09.11.2018 | Von INA LOCKHART

Spannend, 28 Alpha- Maschinen kennenzulernen“

Unter der Leitung von Sebastian Römer macht Natixis in Deutschland einen Neustart. Der 39-Jährige erzählt Ina Lockhart, wie er von der Vielfalt der 28 Investment-Boutiquen der Gruppe profitieren will.

Vor zwei Jahren kam Oliver Bilal von der UBS zu Natixis Investment Managers als Leiter für den internationalen Vertrieb und das Marketing. Seit Juni sind Sie, Herr Römer, an Bord, um die institutionellen Kunden in Zentral- und Osteuropa zu betreuen. Wie genau ändert sich die Präsenz von Natixis in Deutschland?

Wir gehen unter meiner Führung mit einer neuen Mannschaft an den Start. Im Whole­sale-Vertrieb haben wir ein starkes Team aus vier erfahrenen Vertriebskollegen. Für den institutionellen Vertrieb werden wir bis Ende des Jahres zusammen mit mir ein Vierer-Team bilden: Julia Reher, seit April dabei und früher bei Pioneer Investments, Lukas Neubauer, ehemals Pimco und bei uns seit Oktober, und eine dritte Person, die zum Ende des Jahres anfangen und unter anderem die Kunden in der Schweiz betreuen soll. Diese Teams werden durch vier Support-Kräfte unterstützt.

Und wie sind die Zuständigkeiten zwischen Frau Reher und Herrn Neubauer aufgeteilt?
Frau Reher konzentriert sich auf die Unternehmenskunden in Deutschland und Österreich. Herr Neubauer betreut die Versicherer.

Derzeit hat Natixis nur ein Büro in Frankfurt, Sie selbst und auch Frau Reher sind aber eher in München beheimatet. Wird sich am Büro­standort etwas ändern?
Natixis wird zum 1. November ein weiteres Büro in München eröffnen. Frankfurt und München sind einfach zwei Städte, in denen man sowohl nah an den Kunden ist als auch gut Fachkräfte findet. Außerdem wird so möglich, dass mein Team mit einer Real-Estate-Expertin der Natixis-Tochter AEW eng zusammenarbeiten kann. Zusammen mit Zürich sind wir dann an drei Standorten präsent.

Sie sind Leiter für Zentral- und Osteuropa. Das ist ein großer Markt. Wo setzen Sie regionale Prioritäten?
Unser Fokus liegt auf Deutschland mit 60 Prozent Marktanteil und der Schweiz mit 25 Prozent. Österreich und die restlichen europäischen Länder werden wir eher opportunistisch betreuen.

Seit wann ist Natixis – 2006 aus der Fusion des Asset-Management- und Investmentbanking-Geschäfts der französischen Volksbanken und Sparkassen entstanden – im deutschen Markt präsent?
Die Wurzeln reichen 20 Jahre zurück. Anfang 2018 verwaltete Natixis in meinem Verantwortungsbereich 4,2 Milliarden Euro, davon rund 3 Milliarden Euro – also mehr als zwei Drittel – an institutionellen Kundengeldern. Dieses institutionelle Geschäft stellen wir nun neu auf, um den Markt besser zu durchdringen. Schließlich gehört Natixis mit 846 Milliarden Euro an betreutem Vermögen zu den 15 größten Asset Managern weltweit: 40 Prozent davon in den USA, weitere 40 Prozent in Frankreich und 20 Prozent verteilt auf das restliche Europa, Asien und den Nahen Osten.

Wie sah die Aufstellung in Deutschland vor der neuen Strategie aus?
In Frankfurt gab es drei oder vier Mitarbeiter, die den Fokus auf Family Offices, Kirchen und einige Unternehmen gelegt hatten. Dieser Fokus spiegelte vielleicht nicht ganz die Breite des Marktes wider. Mit dem aktuellen Teamprofil können wir glaubwürdig sicherstellen, dass wir den Kundenanforderungen mit Blick auf Anlageverordnung und KVG-Strukturen gerecht werden.

Sie waren vorher sieben Jahre beim amerikanischen Anleihespezialisten Pimco. Wieso sind Sie zu Natixis gewechselt?
Weil ich jetzt für einen Anbieter arbeite, der im aktuellen Umfeld die richtigen Produkte hat: Alternatives und Absolute-Return-Strategien gehören zu den Stärken von Natixis. Außerdem können wir eine gute Performance vorweisen. Fast zwei Drittel der von uns verwalteten Assets zeigen über fünf Jahre eine Performance im ersten Quartil des jeweiligen Morningstar-Rankings – über ein Drittel sogar in den ersten zehn Prozent. Zudem fand ich die Aufgabe spannend, ein Büro aufzubauen und eine Marke zu stärken, deren Bekanntheit in Deutschland weit hinter ihrer Bedeutung weltweit zurückliegt. Ich finde es intellektuell spannend, 28 verschiedene Alpha-Maschinen kennenzulernen.

