Mit ihrem Multi-Boutique-Ansatz bedient Natixis Investment Managers die verschiedenen Wünsche institutioneller Kunden. Wie selbst in einem herausfordernden Kapitalmarktumfeld Alpha generiert werden kann, darüber hat dpn mit Sebastian Römer, Head of DACH and Eastern Europe, gesprochen.

Sebastian Römer, Head of DACH and Eastern Europe bei Natixis IM

dpn: Herr Römer, Sie sind im Sommer 2018 zu Natixis Investment Managers gekommen und hatten die Aufgabe, eine Marke zu stärken, deren Bekanntheit in Deutschland weit hinter ihrer weltweiten Bedeutung zurückliegt. Ist Ihnen das gelungen?

Sebastian Römer: Was wir auf jeden Fall geschafft haben, ist, unsere Präsenz in Deutschland zu steigern. Wir konnten sehr viele neuen Mandate und Kunden gewinnen und haben das Geschäft mehr als verdoppelt. Zudem gelang es uns, neue Anlageklassen und Investorengruppen zu erschließen. Das hat gut geklappt. Was das Thema Markenbekanntheit angeht, ist es aber so, dass uns vor allem die Experten im Bereich der Institutionellen und im Wholesale kennen. Und hier auch mehr die Namen der spezialisierten Boutiquen unter unserem Dach als die Dachmarke selbst.

Die Asset-Klasse Alternatives zählt zu den Stärken von Natixis. Gilt das im aktuell schwierigen Kapitalmarktumfeld, in dem weder auf der Aktien- noch auf der Anleihenseite viel zu holen ist, umso mehr?

Wir sehen, dass klassische Fixed-Income-Strategien weniger stark nachgefragt werden. Unsere Kunden bevorzugen derzeit im liquiden Bereich Absolute Return Fixed Income. Auf Private-Asset-Seite dienen Private-Debt-Investments vermehrt als Ersatz für Staatsanleihen.

Und auf der Equity-Seite?

Dort verzeichnen wir großes Interesse besonders im liquiden Bereich. Aber einen spezifischen Trend erkenne ich nicht, vielmehr herrscht unter Investoren aktuell eine große Unsicherheit. Sie schauen zum Beispiel sowohl nach Value- als auch nach Growth-Investments. Die Tendenz zu illiquiden Assets ist zudem ungebremst. Hier stehen besonders die Bereiche Infrastruktur und auch nachhaltige Energien im Fokus. Da sehen wir sehr viel Nachfrage. Bei einem Fonds unserer Boutique Mirova, der den Fokus auf Erneuerbare, aber auch andere nachhaltige Themen wie Carsharing, Ladestationen oder Wasserstoff setzt, gab es jetzt das Final Closing, nachdem er ein Volumen von 1,6 Milliarden Euro erreicht hatte. Es ist aber längst nicht jeder Investor zum Zug gekommen.

Wie haben sich die Zuflüsse in den vergangenen vier Jahren in diesem Bereich entwickelt?

2018 machten Private Assets etwa fünf Prozent des gesamten von Natixis verwalteten Vermögens in Deutschland aus. Heute sind es bereits 25 Prozent.

Als Sie bei Natixis begannen, war es eines Ihrer persönlichen Ziele, das Segment illiquider Alternatives als ein wichtiges Standbein in Deutschland aufzubauen. Ist Ihnen das inzwischen gelungen?

Es ist eine große Freude für mich, dass das sehr gut geklappt hat. Die regulatorischen Anforderungen waren allerdings eine Herausforderung. Besonders freut es mich, dass mein Team sich mit dem Thema Private Assets inzwischen wohlfühlt und dass unsere Kunden uns als einen relevanten Anbieter für das ganze Spektrum von Private Debt, Private Equity, Infrastruktur und Immobilien wahrnehmen.

Wie hat sich in den vergangenen vier Jahren die Kundenstruktur entwickelt?

Historisch waren Pensionspläne von Unternehmen sowie der Bereich Fund of Funds unsere stärksten Standbeine. In beiden Segmenten konnten wir gut wachsen. Was mich besonders freut, ist, dass wir auch andere Kundengruppen ausbauen konnten. Hier sind vor allem Versorgungswerke zu nennen, die inzwischen stärker in Private Assets investieren, aber auch Kirchen. Als neues Segment haben wir im Bereich Private Debt Versicherungen. Single Family Offices sind ebenfalls eine spannende Kundengruppe bei unseren liquiden und illiquiden Produkten.

Wie hoch sind die gesamten Assets under Management in Ihrem Bereich?

Die sind auf inzwischen etwa elf Milliarden Euro gestiegen. Als ich zu Natixis kam, waren es noch etwas über vier Milliarden Euro.

