Dr. Stefan Gotsche und Thomas Nitschke, beide Helaba Invest Kapitalanlagegesellschaft mbH, analysieren Chancen und Risiken für die Asset-Allokation in Pandemiezeiten.

In welchen Asset-Klassen lassen sich künftig Renditen erzielen? Um diese Frage zu beantworten, lohnt ein Blick in den Rückspiegel. Die Analyse historischer Renditen liefert einen Überblick über die Spannbreite möglicher Renditen im Sinne: Welche Renditen waren auf einen bestimmten Zeitraum hin im schlechtesten Fall, im besten Fall oder im Durchschnitt möglich? Zur Beantwortung dieser Frage muss der Zeithorizont der erwarteten Renditen geklärt werden. Denn es gilt: Je kürzer der Prognosezeitraum ist, desto volatiler sind in der Regel die Ergebnisse. Für die Erwartungsbildung werden hier regelmäßig zehnjährige Renditen verwendet. Dieser lange Zeitraum scheint im Umfeld von Pensionsvermögen geeignet und ist zumindest annährend kongruent zur Laufzeit vieler Pensionsverpflichtungen.

Beim Blick in den Rückspiegel muss dabei nach Asset-Klassen differenziert werden. So wird sich die historische Entwicklung von Rentenmärkten in den vergangenen 30 Jahren wohl kaum in der Zukunft fortsetzen lassen. Deshalb sollte die Betrachtung historischer Renditen nur den Rahmen für eine Erwartungsbildung darstellen und um weitere Modelle/Ansätze ergänzt bzw. von diesen unterstützt werden.

Im Folgenden werden drei Ansätze für die Ermittlung zu erwartender Renditen für Asset-Klassen dargestellt. Dabei werden Asset-Klassen betrachtet, die bei einem typischen deutschen Pensionsinvestor zum Einsatz kommen könnten. Beim Ansatz historischer Renditen wird vereinfachend davon ausgegangen, dass sich die Performance der Vergangenheit auch in Zukunft wiederholen lässt. Der zweite Ansatz geht davon aus, dass die eigentlichen Rendite- und Risikotreiber von Asset-Klassen sogenannte (Risiko-)Faktoren sind. Je nach Quelle werden dabei sehr unterschiedliche Faktoren verwendet. Im dritten Ansatz wird angenommen, dass sich Renditen aus einzelnen fundamentalen Komponenten zusammensetzen. Für die Asset-Klasse Aktien können dazu Dividendenrenditen, reales Wachstum des Bruttosozialproduktes, Inflationserwartungen sowie Aktienrückkäufe/Neuausgabe von Aktien zählen.

Fazit

Als Fazit bleibt festzuhalten, dass grundsätzlich beinahe jede Investition eine Spekulation mit Risiken ist. Entscheidend ist, wie mit dem Risiko umgegangen wird. Durch die expansive Geld- und Fiskalpolitik stehen die Zeichen für ein anhaltend niedriges Zinsniveau gut. Investoren können sich dieser Renditefalle nur entziehen, indem sie neue Asset-Klassen erschließen – zum Beispiel Handelsforderungen, Private Equity, Hedgefonds – oder die Allokationen in Asset-Klassen erhöhen, in denen noch Aussichten auf Rendite vorhanden sind. Demzufolge müssen Investoren heute höhere Risiken als vor zehn Jahren eingehen – bei gleicher Renditeerwartung – oder sich mit einer niedrigen Rendite zufriedengeben – bei gleichem Risiko. Die größte Blase besteht im Markt für Staatsanleihen. Sollte sie platzen, wären die Auswirkungen auf beinah alle Asset-Klassen verheerend.

Der Artikel ist ein Auszug aus dem Beitrag der beiden Autoren im Buch „bAV 2021 – Assets & Liabilities – die zwei Seiten einer Medaille im Pensions-Management“, herausgegeben von Guido Birkner und hier bestellbar.

Aktuelle Beiträge

Alles Wichtige für institutionelle Investoren - Kompetent und unabhängig - Jede Woche neu
NEWSLETTER KOSTENLOS ABONNIEREN »
Alles Wichtige für institutionelle Investoren - Kompetent und unabhängig - Jede Woche neu
NEWSLETTER KOSTENLOS ABONNIEREN »