchen mit kürzerer Laufzeit. Angesichts der Inflationsunsicherheit und der sich daraus ergebenden politischen Reaktionen sind wir allerdings bei der Größenordnung vorsichtig. Außerhalb von Staatsanleihen konzentriert sich unsere Allokation in Krediten weiterhin auf hochliquide Indexengagements und qualitativ hochwertigere Bereiche des Marktes.

Nach der Party ist vor der Party: Was bedeutet dies für die strategische Asset Allocation?

Wolfgang Sussbauer: Die strategische Asset Allocation sollte auch bei immer kürzer erscheinenden Investment-Zyklen durchgehalten werden. Oberste Prämisse ist aber, dass aktiv gemanagten Mandaten kein zu enges Korsett verpasst wird – sei es durch niedrige Tracking Errors, ESG-Negativlisten oder Regulatorik.

Geraldine Sundstrom: In Anbetracht des unsicheren Umfelds halten wir unser Aktien-Exposure auf einem niedrigeren Niveau. Wir meiden Marktbereiche mit begrenztem Spielraum für Margenwachstum, wie zum Beispiel traditionelle zyklische Aktien. Stattdessen konzentrieren wir uns auf Qualität, Preissetzungsmacht und dauerhaftes Gewinnwachstum. Wir sehen auch Chancen auf den Renten- und Währungsmärkten, einschließlich einiger Schwellenländerwährungen.

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