Innovative Parkhauskonzepte können die nachhaltige Verkehrswende fördern, sagt Tilo Staudenmaier von AIF Capital.

Die europäischen Innenstädte durchleben einen strukturellen Wandel: Der Personenkraftwagen als Verkehrsmittel weicht immer mehr alternativen Mobilitätsmöglichkeiten. Fahrradwege, öffentlicher Nahverkehr und Fußwege erhalten zunehmend Priorität im Stadtbau. Vielerorts gibt es Überlegungen, den motorisierten Individualverkehr ganz aus den Innenstädten zu verbannen oder aber erheblich einzuschränken. Beispiele finden sich in Europas Metropolen von Madrid bis London, Paris und Stockholm – aber auch in Münster oder Köln.
Lademöglichkeiten für Elektroautos entstehen, und der Einzelhandel weicht nicht erst seit der Corona-Krise aus den Innenstädten zurück.

„Parkhäuser müssen sich von funktionalen Einbahnstraßen für PKW zu wandelbaren Mobilitätshubs entwickeln“, sagt Tilo Staudenmaier Senior Investment Manager bei der AIF Capital Group. „Wenn diese zugängig für langfristig orientierte institutionelle Investoren werden, sind wir einen ganzen Schritt weiter.“ Renditen zwischen 5 und 5.5 Prozent per Jahr seien möglich.

Laut Staudenmaier entfallen alleine 30 bis 40 Prozent des innerstädtischen Gesamtverkehrs auf den Parksuchverkehr. Rund 70 Prozent der 160 Millionen Stellplätze in Deutschland entfallen Zahlen des ADAC zufolge auf das „On-Street-Parking“. Das entspricht einer Fläche ungefähr sechsmal so groß wie die Stadt Stuttgart.

„Wie wir den Parkraum in unseren Städten gestalten, hat wesentlichen Einfluss auf die Lebens- und Umweltqualität“, so Staudenmaier. Dabei gehe das Potential weit über die reine Verknüpfung verschiedener Mobilitätsformen hinaus. Unter Berücksichtigung wirtschaftlicher, ökologischer und sozialer Aspekte könne das Parkhaus von einem „ästhetischen Ärgernis“ zu einem Baustein der Verkehrswende werden.

Durch begrünte Fassaden etwa kann die Feinstaubbelastung gesenkt und Kohlenstoffdioxid gebunden werden. Zudem können die Dachflächen als Spiel- oder Sportplatz genutzt werden. Photovoltaik-Anlagen liefern indes den Strom für die E-Mobilität. Durch digitale Technologien können freie Stellplätze ermittelt werden. Aber es gibt auch Modellversuche, die hierüber hinaus gehen. So könnten etwa frei Stellplätze an Logistikdienstleister vermietet werden.

Nachhaltige Parkhäuser investierbar machen

„Wir helfen privaten und kommunalen Trägern und Betreibern dabei, Bestands- und Neubauparkhäuser langfristig nachhaltig zu gestalten“, sagt Staudenmaier. Die AIF Capital Group betreut in ihrem Portfolio 22 Parkimmobilien mit einem Volumen von rund 240 Millionen Euro in Deutschland und im europäischen Ausland. Das Unternehmen akquiriert ausschließlich Objekte für regulierte institutionelle Investoren, die für den Mobilitätswandel in den Innenstädten relevant sind.

Gemeinsam mit Goldbeck baut AIF zurzeit ein Parkhaus am städtischen Klinikum in Braunschweig. Die oberirdischen Materialien des Parkhaussystems bestehen zu 90 Prozent aus leicht rückbaubaren Betonfertigteilen und Stahlprofilen. Auch die Fassadenelemente aus Aluminium und recyceltem Profilbauglas können recycelt werden. Auf dem Dach entstehen Wildbienen- und Insektenhabitate, die Fassaden sind begrünt, wie Staudenmaier erläutert.

Die AIF Capital Group ist als Immobilienmanager spezialisiert auf regulierte Alternative Investmentfonds für institutionelle Anleger. Das Unternehmen wurde 2006 in der Privatbank Ellwanger & Geiger gegründet und 2017 von Mario Caroli und Ralf Schlautmann übernommen. Die Gruppe beschäftigt derzeit 35 Mitarbeitende, verfügt über ein Eigenkapital von 5,6 Millionen Euro und verwaltet derzeit Assets (AUM) im Wert von rund einer Milliarde Euro. Goldbeck baut Gewerbeimmobilien in Europa. Zum Leistungsangebot gehören Logistik- und Industriehallen, Büro- und Schulgebäude, Parkhäuser und Wohngebäude.

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