Die DWS bot in ihrem Halbjahresausblick eine Einschätzung zur Makroökonomie und zu den von ihr präferierten Opportunitäten an den Kapitalmärkten.

Der Asset Manager zeigt sich positiv gestimmt für die asiatischen Schwellenländer. In der Pandemie habe diese Region am besten abgeschnitten, sagt Stefan Kreuzkamp, Global CIO & Head Investment Division. So habe die Corono-Krise die Region natürlich als erstes getroffen, doch zahlreiche asiatische Länder konnten sich auch am schnellsten aus dem Griff der Pandemie befreien.

Die Erwartungen für das Wirtschaftswachstum der Emerging Markets insgesamt beziffert die DWS für diesesJahr mit 6,2 Prozent und für 2022 mit 4,7 Prozent – getrieben vor allem vom asiatischen Aufschwung.

Opportunitäten ergeben sich laut Sean Taylor, CIO für die Region APAC, durch den Trend zur Nachhaltigkeit in China. Aber auch Südkorea als Vorreiter in Sachen Technologie birgt laut dem Halbjahresausblick reichlich Chancen.

Die USA werden indes – angetrieben durch die schnellen Impferfolge und den massiven finanziellen Stimulus durch die Biden-Administration – ein vergleichsweise rasantes Wachstum von 6,7 Prozent verbuchen können, gefolgt von einem immer noch stolzen Plus von 5,2 Prozent in 2022.

„Die Geschäftstätigkeit wird bis Jahresende wieder völlig geöffnet sein“, glaubt Kreuzkamp. Nur in Europa erfolgte die Öffnung angesichts der schleppenden Impfkampagne langsamer als in den USA. Demzufolge erholt sich Europa den Erwartungen zufolge auch nicht so schnell wie die übrigen Regionen. Das Haus erwartet für 2021 ein BIP-Wachstum von 4,2 Prozent und 4,6 Prozent in 2022.

Inflation in Deutschland: Peak in 2021

Die Preissteigerung in Deutschland dürfte in 2021 ihren Peak sehen, wie Kreuzkamp weiter ausführt. Der dramatische Anstieg der Ölpreise, die CO2-Steuer und die Rückkehr zur Mehrwertsteuer von 19 Prozent treiben die Preise aktuell in die Höhe. Hinzu kommen Ausfälle in den globalen Lieferketten und die in den Lockdowns aufgestaute Nachfrage.

Aber genau diese Faktoren werden sukzessive auch wieder an Bedeutung verlieren. Konsum und Lieferketten werden sich wieder von der Pandemie erholen. Zudem kommt auch von Seiten der Löhne und Gehälter kein Druck angesichts der weiter bestehenden Unterbeschäftigung.

Auch den Notenbankern in Washington und Frankfurt treiben die inflationären Tendenzen keinen Angstschweiß auf die Stirn. Ein Einschreiten der Notenbanker gegen die Preissteigerung erwartet die DWS auf keiner Seite des Atlantiks, die inflationären Tendenzen werden toleriert, so die Erwartung. Allerdings: 2022 dürfte der Ausstieg aus dem Quantitative-Easing eingeläutet werden. Auch hier dürften die US-Amerikaner die Nase vorn haben. Zinsschritte sind allerdings nirgendwo vor 2023 zu erwarten, so die Einschätzung.

Nachhaltigkeit: Gewinner der Pandemie

Neben den gezügelten Renditen und der Dynamik an den asiatischen Schwellenländern gibt es laut DWS noch einen dritten dominierenden Trend an den Kapitalmärkten im zweiten Halbjahr 2021: Nachhaltigkeit. Dies Thema entpuppt sich sozusagen als Krisengewinner.

So haben sich die EU und die USA zu Nettonull-Emissionen für 2050 verpflichtet und China bis 2060. Das Investmentpotenzial ist laut DWS immens: auf rund 6 Billionen US-Dollar beläuft sich der Investitionsbedarf, hat Paul Buchwitz, Portfoliomanager bei der DWS, errechnet.

Blue Economy mit großem Potenzial

Nach Einschätzung des Experten bietet insbesondere die so genannte Blue Economy Potenzial – also vereinfacht gesagt alles, was sich mit der nachhaltigen Nutzung der Ozeane befasst. Die Wachstumsrate ist laut Buchwitz immens, institutionelle Investoren sind allerdings noch nicht wirklich auf diesen Zug aufgesprungen. Unter den 17 US-Zielen für nachhaltige Entwicklung ist die Nummer 14, das Leben unter Wasser, die im wenigsten investierte. Das Thema bekommt in letzter Zeit allerdings zunehmend Rückenwind von der EU Kommission.

Opportunitäten ergeben sich etwa rund um Aquakultur 2.0 mit artgerechter, antibiotikafreier Ernährung für Fische und Meeresfrüchte, Dekarbonisierung des Seeverkehrs einschließlich der Häfen sowie der Vermeidung von Meeresmüll – und hier insbesondere Plastik.

Wachsender Markt für digitales Lernen

Weiteres Megathema in Sachen Nachhaltigkeit ist laut Buchwitz das digitale Lernen. Rapide beschleunigt durch die Corona-Krise, wird der Markt für digital Learning in den kommenden vier Jahren ein Wachstum von rund 15 Prozent erfahren.

Und nicht zuletzt wird die Asset-Klasse Real Estate von den vorherrschenden Trend profitieren, wie Portfoliomanagerin Anke Weinreich abschließend ausführte. Besonders das Vereinigte Königreich und die USA versprechen überdurchschnittliche Renditen. Aber auch das als krisenfest wahrgenommene Deutschland bietet Opportunitäten. Auch für diese Asset-Klasse gilt: Die Post-Covid-Welt wird eine andere sein als die vor 2020.

Die Anforderungen an Büro- und Wohnimmobilien haben sich dauerhaft geändert. Die Logistik der letzten Meile und Wohnungen in den Randlagen der Metropolen dürften dauerhaft profitieren. Und Büros werden künftig anders aussehen als vor der Pandemie. Der Trend zum Home Office und verschärfte Anforderungen an die IT werden ein Umdenken erfordern, so die Einschätzung im DWS Halbjahresausblick.

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