Damit spielen Sie darauf an, dass Natixis aus 28 spezialisierten Investmentmanagern besteht. Wie gut kennen Sie und Frau Reher diese Spezialisten? Wie sieht deren Struktur aus?
Bei Natixis Investment Managers konzentrieren sich die unterschiedlichen Asset Manager auf spezielle Anlagestile, in denen sie über eine nachgewiesene Kompetenz verfügen. Die für unseren Markt wichtigsten Boutiquen haben wir bereits kennengelernt. Frau Reher und ich haben die verschiedenen Asset Manager in Chicago, Boston, London und Paris besucht, um deren Ansatz, Team und Produkte besser zu verstehen. Das Besondere an der „Affiliate“- Struktur von Natixis ist, dass jeder einzelne Investmentmanager trotz Konzernzugehörigkeit Entrepreneur bleibt – und das Management oftmals noch sehr signifikante Anteile an den jeweiligen Boutiquen hält.

Welche Ziele wurden Ihnen mit auf den Weg gegeben?
Für mich gibt es keine quantitativen Ziele. Natürlich wird Wachstum erwartet. In den vergangenen drei Monaten sind die Assets in Deutschland von 4,2 Milliarden Euro auf 4,7 Milliarden Euro angewachsen. Dieses Wachstum von gut zehn Prozent lässt sich natürlich nicht fortschreiben. Für mich persönlich wäre ein Erfolgssignal, wenn wir in illiquiden Alternatives ein wichtiges Standbein in Deutschland aufbauen würden. Derzeit sind bei uns dort rund zehn institutionelle Investoren aktiv – weitgehend mit kleineren Tickets von 10 bis 30 Millionen Euro.

Sie sprachen von drei sehr starken Monaten. Welche Kunden haben Sie gewinnen können?
Unsere Neukunden sind Pensionsfonds von Unternehmen, Versorgungswerke und Versicherungsunternehmen. Die drei größten Neukunden haben über 100 Millionen Euro investiert, einer von ihnen sogar mehrere 100 Millionen Euro. Fixed Income und liquide Alternatives standen hier im Fokus. Die Kunden kamen auf uns zu, weil sie einige unserer Investmentmanager mit ihren Strategien interessant fanden. Beispielsweise DNCA und Mirova. Die Investoren suchen Strategien, um ihr Portfolio für steigende Zinsen wetterfest zu machen und nachhaltig auszurichten.

Warum ist DNCA interessant für deutsche Investoren?
DNCA ist eine französische Investmentgesellschaft mit 25 Milliarden Euro unter Management, die für den deutschen Markt vor allem eine interessante Absolute-Return-Strategie für Anleihen anbietet. Hinter „DNCA Invest Alpha Bonds“ steht ein Team, das bereits seit 17 Jahren zusammenarbeitet. Seit Dezember 2017 für Natixis, vorher für den französischen Konkurrenten La Française Group. Dieses Jahr erzielte das Team eine Performance von bislang 2,0 Prozent nach Kosten, was angesichts des schwierigen Umfelds sehr gut ist. Die Zielrendite liegt bei 2,5 über Eonia.

Wie genau sieht die Strategie aus?
Primär ist sie derzeit in Staatsanleihen, also in einem hochliquiden Markt, investiert. Prinzipiell kann sie bis zu einer Quote von 40 Prozent Unternehmensanleihen kaufen. Auch Währungen sind erlaubt. Die Mehrrendite, das Alpha, generiert sie über Durationssteuerung mit einer Kennziffer von –3 bis +7. Sie kombiniert einen qualitativen – Bewertung des Makro-Umfeldes – mit einem quantitativen Ansatz zur Beurteilung der Bewertung der einzelnen Anleihe. Beispielsweise war die Strategie Anfang 2018 signifikant in Italien investiert. Anfang Mai ist das Team aufgrund einer verschlechterten qualitativen Einschätzung des politischen Umfeldes aus Italien herausgegangen, noch bevor es zu einer Ausweitung der Spreads kam.

Und worauf hat sich Mirova spezialisiert?
Dieser Investment-Spezialist ist auf Nachhaltigkeit fokussiert. Mirova investiert entlang von Umwelt- und Governance-Themen sowie sozialen Aspekten mit dem Ziel, positive Veränderungen zu bewirken und gleichzeitig Überrenditen zu erzielen. In 2012 wurde Mirova ausgegründet und verwaltet derzeit etwa 10 Milliarden Euro, davon 4,8 Milliarden in Aktien, 2,9 Milliarden in Infrastruktur und 1,9 Milliarden in Anleihen.

Normalerweise raten Sie anderen, wie sie ihr Vermögen anlegen sollen. Wie sieht denn Ihr persönliches Portfolio aus?
Ich habe mein Vermögen stark und breit in Aktien investiert. Ungefähr eine Quote von 75 Prozent. Vornehmlich in Europa und den USA, ein wenig auch in Asien. Außerdem habe ich brasilianische Staatsanleihen in Lokalwährung im Portfolio, welche teilweise noch zweistellige Kupons aufweisen. Darüber hinaus lege ich ungefähr zehn Prozent meines Vermögens in Start-ups an. Über mein Harvard-Netzwerk finanziere ich Geschäftsideen von Gründern. Cash macht bei mir zehn Prozent aus, Gold fünf Prozent. ●

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