12.12.2019 | Von Antje Schiffler

Private Assets bei institutionellen Anlegern immer beliebter

Laut der “Schroders Institutional Investor Study 2019“ setzen institutionelle Investoren in wachsendem Maße auf nicht börsengehandelte Vermögenswerte.

Bildquelle: alfexe/iStock/GettyImagesPlus

Politische Ereignisse rücken als Quelle von Sorgen immer mehr in den Vordergrund, zeigt die Studie, für die weltweit 650 institutionelle Investoren mit einem verwalteten Gesamtvermögen von rund 25,4 Billionen US-Dollar befragt wurden. So sagte mehr als die Hälfte der Investoren (52 Prozent), dass sich die Politik und weltweit bedeutsame Ereignisse wie der Brexit und die derzeitigen Handelskonflikte in den nächsten 12 Monaten auf die Wertentwicklung von Anlageportfolios auswirken dürften. Das ist eine deutliche Zunahme gegenüber den Jahren 2017 und 2018, in denen 32 Prozent beziehungsweise 44 Prozent der Anleger diese Auffassung vertraten.

Mehr als ein Drittel der Investoren (37 Prozent) nannte zudem eine Verlangsamung der Weltwirtschaft als ihre größte Sorge – verglichen mit 27 Prozent vor einem Jahr. Diese Umfrageergebnisse reflektieren möglicherweise die immer spürbareren Auswirkungen geopolitischer Spannungen sowie politischer Ereignisse Handelskonflikte und Brexit auf die globale Wirtschaft, heißt es. In den Jahren davor herrschte offenbar noch Hoffnung, dass diese Konflikte schnell gelöst werden könnten.

Welchen Einfluss auf die Entwicklung Ihres Portfolios dürften Ihrer Einschätzung nach die genannten Faktoren in den kommenden 12 Monaten haben?

 

2017 2018 2019
Schwellenländerrisiken 22 % 22 % 24 %
Straffung der Geldpolitik 54 % 46 % 44 %
Starkes Wirtschaftswachstum 40 % 35 % 34 %
Regulierung 36 % 34 % 24 %
Währungsrisiko 28 % 25 % 22 %
Ölpreis 22 % 19 % 15 %
Cyber-Angriffe 17 % 14 % 10 %

Private Assets im Fokus

Für die zukünftigen Renditeerwartungen der Investoren spielt ihre fortgesetzte Ausrichtung auf Private Assets eine wichtige Rolle. Mehr als jeder Zweite (52 Prozent) plant, den Anteil solcher Vermögenswerte in seinem Portfolio in den nächsten drei Jahren zu erhöhen. Insbesondere bieten Private Assets aus Investorensicht die Möglichkeit, sowohl höhere Renditen zu erzielen als auch Portfolios breiter zu diversifizieren.

Innerhalb der Anlageklasse Private Assets ist es Private Equity, von dem sich die Investoren die höchsten Renditen erhoffen: 69 Prozent der Anleger erwarten hieraus Renditen von über fünf Prozent. Entsprechend planen von denjenigen globalen Institutionen, die Private Assets aufstocken wollen, 37 Prozent, den Portfolio-Anteil von Private Equity zu erhöhen. Mit erheblichem Abstand folgen Private Debt, Infrastruktur-Aktieninvestments sowie Immobilien.

Als größte Herausforderung bezeichnen die Investoren die Kosten und die Komplexität von Anlagen in Private Assets. Außerdem sorgen hohe Bewertungen bei Investments in die Anlageklasse für Bedenken.

„Institutionelle Investoren sind sich zunehmend bewusst, dass sie angesichts ihrer langfristigen Verpflichtungen einen größeren Anteil illiquider Vermögenswerte in ihren Portfolios allokieren sollten. Deshalb zielen sie zunehmend darauf ab, Illiquiditätsprämien zu vereinnahmen und gleichzeitig ihre Portfolios breiter zu diversifizieren.”

Georg Wunderlin, Global Head of Private Assets bei Schroders

Gesamtrenditeerwartungen

Trotz der gesamtwirtschaftlichen Herausforderungen haben sich die Renditeerwartungen der Investoren in den vergangenen 12 Monaten kaum verändert. Weltweit rechnet die Mehrheit der Investoren (57 Prozent) in den nächsten fünf Jahren mit jährlichen Renditen zwischen fünf und neun Prozent. Vor einem Jahr hatten 60 Prozent der Anleger Renditen in dieser Größenordnung erwartet.

Geographisch betrachtet ist die Kluft zwischen einem optimistischen Nordamerika einerseits und zurückhaltenderen Investoren in Europa andererseits deutlich größer geworden: Mehr als drei Viertel (77 Prozent) der Anleger in Nordamerika rechnen mit Renditen zwischen fünf und neun Prozent – verglichen mit lediglich 42 Prozent in Europa.

Interesse an Schwellenländer schrumpft

In puncto einzelne Anlageklassen hat das Interesse institutioneller Investoren an den Schwellenländern nachgelassen. Ihr durchschnittlicher Portfolio-Anteil ist von 15 Prozent in 2017 auf 10 Prozent in diesem Jahr zurückgegangen. Und für die nächsten 12 Monate wird für diese Anlageregion ein weiterer Rückgang auf neun Prozent erwartet.

Fast ein Drittel der Investoren (29 Prozent) hält seine Investments zwischen drei und fünf Jahren, und lediglich 10 Prozent tun dies über einen gesamten Zyklus hinweg. Demgegenüber verwies mehr als die Hälfte der Investoren (53 Prozent) auf einen größeren Bedarf an maßgeschneiderten Produkten, weil Fonds „von der Stange“ den finanziellen Zielen ihres Unternehmens oder ihrer Organisation nicht gerecht werden.

Befragt wurden im Mai 2019 rund 650 Institutionen wie Pensionskassen, Versicherungsgesellschaften, Staatsfonds und Stiftungen, die zusammen ein Vermögen von rund 25,4 Billionen US-Dollar verwalten. Geographisch verteilen sich die 650 teilnehmenden institutionellen Investoren wie folgt: 175 in Nordamerika, 250 in Europa, 175 in Asien und 50 in Lateinamerika. Insgesamt stammen sie aus 20 Märkten aus allen Teilen der Welt.

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