EnBW siegt bei den institutional assets Awards in den Kategorien ESG und Infrastructure Investments

Nachhaltigkeit ist für die EnBW Energie Baden-Württemberg AG mit Sitz in Karlsruhe längst ein wirtschaftlicher Erfolgsfaktor. Doch nicht nur im Kerngeschäft, sondern auch in der Kapitalanlage stehen die Zeichen auf nachhaltig. Dafür belohnte sich der Versorger mit zwei Awards.

„Die ESG-Kriterien sind nicht nur in unserem Energiegeschäft, sondern auch in der Kapitalanlage integrale Bestandteile, und wir versuchen, alle drei Buchstaben mit Leben zu füllen“, sagt Eberhard Haug, Schatzmeister des EnBW Trust e.V. und Director Asset Management bei EnBW. Dr. Lothar Rieth, Leiter Nachhaltigkeit, zeichnet den Weg nach, den EnBW seit zehn Jahren geht: „2011 haben wir uns erstmals gefragt, wie wir Nachhaltigkeit in unseren Geschäftsbericht einbauen wollen.“ Schnell stand fest, dass das Thema auch quantitativ gemessen werden müsste – „mit der Prüftiefe einer vergleichbaren Finanzkennzahl“, betont Rieth. Ein erster Schritt war damals, die CO2-Emissionen in den Lagebericht des Konzerns aufzunehmen.

Erste grüne Anleihe begeben

Längst ist Nachhaltigkeit bei EnBW ein strategisches Vorstandsthema geworden und direkt beim CEO angesiedelt. Die Stabsstelle feilt weiter an Messzahlen und Prozessen. „Inzwischen kennen wir unsere Kohleproduzenten in Kolumbien und Russland sehr gut und wissen, welche menschenrechtlichen Herausforderungen es vor Ort gibt“, sagt Rieth. Solche Themen seien in vielen Ländern sensibel, aber: „Wir sind dabei, auch dort unseren Einfluss im Sinne von ESG auszuüben.“

Inzwischen hat EnBW auch damit begonnen, die Unternehmensfinanzierung und die Investments ESG-konform umzustellen. 2018 begab der Konzern erstmals eine eigene grüne Anleihe. Die jährlichen Impact-Reports der EnBW dokumentieren, wie nachhaltig der Versorger sein Geld investiert, welche Projekte für erneuerbare Energien er finanziert und wie viel CO2 er reduziert. Bei grünen Investments stellen sich die Verantwortlichen immer öfter die Frage, wie stark sie sich bei den Investments beschneiden können, um noch einen Impact zu haben und den angestrebten CO2-Fußabdruck zu erreichen.

EnBW wendet in der Kapitalanlage Ausschlusskriterien an nach dem Vorbild des UN Global Compact. „Dazu zählen zum Beispiel Verstöße gegen Menschenrechte und weitere allgemein gültige Normen“, sagt Eberhard Haug. „Wir wollen darüber hinaus einen wirksamen Impact erzeugen und investieren gezielt in Unternehmen, die sich gerade transformieren.“ Natürlich wollen die Verantwortlichen bei EnBW darüber auch ein Alpha im Portfolio erzielen.

Am Beginn einer langen Reise

Vor drei Jahren gab sich EnBW einen neuen Leitfaden für Nachhaltigkeit in der Kapitalanlage. „Wir orientieren uns vor allem an der Nachhaltigkeitsstrategie des Konzerns“, sagt Dirk Braun, Director Asset Management bei EnBW. „Letztlich ist Nachhaltigkeit für uns in der Kapitalanlage erst der Beginn einer langen Reise.“

Volker Weber, Vorstand der FNG und Mitglied des institutional-assets-Beirats sowie Sprecher des ESG-Komitees, lobt, EnBW sei mit einem eigenen Bereich für Nachhaltigkeit, einer auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Unternehmensstrategie und einem Leitfaden für den gleichberechtigten Umgang mit E, S und G sehr glaubwürdig und überzeugend aufgestellt. „Der ESG-Ansatz der EnBW ist ganzheitlich, und Nachhaltigkeit spielt in alle Bereiche der Kapitalanlage und des Risikomanagements hinein“, so Weber.

Zudem überzeugte EnBW die Jury durch ihre offene Architektur, die Entwicklungspotenzial in sich birgt. „Der Nachhaltigkeitsprozess ist im gesamten Konzern dynamisch und berücksichtigt alle großen gesellschaftlichen Entwicklungen“, sagt Weber. „Gerade die Messung von Impact wird immer wichtiger.“ Hier überzeuge EnBW, indem sie auch in Unternehmen und Staaten in der Transformation investiere.

