28.05.2019 | Von Bernhard Raos

90 Milliarden von Aktiven zu Rentnern

In der Schweiz gewinnt die Umverteilung zwischen den Generationen in der beruflichen Vorsorge an Sprengkraft.

RetirementPlan(Bildquelle: AndreyPopov/iStock/Getty Images Plus)

Die Zahl ist eindrücklich. In den letzten 10 Jahren haben die aktiven Versicherten der Schweizer Pensionskassen die Rentner mit rund 90 Milliarden Franken subventioniert. Auf diese Summe kommt die Beratungsgesellschaft PPCmetrics im Auftrag der „Sonntagszeitung“. Dies ist die Konsequenz von zu hohen Umwandlungssätzen der Pensionskassen und tieferen Renditen aus der Kapitalanlage als ursprünglich angenommen.

Allerdings handelt es sich bei dieser Zahl um eine Schätzung. Dies gilt auch für die 33,5 Milliarden Euro, die von der staatlichen Oberaufsichtskommission OAK für die letzten 5 Jahre als Umverteilung ausgewiesen werden. Im Durchschnitt sind es hier 6,7 Milliarden Franken pro Jahr und damit deutlich weniger als die durchschnittlich 9 Milliarden Franken aus der PPCmetrics-Berechnung.

Die Folgen der Finanzkrise

Die Vorsorgeberater von PPCmetrics begründen die Differenz mit den schwierigen Jahren nach der Finanzkrise 2008. In Folge davon mussten die Pensionskassen mit ihren Erträgen während mehrerer Jahre erst Unterdeckungen ausgleichen und Schwankungsreserven wiederaufbauen. Das ging auf Kosten der Erwerbstätigen, deren Alterskapital tiefer verzinst wurde. Die Umverteilung lag demnach für die Jahre 2009 bis 2013 bei rund 12 Milliarden Franken pro Jahr.

So lange die Umwandlungssätze nicht die demografische Realität und die Marktrenditen widerspiegeln, bleibt der Druck auf den Pensionskassen hoch. Laut den Erhebungen der OAK verfolgen 53 Prozent der Schweizer Pensionskassen eine Anlagestrategie mit hohem Risiko. Was zusätzlich Sprengkraft birgt: Geht die Strategie nicht auf, bezahlen dafür in erster Linie die Erwerbstätigen. Sie bekommen weniger Zins und müssen notfalls mithelfen, ihre Kasse zu sanieren.

 

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