23.07.2019 | Von Bernhard Raos

100 Milliarden in die Zinszusatzreserve

Das Umfeld für die Assekuranz bleibt trotz der neu eingeführten Korridormethode sehr anspruchsvoll.

Bildquelle: maxsattana/iStock/GettyImagesPlus

Das Bild vom Strohhalm, an den sich alle klammern, gilt für den aktuellen Marktausblick zur Versicherungswirtschaft der Rating-Agentur Assekurata. Demnach sind die Branchenaussichten leicht aufgehellt – dank hohen Solvenzquoten, solidem Neugeschäft und vor allem wegen der neuen Modalitäten für die Zinszusatzreserve (ZZR).

Um ihre Garantieversprechen einzuhalten, haben Lebensversicherer seit 2011 bereits rund 65 Milliarden Euro der ZZR zugeführt. So konnten die Unternehmen die durchschnittliche Garantiezinsanforderung von nominell 2,75 Prozent auf effektiv 1,9 Prozent senken. Die Assekurata spricht hier von einem Kraftakt, mussten doch festverzinsliche Kapitalanlagen von etwa 350 Milliarden Euro veräussert werden, um die ZZR aufzubauen. Schwer wiege der Umstand, dass das Geld nur zu 1,5 bis 2 Prozent neu angelegt werden konnte.

Ein Drittel weniger bis 2024

Etwas Luft und mehr Planungssicherheit bringt die sogenannte Korridormethoden, die seit letztem Oktober bei der ZZR gilt. Trotzdem werden die meisten Versicherer weitere Mittel der ZZR zuführen müssen. Allerdings um ein Drittel weniger als nach der bisherigen Methode. Die Assekurata berechnet den Zielwert bis 2024 auf knapp 100 Milliarden Euro. Ohne Korridormethode wären 150 Milliarden Euro für die ZZR nötig gewesen.

Zwischen den Lebensversicherern gibt es aber grosse Unterschiede. Anbieter mit hohen „Altbeständen“ zu Rechnungszinsen von 3,5 bis 4 Prozent haben ihren ZZR-Bedarf meist ausfinanziert, während Wettbewerber mit grossem Neugeschäftsvolumen nach der Jahrtausendwende wegen der langen Laufzeiten häufig noch beträchtliche Mittel für die ZZR benötigen. Weil das Zinsniveau voraussichtlich länger tief bleibt, bleibt die Garantiefinanzierung für die Assekuranz herausfordernd.

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