Die Coronavirus-Pandemie breitet sich weltweit immer weiter aus. Guido Birkner sprach mit Michael Herzum, Leiter Macro & Strategy, Union Investment, über die Auswirkungen auf das institutionelle Portfolio.

Herr Herzum, wie stark wird sich die Coronavirus-Epidemie auf die Weltwirtschaft und die Finanzmärkte auswirken?

Eine globale Rezession ist nicht mehr zu vermeiden. Die drastischen Gegenmaßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie führen zu einem Aktivitätseinbruch. Immerhin: Zentralbanken und Regierungen befinden sich im „Whatever it takes“-Modus und haben schnell, entschlossen und richtig reagiert, um negative Zweitrundeneffekte zu unterbinden. Für eine Verbesserung des Konjunkturbildes sind geld- und fiskalpolitische Hilfen allein aber nicht ausreichend. Die Wirtschaft kann erst wieder „auftauen“, wenn eine Beruhigung bei der Ausbreitung der Pandemie sichtbar wird. Ab diesem Stadium dürften die staatlichen Maßnahmen dann auch voll wirksam werden und den Erholungsprozess unterstützen.

Für die Kapitalmärkte heißt das: Kurzfristig dürfte die Entwicklung turbulent bleiben. So lange das Wachstum der Infektionszahlen in den wichtigen Wirtschaftsregionen nicht zurückgeht, ist eine nachhaltige Aufwärtsbewegung bei Aktien und Unternehmensanleihen unwahrscheinlich. Mittel- bis langfristig bleiben die Perspektiven aber konstruktiv. Wenn die Wirtschaft auf den Wachstumspfad zurückkehrt, dürften die vor der Krise relevanten Anlagetrends wieder an Bedeutung gewinnen. Insofern empfiehlt es sich nicht, hektische oder gar alarmistische Anpassungen in langfristigen Anlagestrategien vorzunehmen.

Welche Asset-Klassen sind angesichts des Risikos einer Pandemie stärker gefragt, welcher weniger?

Der Risikoappetit an den Märkten ist Mitte März auf den tiefsten Stand seit der globalen Finanzkrise 2008 gefallen. Ein Multi-Asset-Portfolio mit einer gezielten Allokation in „sichere Häfen“ wie Gold, Schweizer Franken oder US-Staatsanleihen konnte über weite Strecken des Abverkaufs helfen, Verluste zu reduzieren. Zuletzt kamen aber auch die „sicheren Häfen“ selbst unter Druck, als Investoren in zunehmend illiquiden Märkten versuchten, ihre Portfolios flüssig zu halten. Nur Unternehmen, die unmittelbar von der Pandemie profitieren, wie beispielsweise die Aktien von Gesichtsmasken-Herstellern oder Online-Gesundheitsdiensten, standen in der Gunst der Investoren.

Wie sollten institutionelle Anleger ihre Portfolien umschichten?

Auch wenn kurzfristig die Unsicherheit hoch bleibt, dürfte bereits ein Großteil des Abverkaufs stattgefunden haben. Mit der temporären Lahmlegung des öffentlichen Lebens in vielen entwickelten Volkswirtschaften – insbesondere in Europa und den USA – sollte die Pandemie eingedämmt werden. Das birgt langfristig Chancen. Auf einen Horizont von zwölf Monaten und mehr stellt der drastische Verfall des Risikoappetits ein hohes, asymmetrisches Performance-Potenzial für Risiko-Anlagen wie Aktien dar. Historisch konnten Aktienmärkte über ein Jahr nach Extremwerten deutlich überdurchschnittliche Erträge erzielen. Sobald sich abzeichnet, dass die Ansteckungszahlen beim Corona-Virus zurückgehen, werden sich auch Risiko-Anlagen wieder erholen.

Lesen Sie mehr den Auswirkungen der Corona-Krise in der neuen Ausgabe des dpn-Magazins.

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