Warum die Versicherungsgruppe Die Bayerische die Aktienquote massiv runtergefahren hat und welche Alternativen im Portfolio liegen, erläutert Chief Investment Officer Marc Schwetlik.

Als im März die Aktienkurse in den Keller rutschten, konnte das Investment-Team der Bayerischen vergleichsweise entspannt agieren. Seit dem Jahresende 2019 hat die Versicherungsgruppe nahezu keine börsennotierten Aktien und Renten mehr im Portfolio. Lediglich eine vertrieblich motivierte Direktbeteilung steht noch in den Büchern.

Die Auswirkungen der Krise spürten die Münchner eher indirekt über die weggebrochenen Zinssätze – für einen Solvency-II-Investor wegen der Solvenzanforderungen ein Problem. „Als die Renditen für 10-jährige Bundesanleihen in den Keller gingen, sind damit auch die Solvenzquoten runtergerutscht“, erläutert Marc Schwetlik, Chief Investment Officer bei der Bayerischen. Denn mit fallenden Zinsen steigen die Verpflichtungen auf der Passivseite stärker als auf der Aktivseite die Marktwerte, so dass sich der Durations-Mismatch zwischen kurzer Aktivseite und länger laufender Passivseite verstärkt.

„Deshalb müssen wir wieder in lang laufende Staatsanleihen investieren. Das ist für uns eine direkte Auswirkung der Krise“, so Schwetlik. Trotz der niedrigen oder sogar negativen Renditen plant der Versicherer daher Käufe in dem Segment. „Unser Aufsichtsregime zwingt uns dazu“, konstatiert der Investment-Experte.

Illiquide Assets: Auswirkungen der Krise noch offen

Illiquide Assets wie Immobilien (rund 13,4 Prozent des Marktwertes), Private Debt (15,8 Prozent) oder Private Equity (10,9 Prozent) stellen einen relativ hohen Anteil am Portfolio des Münchner institutionellen Anlegers dar.

Da diese Fondsinvestments nur vierteljährlich und mit einigen Wochen Verzögerung bewertet werden, dürften sich die Auswirkungen der Krise erst Mitte August 2020 konkret quantifizieren lassen. Indizien, in welcher Größenordnung die Verluste liegen könnten, gewinnen die Münchner im Dialog mit den Fondsmanagern, der in der Krise intensiv geführt wurde. „Wir rechnen im Bereich Private Debt mit Ausfallquoten von rund 10 Prozent bei einer Recovery Rate von 60 Prozent“, so Schwetlik. Am Ende könnten somit rund 4 Prozent Verlust in den Büchern stehen.

Keine Änderung der strategischen Asset Allocation

Anlass zu einer Änderung der strategischen Asset Allocation (SAA) besteht für die Bayerische aber nicht. Diese wurde im Oktober 2019 anvisiert und steht routinemäßig jährlich zur Disposition, erläutert Schwetlik. „Wir sehen in den aktuellen Ereignissen keinen Anlass, die SAA neu auszurichten. Wir können uns in bestimmten Bandbreiten frei bewegen, in Abstimmung mit dem Aufsichtsrat auch darüber hinaus. Dies haben wir aber bisher nicht als zielführend erachtet“, so die Einschätzung zur aktuellen Situation. So werde auch planmäßig weiter der Ausbau der Quoten für Immobilien und Erneuerbare Energien verfolgt. In diesem Segment verfolgt die Bayerische Projekte mit einem Anlagevolumina zwischen 20 und 40 Millionen Euro mit einer Renditeerwartung von 5 Prozent.

Marc Schewtlik Bildquelle: Die Bayerische

Private Equity: die besseren Aktien

Der Trend zu alternativen Anlagen wird sich nach Einschätzung von Schwetlik noch verstärken. In den privaten Märkten hat die Bayerische die für Ende 2021 avisierten Quoten bereits erreicht. „Private Equity bevorzuge ich schon lange gegenüber Aktien, sowohl von der Rendite als auch von den Modalitäten. PE sind die besseren Aktien“, erläutert Schwetlik den Ausstieg aus dem öffentlichen Marktsegment. „Ich bin der M

einung, dass man als institutioneller Investor keine Aktien braucht.“ Jederzeit liquidierbare Assets hält das Unternehmen in Form von Zinsanlagen vor.

Zielportfolio Die Bayerische 2020-2021

Marktwert Ende
Q1 2020
in Prozent
Zielquote Ende Q4 2021
in Prozent
Rendite
Immobilien 13,4 16,0 3,0
Aktien 0,8 1,0 8,0
Alternatives Private Equity 10,9 10,0 8,0
Infrastruktur 5,6 5,0 6,0
Erneuerbare Energien 4,8 8,0 5,0
Zinstitel Staatsanleihen u.a. Anleihen ohne Anforderungen an Kreditunterlegung 8,3 10,0 0,5
Unternehmensanleihen einschl. Schuldscheine und ähnlichem 9,2 5,0 2,5
Realkredite (Immobilien) 29,2 25,0 3,5
Private Debt Fonds 15,8 15,0 6,0
Sonstige 2 5,0
Gesamt 100 100

Quelle: Die Bayerische

 

 

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