Ausbaufeld Infrastruktur

Neben der ESG-Auszeichnung erhält EnBW in diesem Jahr auch den institutional assets Award für Infrastructure Investments. Der Energieversorger ist bereits seit vielen Jahren in illiquiden Anlagen allokiert, wobei Immobilien dort lange die einzige Anlageklasse waren. Seit dem Verfall des Zinsniveaus sucht das Team um Eberhard Haug und Dirk Braun nach Alternativen zu Fixed Income für das Portfolio. „Wir haben uns deshalb Infrastrukturprojekte im regulierten Umfeld angeschaut“, sagt Haug. „Dort ähneln die Zahlungsströme sehr den Cashflows von Anleihen.“ Zudem habe EnBW als Versorger eine natürliche Nähe zu anderen Infrastrukturbetreibern.

Der Konzern ist heute zu rund 30 Prozent in illiquiden Anlageklassen allokiert, davon etwa zu jeweils 10 Prozent in Infrastruktur, Immobilien und Private Equity. „Wir betrachten Infrastruktur und Immobilien als Ergänzungen zu Staatsanleihen, während Private Equity Aktien recht ähnlich ist“, sagt Dirk Braun. „Grundsätzlich verfolgen wir bei diesen Investments immer das Ziel belastbarer, stabiler Cashflows.“ 2011 startete EnBW mit Anlagen in Infrastruktur. Das lief anfangs ausschließlich über Berater, doch inzwischen führt das Team viele Due Diligences selbst durch.

„Wir geben uns für Infrastruktur im Rahmen unserer strategischen Asset Allocation immer ein jährliches Renditeziel vor – aktuell 4,5 Prozent“, verrät Dirk Braun. „Tatsächlich sind die Renditen in den vergangenen Jahren mit 6 bis 8 Prozent höher ausgefallen.“ Der mittelfristige Ausblick lässt ein Absinken der Renditen auf ein mittleres Niveau erwarten. „Künftig wollen wir die Bandbreiten unserer Infrastruktur-Investments ausfahren und arbeiten dafür eng mit unseren Asset Managern zusammen.“

Brown-Field-Investor

Der Versorger nimmt seine Investments in Infrastruktur in erster Linie über Fonds vor. Eine wichtige Sparte sind dabei erneuerbare Energien. „Hier gelingt manchmal sogar ein Brückenschlag zu unserem Kerngeschäft, wenn wir beispielsweise in Windkraftanlagen investieren“, sagt Eberhard Haug. „Allerdings steht bei uns intern natürlich eine Chinese Wall zwischen dem Kerngeschäft und der Kapitalanlage im Hinblick auf Informationen.“

Zugleich passen Investitionen in erneuerbare Energien gut zu der auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Strategie des Konzerns. „Infrastruktur schafft mehr Transparenz im Portfolio, gerade im Hinblick auf ESG“, betont Braun. „Hier werden die Kriterien zu einem Instrument der Risikosteuerung im Investment, denn Infrastruktur lässt sich nicht so einfach aus dem Portfolio nehmen wie eine Aktie.“ Doch der Shift im Portfolio ist für EnBW ohne Alternativen. „Wir erheben für uns den Anspruch, nicht nur regional, sondern auch international in Infrastruktur zu investieren“, so Haug. „In Europa unternehmen wir bereits viel und haben auch in Nordamerika investiert, während wir uns in Asien noch zurückhalten.“ Generell verstehe sich EnBW im Bereich Infrastruktur als Brown-Field-Investor.

Dr. Thomas Friese, Global Head Pensions & Insurance Nokia Siemens Networks und Mitglied des institutional-assets-Beirats sowie Sprecher des Infrastruktur-Komitees, betont in seiner Laudatio das professionelle Herangehen der EnBW an die Asset-Klasse Infrastruktur. „Sowohl die Due Diligence, die Onboarding-Prozesse als auch das Risk-Controlling bei Infrastrukturinvestments haben uns sehr überzeugt“, so Friese. „Wir stellen bei EnBW einen hohen Grad an Professionalität in einem fünfköpfigen Anlageteam fest.“

Perspektivisch sieht Dirk Braun für EnBW auf der illiquiden und vor allem der Infrastrukturseite gute Renditeperspektiven. „Die Konjunkturpakete der Biden-Administration in den USA eröffnen für uns neue Investitionsperspektiven“, so Braun. „Auch in Deutschland steht die Instandhaltung der Infrastruktur an, zudem der digitale Ausbau über Glasfaserleitungen und Datenspeicher.“ Wichtig sei dabei immer der „Look through“. „Wir müssen bei illiquiden Anlagen stets auf Transparenz durch gute Daten achten.“ Das sei bei staatlichen Infrastrukturprojekten einfacher, bei Small und Mid Caps schwieriger. „Active Ownership bei Private Equity wird für uns in Zukunft ein ganz dickes Brett werden.“

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