Die Natixis-Gruppe besteht aus weit mehr als 20 Investment-Boutiquen, deren gemeinsames Ziel es ist, Alpha – also eine Überrendite gegenüber der Benchmark – zu generieren. Wie gelingt das in dem schwierigen Jahr 2022?

Drei Viertel unserer Fonds schlagen ihre Benchmark beziehungsweise den Markt. Unsere Wahrnehmung ist, dass der Manager umso besser Überrendite generieren kann, je volatiler der Markt ist. Wir haben zum Beispiel eine sehr gute europäische Credit-Strategie, der ein Stock-Picking-Ansatz zugrunde liegt. Denn in einer volatilen Marktphase wie der aktuellen ist Einzeltitelselektion besonders wichtig. Davon kann der Manager profitieren. Die Credit-Strategie hat im ersten Halbjahr 2022 mehr als 100 Basispunkte an Alpha erzeugt.

Welche Boutique steht bei deutschen institutionellen Investoren derzeit besonders hoch im Kurs und warum?

Ich würde sagen Mirova. Das sind unsere Nachhaltigkeitsexperten. Sie sind bei diesem Thema Pioniere in Europa und haben bereits 1994 die erste nachhaltige Aktienstrategie aufgelegt. Damit treffen sie den Nerv der Zeit. Das komplette Anlagespektrum erfreut sich großer Beliebtheit: Aktien, Fixed Income, aber auch Private Investments wie zum Beispiel Infrastruktur. Auch Impact-Strategien, die Themen wie Landwirtschaft oder Küstenschutz abdecken, werden immer beliebter. In diesem Bereich gehen wir gerade mit neuen Fonds an den Markt, für die wir bereits ein Versorgungswerk als Investor gewinnen konnten.

Welchen Einfluss haben ESG-Kriterien auf Ihre Anlagestrategie und wie implementieren Sie diese im Bereich illiquider Lösungen?

Das unterscheidet sich je nach Boutique und Anlageklasse. Unser Private-Debt-Manager MV-Credit ist ein Pionier hinsichtlich ESG-Transparenz. In Kooperation mit EthiFinance fordern die Kollegen zu fast 50 Kriterien Details von den zugrunde liegenden Unternehmen und zwingen das Management so, sich mit Themen wie Geschlechtergerechtigkeit oder Arbeitssicherheit auseinanderzusetzen. Mirova geht noch einen Schritt weiter und bietet ausschließlich Strategien an, die einen nachhaltigen Impact haben. Dafür wird eine ESG-Analyse vor den Investment-Prozess geschaltet und über die Analyse gängiger Rating-Agenturen hinausgegangen, da Mirova auch die Emissionen betrachtet, die bei der Verwendung des Produktes entstehen. Entsprechend werden zum Beispiel Hersteller von effizienteren Autos besser bewertet. Nur in hoch bewertete Unternehmen kann dann im nachgelagerten Investment-Prozess investiert werden. Damit kann Mirova auch den Klimabeitrag des Gesamtportfolios berechnen.

Wie sieht das in der Praxis aus?

Unser Impact-Private-Equity-Fonds investiert zum Beispiel in Tiernahrung mit Protein aus Insekten. Das ist deutlich nachhaltiger als die Proteingewinnung aus Fischmehl, verwertet die Abfallprodukte von Brauereien und ist dadurch auch ökonomisch ein interessantes Investment. Hier sehen wir einen direkten Impact. Gleiches gilt für unseren Fonds zu nachhaltiger Landwirtschaft. In einer Kollaboration mit den Vereinten Nationen investieren wir unter anderem in eine Haselnussfarm in Bhutan. So wird „degradiertes“ Land wieder fruchtbar gemacht, lokale Bauern erlernen nachhaltige Bewässerungstechniken und wir können sicherstellen, dass es nicht zu Kinderarbeit kommt. Auf der liquiden Seite sind alle Fonds von Mirova konsistent mit einer Erderwärmung von maximal zwei Grad – und streben weitere Ziele wie Artenvielfalt, nachhaltige Ökosysteme, Geschlechtergleichheit und sichere Arbeitsbedingungen an.

Gestatten Sie uns einen Blick in Ihr persönliches Portfolio. Finden sich darin auch illiquidere Alternatives oder ist es eher klassisch mit Aktien und Anleihen bestückt?

Der Zugang zu illiquiden Anlagen ist für Privatkunden leider noch immer schwer, auch wenn die Fondsbranche dabei ist, diesen Missstand zu beheben. Ich persönlich bin ein Freund von Start-up-Investments. Die machen derzeit aber nur einen kleinen Teil meines Portfolios aus. Ich investiere weitgehend in Aktien.

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