Französische Privatbank sieht Potenzial in Emerging Markets. Gold wird wichtiger als Sicherheit. US-Rezession fällt wohl schwächer aus als erwartet.

Die Société Générale stellte kürzlich in Persona von Global Chief Economist Klaus Baader und Alain Bokobza, Head of Global Asset Allocation, ihre makroökonomischen Zukunftsprognosen und Einschätzungen der letztzeitigen Entwicklungen an den Asset-Märkten vor. Sie zeigten unter anderem auf, weswegen sie auch hinsichtlich der Inflations- und Zinspolitik optimistisch bleiben, aber auch, dass langfristig große Herausforderungen auf Anleger und die Zentralbanken zukommen.

Die Lage sei „längst nicht so schlecht, wie sie die Leute erwartet haben“, stellte Baader seiner makroökonomischen Vorstellung voran. Im letzten Quartal des vergangenen Jahres habe es in Europa zwar ein Wachstum von null Prozent gegeben, doch eine anhaltende Rezession sei ebenso ausgeblieben. Gründe hierfür sei insbesondere die Normalisierung auf den Energiemärkten, auf denen wieder Preise auf Vorkriegsniveau realisiert wurden sowie der milde Winter. So sei man bei Société Générale der Auffassung, dass die Spitze der Inflation bereits hinter uns liege, weil treibende Faktoren, sogenannte „upstream prices“ zurück gehen.

Auch mit Blick auf die USA sieht Baader die Möglichkeit einer Rezession im laufenden Jahr zwar für möglich, wahrscheinlicher sei sie jedoch mit Anfang 2024. Mit Blick auf den steigenden US-amerikanischen Konsum, die weiter fallenden Arbeitslosenzahlen und des schrumpfenden Verhältnisses von freien Arbeitsstellen zu Arbeitslosen, kommt die Société Générale zu dem Schluss, dass das Ausmaß der Angst vor einer US-amerikanischen Rezession übertrieben oder zumindest verfrüht sei.

Das Rätsel um die schrumpfende Arbeitsproduktivität

Was den Global Chief Economist der Franzosen indessen umtreibt, ist die Frage, weshalb  die Arbeitsproduktivität nicht in dem Maße zu alter Stärke zurückgefunden habe, wie es andere makroökonomischen Größen nach der Coronakrise getan hätten. Für ihn stellt sich weniger die Frage nach den Arbeitskräften, sondern viel mehr die Frage „Wo ist die Arbeitsproduktivität hin?“. Zwar verstehe er, dass immer mehr Babyboomer in Rente gingen und die Einarbeitung neuer Arbeitskräfte zunächst Produktivität koste, doch sieht Baader eine andere Erklärung: Der durch die Pandemie verstärkte Trend zum Homeoffice habe viele Menschen faul werden lassen. Das Phänomen des „Quiet Quitting“ sei seiner Ansicht nach eine Konsequenz daraus.

Bezüglich der Geldpolitik stellt sich die Société Générale für das laufende Jahr auf einen FED-Zins zwischen 5,0 Prozent bis 5,25 Prozent ein. Ebenso rechnet Baader für die nächsten drei bis fünf Jahre mit einer erhöhten Kerninflation, infolgedessen er das Vorhaben der EZB, an einem immer geltenden Inflationsziel von zwei Prozent festzuhalten, als „meschugge“ bezeichnete. Gerade in der Covid-Krise habe sich gezeigt, dass der Einfluss der Geldpolitik begrenzt sei. Viel mehr Einfluss auf die Makroökonomischen Gegebenheiten habe hingegen die Fiskalpolitik.

Auch Alain Bokobza hält das langfristige Festhalten am Zwei-Prozent-Ziel für unrealistisch. Der Head of Global Asset Allocation näherte sich dem Thema jedoch aus Sicht der sogenannten „Greenflation“, also dem Umstand, dass eine Umstellung auf eine nachhaltige und dekarbonisierte Wirtschaft zwangsläufig mit Preissteigerungen einhergehen wird.

Bonds und Emerging Markets im Fokus der Investitionen

In Betrachtung der konkreten Asset Allocation erkennt Société Générale ein Comeback von Investitionen in Bonds und Emerging Markets. „The strongest countries have been emerging countries“, so der Head of Global Asset Allocation. Diese Märkte und ihre Zentralbanken hätten nämlich recht früh weniger Wachstum akzeptiert und dafür schneller ihre Zins- und Fiskalpolitik angepasst – anders als beispielsweise die EZB. So konnten im Gegensatz zu vielen Frontier- und Developed Countries ein drastischer Schuldenanstieg – gemessen am BIP – verhindert werden. Auch kommt Société Générale zu dem Schluss, dass viele Währungen aus den Emerging Markets, gemessen an den aktuellen realen Wechselkursen, unterbewertet seien.

Derzeit zeichneten sich die Märkte außerdem durch eine hohe Alarmbereitschaft gegenüber großen, systemischen Krisen aus. So steigen überall die Stressindikatoren, weswegen die Beliebtheit von Gold als Absicherung derzeit massiv steigt. Eine Auffassung, der sich auch viele Zentralbanken anschließen, die in großen Mengen Gold einkaufen. „We don’t like Gold, we love it“, so Alain Bokobza. Derzeit fließen auch bei Société Générale 6 Prozent der Assets in das Edelmetall.  Bei den Staatsanleihen sehen die Pariser eine starke Präferenz für US-Treasuries und Britische Gilts. Aber insbesondere Credit Investments wachsen bei der Bank, da Société Générale in Erwartung einer lediglich mild ausfallenden Rezession mit einer früheren Abkehr der Fed von ihrer aktuellen Zinspolitik ausgeht.

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