Auf dem dpn-Roundtable ALM sprach Wolfgang Murmann, Head of Solutions Germany von Insight Investment, über Asset Management in Zeiten von Corona.

Was unterscheidet die aktuelle Krise von der Finanzkrise?

Ich sehe in der aktuellen Krise einen wesentlichen Unterschied zur Finanzkrise von 2008. Heute erleben wir einen ganz anderen politischen Willen, die Folgen der Krise für die Unternehmen abzufedern, als wir das 2008 im Hinblick auf die Banken erlebt haben. Die Hilfen, die die Regierungen, inklusive Helikoptergeld, zur Verfügung stellen, ermöglichen es den Unternehmen hoffentlich gerade hinsichtlich ihrer Liquidität, durch die Krise zu kommen. Daher gehe ich nicht davon aus, dass es in dem Umfang Kreditereignisse geben wird, die momentan eingepreist sind.

Beispielsweise implizieren die Credit Spreads im europäischen IG-Bereich, dass 15 Prozent der Unternehmen in den nächsten Jahren ausfallen werden. Dieser Wert übersteigt die entsprechende Worst-Case-Ausfallwahrscheinlichkeit um ein Fünffaches. Ich glaube nicht, dass wir eine Default-Welle in diesem Ausmaß sehen werden, aber sicherlich muss man die Branchen differenzierter betrachten.

Etwa im US-amerikanischen Energiesektor sehen wir Geschäftsmodelle, die der aktuellen Krise nicht standhalten werden. Wie schnell sich die Wirtschaft schlussendlich erholen wird und welchen Verlauf die Erholung nehmen wird, hängt meines Erachtens sehr von der Frage ab, wie schnell ein Impfstoff beziehungsweise wirksame Behandlungsmethoden zur Verfügung stehen werden.

Wie sollten Investoren im ALM reagieren?

Auf der Anlageseite ist Diversifikation ein zentraler Punkt. Wenn im Pensions-Kontext eine Verpflichtung existiert, die zu Marktwerten bewertet werden kann, beginnt automatisch die Diskussion, inwieweit die Liabilities und die Aktivseite miteinander verbunden werden können. Ein LDI-Overlay ist hierbei eine von mehreren möglichen Maßnahmen, doch der erste Schritt ist oft, die Fixed-Income-Holdings besser an die Verpflichtungsseite anzupassen.

Eine Alternative ist, eine Cashflow-Perspektive einzunehmen. Dies erhöht die Planungssicherheit, verringert das Risiko von Notverkäufen, beispielsweise bei einem Crash der Aktienmärkte, und führt in der Regel dazu, dass Cash-Bestände reduziert werden können – Stichwort Negativzins. Generell plädiere auch ich aus einer Risikomanagement-Perspektive dafür, Pensionsverpflichtungen in einem gewissen Umfang auszufinanzieren.

Lesen Sie das gesamte Gespräch zum Thema Asset Liability Management in der aktuellen dpn-Sonderausgabe Mai 2020. Zu Gast waren Horst Grögler von TRATON SE, Dr. Nicolas Vogelpoth, SVP und Head of Asset Management & Quantitative Strategy bei Uniper, Eberhard Haug, Director Asset Management – Liquid Assets bei EnBW Energie Baden-Württemberg AG, Wolfgang Murmann, Head of Solutions Germany von Insight Investment, Martin Thiesen, Geschäftsleitung der Metzler Pension Management GmbH, und Nikolaus Schmidt-Narischkin, Managing Director und Head of Sales and Client Management bei Willis Towers Watson.

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