22.11.2019 | Von Antje Schiffler

Stimmung unter Schweizer Asset Managern trübt sich ein

Die Aussichten für die Schweizer Asset-Management-Branche haben sich gegenüber dem ersten Halbjahr 2019 eingetrübt. Das geht aus halbjährlichen Umfrage der Asset Management Plattform Schweiz hervor.

Bildquelle: MicrovOne/iStock/GettyImagesPlus

Die in der Schweiz ansässigen Asset-Management-Unternehmen schätzen die Aussichten für die Schweizer Wirtschaft und die Finanzmärkte zwar weiterhin positiv ein. Die Risiken werden allerdings als höher eingeschätzt als bei der vorigen Umfrage im Frühjahr, so das Fazit des “Swiss Asset Managers‘ Survey” im zweiten Halbjahr 2019.

Mehr als die Hälfte der befragten Spezialisten stufen die geopolitischen Unsicherheiten als hoch ein. Das ist beinahe doppelt so viele wie vor 6 Monaten. Als größte Risiken für die Schweizer Wirtschaft werden gesehen:

  1. Der globale Konjunkturabschwung (43,6 Prozent)
  2. Der starke Schweizer Franken (23 Prozent gegenüber nur 7 Prozent
    vor 6 Monaten)
  3. Politische Entscheidungen in der Schweiz (12,8 Prozent)
  4. Globale geopolitische Risiken und geldpolitische Fehlentscheidungen durch Zentralbanken (jeweils 10,3 Prozent)

Alternative Anlagen bleiben gefragt

Der Trend zu alternativen Anlagen wie Private Equity, Private Debt, Infrastruktur, Hedgefonds, Rohstoffe und Insurance Linked Securities hält an. So planen über 60 Prozent der befragten Experten in den nächsten sechs Monaten eine Erhöhung ihrer Allokation in alternative Anlagen. Auch Aktien erfreuen sich weiterhin großer Beliebtheit: über die Hälfte der Teilnehmer planen eine Erhöhung der Aktienquote. Dagegen herrscht bei zinssensitiven Anlageklassen Zurückhaltung: nur rund jeder Zehnte plant eine Erhöhung der Obligationen-, Immobilien- oder Bargeld-Quote.

Als wichtigste Voraussetzung für den Erfolg sehen die Asset Manager die Performance ihrer Produkte, gefolgt von der Verfügbarkeit hochqualifizierter Arbeitskräfte. Weniger wichtig scheint dagegen der uneingeschränkte Zugang zum EU-Markt zu sein. Offenbar haben viele der befragten Asset Manager Wege gefunden, um an EU-Kunden zu gelangen oder konzentrieren sich auf andere Märkte.

Positive Entwicklung für Aktienmarkt

Weiterhin positiv werden die Aussichten für den Schweizer Aktienmarkt eingeschätzt. 95 Prozent aller Befragten erwarten eine positive Rendite über die nächsten 12 Monate. Als Treiber dieser Entwicklung werden die lockere Geldpolitik und ein trotz steigender Unsicherheiten positives wirtschaftliches Umfeld gesehen.

Eine starke Verschiebung im Vergleich zum SAM Survey im Frühjahr hat sich bei der Zinseinschätzung ergeben: so gehen aktuell rund 40 Prozent der Umfrageteilnehmer davon aus, dass die langfristigen Zinsen in der
Schweiz weiter fallen werden. Im Frühjahr lag dieser Wert noch bei
10 Prozent. Auch die Stärke des Schweizer Frankens dürfte gemäß den
Experten anhalten. Am ehesten trauen die Umfrageteilnehmer dem
Britischen Pfund ein Erstarken gegenüber dem Schweizer Franken
zu.

25 Prozent des Vermögens nach ESG-Kriterien investiert

Die nach nachhaltigen Kriterien verwalteten Vermögen haben im Vergleich zur Frühjahrsstudie stark zugenommen. So ist bereits bei der Hälfte der befragten Asset Manager mehr als 25 Prozent aller Vermögen nach ESG-Standards investiert. Als wichtigster Treiber für das Wachstum im Bereich nachhaltiger Anlagen wird weiterhin die Kundennachfrage gesehen, wobei gleichzeitig der regulatorische Druck zu steigen scheint.

Als größte Hindernisse für einen noch größeren Erfolg der nachhaltigen Produkte werden teilweise mangelnde Transparenz und ein zu kurzer Leistungsausweis gesehen. Schließlich schätzen über drei Viertel der befragten Experten die Rolle und die Verantwortung der Asset Manager beim Kampf gegen den Klimawandel als wichtig oder sehr wichtig ein.

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