05.07.2019 | Von Michael Lennert

„Die Nutzung unseres Datenschatzes ist ein neues Produkt “

Thies Clemenz, Deutschland-Chef bei CACEIS, sprach mit Michael Lennert über Real Assets, Konsolidierung, den Brexit-Folgen und den Chancen von Asset Services.

Institutionelle Investoren setzen im Niedrigzinsumfeld auf Real Assets. Gut für Ihre Branche?

Thies Clemenz: Angebot und Nachfrage treffen sich hier auf sehr hohem Niveau. Es gibt weiterhin sehr viel Kapital, das in Real Assets fließt. Allerdings sehen wir nicht mehr so viele neue Immobilienfonds – schlicht und ergreifend, weil die Suche nach geeigneten Assets schwieriger wird. Fonds tun sich nicht mehr so leicht, geeignete Anlageobjekte zu finden. Der Trend geht zu größeren Investitionsobjekten. Im Wohnbereich sind dies Assets mit über 100 Wohneinheiten. Große Fonds können in solche Objekte investieren, kleinere tun sich da wegen der Klumpenrisiken im Portfolio schwerer.

Ihr Unternehmen kann alle Sachwerte abbilden?

Clemenz: Wir können als Verwahrstelle alle Sachwerte abbilden, das meiste sind Immobilien. Wir verwahren aber beispielsweise auch Fonds, die in Flugzeuge, Infrastruktur, erneuerbare Energien, Private Equity investieren. In der Sachwertewelt ist die Arbeit sehr manuell und stark dokumenten- sowie vertragslastig. Sie müssen die Asset-Klasse und die Beteiligungsstruktur verstehen, mit der die Asset-Klasse im Fonds dann abgebildet wird. Im Sachwertebereich erfolgt die Differenzierung weniger über die Automatisierung, sondern mehr über die Expertise der Mitarbeiter und über die Masse, die sie an Assets oder an Fonds in der Verwahrstelle haben. Durch die Masse haben Sie den Expertise-Schatz im Unternehmen und darüber erfolgt die Differenzierung am Markt.

Die Margen sind wohl in anderen Asset-Klassen größer.

Clemenz: Ja. Wir haben aber die kritische Masse und die Größe, dass es sich lohnt. Sie brauchen neben der Maschine natürlich auch die Mitarbeiter, gerade im Sachwertebereich. Sie müssen Verträge und Dokumente prüfen; das macht die Maschine nicht. Es ist aber wichtig in beide Faktoren zu investieren. Und Systeme im Sachwertebereich müssen über die reine Verwaltung hinausgehen. Ideal ist es, wenn Sie etwa anbieten, dass Projektentwickler oder Projektverwalter sich direkt an die Systeme anschließen können. So lassen sich Daten direkt zwischen Verwahrstelle und Projektverwaltern austauschen.

Was bringt die Digitalisierung in der Sachwertewelt?

Clemenz: Wir bauen unser System weiter aus und digitalisieren manuelle Vorgänge, soweit das geht. Wir haben den Rechnungs-Flow in der Fondsadministration automatisiert. Wir geben den Anlegern oder den KVGen die Wahlmöglichkeit zwischen Modell 1 und Modell 2 nach dem Verwahrstellenrundschreiben, also Buchhaltung nach der Saldenmethode oder detaillierte Mitführung der Buchhaltung. Unsere Kunden möchten hier wählen. Die Automatisierung wird aber nicht so weit gehen wie im Wertpapierbereich.

Was beschäftigt institutionelle Investoren zurzeit besonders?

Clemenz: Ein zentrales Thema ist die Regulierung. Die Prozesse im Rahmen der paneuropäischen Settlement- Plattform Target 2 Securities (T2S) sind schon relativ komplex und durch die Implementierung der Strafzahlungsregime und der Buy-in-Regime wird es noch komplexer werden. Der Markt steht jetzt vor der Implementierung der technischen Anforderungen. Die Lösungen in diesem Bereich müssen zueinander passen. Wir sind da in Arbeitsgruppen aktiv und es stellen sich technische Fragen. Für unsere Kunden werden die Settlement-Prozesse komplizierter werden. Die Prozessanpassungen werden relativ umfangreich sein. So ist die Umsetzung der Zentralverwahrer-Verordnung zwar erst für den September 2020 vorgesehen, dennoch beschäftigen wir uns damit bereits seit einiger Zeit sehr intensiv.

Die Regulierung ist ein Treiber für Ihr Geschäft?

Clemenz: Die Kunden suchen Unterstützung in diesen Prozessen und dies schafft Business Opportunities für uns. Wir bieten Unterstützung an, wir informieren die Kunden über Anforderungen. Ab September 2020 wollen wir den Kunden hier an die Hand geben und beispielsweise Unterstützung bei der Umsetzung im Reporting anbieten.

Welche Folgen erwarten Sie vom Brexit?

