Beim ersten virtuellen dpn-Roundtable diskutierten die Teilnehmer über Asset Liability Management (ALM) in der Corona-Krise, über Zukunftsszenarien und Handlungsoptionen.

Gerade in einer Krise wie der aktuellen Pandemie ist das Pensions Management auf ein funktionierendes und bei Bedarf neu zu justierendes Asset Liability Management angewiesen. Dazu gehört eine langfristig solide Asset ­Allocation mit verschiedenen Szenarien, die sich aus einer ALM-Studie ableiten lässt. Um in der Krise zu bestehen, sollte eine strategische Asset Allocation gut diversifiziert sein und das Risiko der einzelnen Asset-Klassen überprüft werden.

Martin Thiesen von Metzler Pension Management empfiehlt, einfache Stresstests für einzelne Szenarien durchzuführen, um zu ermitteln, wie viel Risiko ein Portfolio verträgt und welche Ausschläge es in den einzelnen Szenarien aushalten kann. Zudem sollte das Portfolio so aufgestellt sein, dass sich bei Bedarf kurzfristig und aktiv reagieren lässt.

„Aktives Management wird immer wichtiger, um bei Verwerfungen an den Märkten in einzelnen Asset-Klassen schnell reagieren zu können. Wichtig ist beim ALM zudem, nicht nur auf das A, also die Kapitalanlage, sondern stärker auch auf das L, die Verpflichtungen, zu schauen.”
Martin Thiesen von Metzler Pension Management

Wolfgang Murmann von Insight Investment betont, dass beim ALM nicht nur in der Kapitalanlage, sondern auch auf der Verpflichtungsseite Handlungsbedarf besteht. Zwar haben sich Zinsen wie auch Inflation in den vergangenen Jahren nach unten entwickelt, doch im Hinblick auf das Risikomanagement sollten Pensionseinrichtungen auch das Szenario berücksichtigen, in dem sich Zins und Inflation auseinanderentwickeln und es zu einem Inflationsschock kommt.

„Sowohl Zinsen als auch Inflation haben sich in den vergangenen Jahren nach unten entwickelt. Unter Risikomanagement-Aspekten sollten Pensionseinrichtungen jedoch auch das Szenario im Auge behalten, in dem sich Zins und Inflation auseinanderentwickeln. Es ist vorstellbar, dass der Zins weiterhin auf einem niedrigen Niveau verharren wird und gleichzeitig die Inflation anspringt, denn durch die Maßnahmen der Zentralbanken ist eine gewisse Asymmetrie entstanden. Daher halten wir einen Inflationsschock für wahrscheinlicher als deflationäre Szenarien.“
Wolfgang Murmann von Insight Investment

Dr. Nicolas Vogelpoth von Uniper sieht in der Pandemie-Krise Risiken, die sich aus der Neuverschuldung der EU-Staaten ergeben. Die Diskussion über eine Vergemeinschaftung der Schulden bedroht den Zusammenhalt innerhalb der EU und wird durch populistische Strömungen in den besonders betroffenen Ländern in Südeuropa zusätzlich belastet.

„Eine Entscheidung über eine Vergemeinschaftung der Schulden ist nicht gleichzusetzen mit einer Entscheidung pro Europa. Unter anderem von dieser Entscheidung wird es abhängen, ob die rechten Ränder in einzelnen Staaten stärker werden. Eine Vergemeinschaftung würde in Italien vermutlich deeskalierend wirken, in Deutschland radikalisierend. Eine Nicht-Vergemeinschaftung hätte vermutlich den gegenteiligen Effekt. In jedem Fall drohen politische Spannungen und ein Rechtsruck, und deshalb sind Asset-Klassen, die in diesem Umfeld diversifizierend wirken, sehr wichtig, zum Beispiel Gold.”
Dr. Nicolas Vogelpoth von Uniper

Horst Grögler von TRATON sieht die Herausforderungen im eigenen Haus: Um die Entgeltumwandlung attraktiv zu machen, müssen Arbeitgeber mit der Kapitalanlage auch langfristig eine auskömmliche Rendite erwirtschaften. Für die Asset Allocation bedeutet das, weiterhin signifikante Aktienquoten für die Vorsorge der jüngeren Generationen zu fahren.

„Im regulierten Bereich stellt sich mit Blick auf unseren Pensionsfondsbestand die Frage, wie sich der Rechnungszins nachhaltig erwirtschaften lässt. Wir sind praktisch dazu verurteilt, auch in risikoreichere Asset-Klassen zu investieren. Unser Weg ist daher nicht, verstärkt in Fixed Income zu gehen, sondern wir wollen weiterhin eine vernünftige Quote in Real Assets fahren. Diversifikation ist für uns weit oben auf der Agenda.”
Horst Grögler von TRATON

Nikolaus Schmidt-Narischkin von Willis Towers Watson fühlt sich derzeit an die Finanzkrise von 2008 erinnert, als er sich mit Träger­unternehmen wöchentlich über den Stand des Sicherungsvermögens und die Höhe des Deckungsgrads ausgetauscht hat – dies macht er heute wieder.

„Wir betreiben zwar über alle Sicherungsvermögen hinweg eine verbindlichkeitsorientierte Anlagepolitik, doch das heißt nicht automatisch ALM. Hier gibt es Graustufen und Asset Allocationens, die anders sein können. Wir agieren derzeit in drei Szenarien für die Erholung, die von einem klar strukturierten V bis hin zu einem breiten U reichen, und das immer unter dem Aspekt, dass wir als Pensionsfonds reguliert sind.”
Nikolaus Schmidt-Narischkin von Willis Towers Watson

Eberhard Haug von EnBW versucht, das eigene Portfolio wetterfest aufzustellen und dafür das Qualitätslevel in allen Asset-Klassen zu erhöhen. Während der Krise verfolgte er drei Regeln beim Investieren. 

„Wir versuchen, unser Portfolio so wetterfest wie möglich aufzustellen. In Zukunft müssen wir in allen Asset-Klassen das Qualitätslevel erhöhen. Bei Unternehmensanleihen haben wir viele Titel im unteren Rating-Bereich gesehen mit BBB oder BBB–.”
Eberhard Haug von EnBW

Lesen Sie hierzu mehr in der aktuellen dpn-Sonderausgabe Mai 2020.

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