Clemenz: Das Schöne ist, dass ich Ihnen dazu alles erzählen kann, weil es kein falsch und kein richtig gibt. Aber ernsthaft: Wir wissen alle nicht, wohin die Reise geht. Wir sind auf verschiedene Szenarien vorbereitet. Vermutlich werden Fondsstrukturen stärker nach Dublin oder nach Luxemburg gehen. Wir sind an beiden Standorten vertreten und können ein allfälliges Wachstum entsprechend aufnehmen. Im Transaktionsgeschäft sehen wir weniger starke Auswirkungen. UK wird nach einem Brexit ein Non-EU-Market sein, so wie es viele Non-EU-Markets gibt. Mit einem Custody-Verfahren, das dann eben Non-EU ist. Wir gehen davon aus, dass das relativ störungsfrei weiterlaufen wird.

Wir erleben eine Konsolidierung im Markt. Das gilt auch für Ihre Gruppe.

Clemenz: Was uns angeht, sind wir mitten drin in der Konsolidierung. Sowohl die Integration der Santander Securities Services wie auch der KAS Bank – wenn denn alles klappt wie vorgesehen -, sind Beispiele für eine Konsolidierung im Asset Servicing Markt. Wir werden damit wachsen. Die Akquisition der KAS Bank stärkt nicht nur unsere Marktposition in den Niederlanden: Auch in Deutschland gibt es Pensionsfondsgeschäft der KAS Bank, was uns hier helfen wird. Santander Securities Services ist noch mal eine andere Größenordnung und wird die Marktabdeckung der CACEIS Bank erhöhen. Einmal in Europa, aber dann auch in den außereuropäischen Standorten von Santander, also Südamerika beispielsweise.

Wo wollen Sie mittelfristig hin?

Clemenz: Wir wollen führender Post Trade Services oder Asset Services Anbieter in Europa sein. Das ist das Ziel.

Wo investieren Sie ins eigene Geschäft?

Clemenz: Ein Schwerpunkt ist die Digitalisierung. Es gibt Projekte zu Blockchain und Robotics. Wir setzen Chatbots ein und wollen durch den Einsatz künstlicher Intelligenz die Mitarbeiter von Routineaufgaben entlasten. Blockchain könnte möglicherweise eine Art Fly-over werden zwischen Altsystemen, und hier investieren wir gezielt. Ansonsten fließt viel Geld in die Umsetzung der regulatorischen Anforderungen. Das ist sehr investitionsaufwendig. Und das ist auch ein Grund, warum gerade im Immobilienbereich KVGen zunehmend die Administration outsourcen.

Welche weiteren Trends sehen Sie?

Clemenz: Wo entwickelt sich die Welt hin? Nehmen wir den Asset-Bereich. Dort haben letztes Jahr um diese Zeit viele von der Zinsnormalisierung gesprochen. Dann kam der Einbruch an den Wertpapiermärkten und plötzlich war die Zinsnormalisierung kein Thema mehr. Sie werden jetzt kaum mehr einen Analysten finden, der von steigenden Zinsen spricht. Die Marktmeinung ist jetzt, wir werden eine lange Zeit sehr niedriger Zinsen haben, getrieben durch die Demografie. Dies könnte die Zukunft bestimmen im Investitionsbereich. Das heißt, der Trend zu Sachwerten wird bleiben.

Gibt es auch bei Ihren Dienstleistungen einen Trend?

Clemenz: Wertpapierdienstleistungen, insbesondere das klassische Custody, sind mittlerweile ein Commodity. Die Entwicklung hin zu Commodities ist abgeschlossen. Jetzt entwickeln wir uns gerade im Bereich Custody zu einer Welt, in der es zu Utilities geht. Utilities, da denke ich an Stromanbieter, sehr geringe Preise, sehr geringe Margen, riesengroße Mengen, die abgesetzt werden – Strom, Wasser sind Utilities. Custody ist inzwischen auch ein Utility. Da können Sie sich eigentlich nicht mehr differenzieren. Da können Sie auch im Preis kaum mehr differenzieren. Wir verhandeln um Bruchteile von Basispunkten.

Was heisst das für Ihr Geschäftsmodell?

Clemenz: Asset Servicing Anbieter müssen sich überlegen, wovon lebe ich in zehn Jahren noch. Mit Custody alleine vielleicht nicht mehr. Aber ein Custody-Anbieter hat gleichzeitig riesige Datenmengen zur Verfügung. Die Nutzung dieses Datenschatzes ist ein neues Produkt, das nun entsteht und dem Kunden anonymisiert angeboten werden kann.

Das ist dann wie bei Facebook?

Clemenz: Das ist zu kurz gegriffen. Der Kunde hat ein Portfolio und ich habe noch 5.000 andere Portfolios in meinem Bestand. Das heißt, die Daten der 5.000 Portfolios kann ich übereinanderlegen und dem Kunden anonymisiert Vergleichsdaten zur Verfügung stellen. Er sieht dann, wie andere performen. Wie ist die Asset-Struktur in Immobilien-Portfolios? Für uns gibt es ein Wertpotenzial, das gehoben werden kann. Wir entwickeln uns von einem reinen Finanzdienstleister hin zu einem Datenanbieter.

Besten Dank für das Gespräch.

Artikel teilen