Über den Ausbau der Asset-Klassen Immobilien, Infrastruktur, Private Equity und Private Debt im Portfolio dem Versorgungswerk spricht der Geschäftsführer für Kapitalanlagen Bernd Franken.

Die Nordrheinische Ärzteversorgung plant den Ausbau der illiquiden Assets. Aktuell beschränkt sich der Immobilien-Direktbestand bei dem Versorgungswerk auf die regionalen Märkte. Größte Blöcke im Immobilienportfolio sind Deutschland mit 38 Prozent und die Europa-Allokation mit 42 Prozent. Auf Nordamerika entfallen rund 14 und auf Asien per Ende 2020 rund 7 Prozent. Diese Märkte sollen ausgebaut werden: Die Zielallokation sieht für beide Regionen jeweils 15 Prozent vor – und zwar zu Lasten von Europa, wo der Bestand tendenziell abgebaut werden soll. Allerdings: Die Umsetzung ist nicht immer einfach, denn zunächst müssen die richtigen Investitionsmöglichkeiten gefunden werden, wie Franken betont. Vor allem in Asien – vergleichsweise neu im Portfolio der Düsseldorfer – knüpft sich das enthaltene Währungsrisiko an eine höhere Renditeerwartung.

„Wir haben uns mit anderen Investoren zusammengetan, die wir gut kennen, um enge Transaktionsgrößen erschließen zukönnen, beispielsweise über Club Deals“, so Franken. Darüber hinaus stehen Zwischenfinanzierungen in Form von Mezzanine auf der Einkaufsliste der Düsseldorfer.

Am Wohnimmobilienmarkt trennt sich die Spreu vom Weizen. Das voll entwickelte Wohn-Portfolio ist nach Einschätzung des Versorgungswerks nur noch selten attraktiv. Es gilt auch in diesem Segment, Zusatzrisiken zu nehmen, um mehr Ertrag zu generieren. Value Add, Projekte in der Entwicklungs- und Bauphase oder Forward Funding gehören zu den Möglichkeiten, die Risikoleiter hochzuklettern.

Zu Währungs-Hedges haben die Rheinländer eine klare Haltung. „Wenn man sehr lange Laufzeiten hält bei Währungssicherheit, kann es schnell passieren, dass man über zehn Jahre 20 oder 25 Prozent seiner Rendite abgeben muss“, so die Einschätzung von Franken. Bei langer Haltedauer kann die ungehedgte Variante seiner Meinung nach die Kosten bei überschaubarem Risiko senken. Schließlich schwanken Währungen in der langfristigen Betrachtung tendenziell um den Mittelwert, so die Überlegung.

Immobilien und ESG

Immer wichtiger auch im Immobilienbereich: das Thema Nachhaltigkeit. Gerade bei Neubauten sind entsprechende Zertifikate inzwischen ein Muss. Für deutsche Immobilien nehmen die Rheinländer die Deutsche Gesellschaft für nachhaltiges Bauen, DGNB, als Standard. „Neben den reinen Energiestandards rückt zurzeit die Luftqualität und damit die Aufenthaltsqualität in den Mittelpunkt – wegen Corona“, so die Beobachtung von Franken. „Auch hier werden wir in Zukunft sicherlich neue Standards einbauen müssen.“ Für globale Fonds etabliert sich die „Global ESG Benchmark for Real Assets“ (GRESB) immer mehr zum Marktstandard, so die weitere Beobachtung des Experten.

Um als klassischer Vermieter gewisse Benchmark-Zahlen in Sachen ESG und Energieeffizienz erheben zu können, ist oft die Mitwirkung der Mieter erforderlich. Insofern sollten Investoren diese Mitwirkung schon in Mietverträgen einfordern, rät Franken.

Infrastruktur mit Europa-Fokus

Noch sehr viel stärker ausgeprägt als bei Real Estate ist der Europa-Fokus im Infrastrukturportfolio der Düsseldorfer. 80 Prozent des Portfolios entfallen auf den alten Kontinent, knapp 15 Prozent auf Amerika und nur 4 Prozent auf Asien – was allerdings teils auch einem Umbau des Portfolios geschuldet ist. „Wir haben sehr starken Fokus auf Wind und überhaupt auf erneuerbare Energien in Europa gelegt“, erläutert Franken.

„Wir glauben, dass erneuerbare Energien – vor allem Wind-Onshore in Mitteleuropa – mittlerweile zu teuer geworden ist. Offshore-Projekte sind schon eher attraktiv, haben aber oft eine solch immense Größe, dass man nur über einen Fonds vernünftige Projekte finden kann“, teilt Franken seine Erfahrung.

Skandinavien ist nach Einschätzung der NÄV als Region sehr attraktiv. Schließlich ist Windenergie dort mittlerweile der klare Kostenführer aller Energieträger. Das heißt: Selbst wenn der Staat Subventionen oder Förderungen zurücknehmen sollte, ist Wind immer noch die effizienteste Technologie – der Anleger ist also vor Rückschlägen gefeit. Die NÄV investiert in Onshore-Windenergie in der Region. Bei weiterer Internationalisierung außerhalb Europas entstehen indes Risiken durch andere Rechtssysteme und Unsicherheiten bezüglich der Einspeiseregeln.

Infrastruktur und ESG: mal Klassenbester, mal Enfant terrible

Die Heterogenität der Anlageklasse Infrastruktur macht es nicht einfach, pauschale Aussagen in Sachen Nachhaltigkeit zu machen. Einerseits sind erneuerbare Energien sozusagen „die Inkarnation“ des Begriffes.

Aber wie sieht es beispielsweise mit Verkehrs-Infrastruktur aus? „Es ist ein erklärtes Ziel der EU, dass institutionelle Investoren die Erneuerung der Verkehrs-Infrastruktur mitfinanzieren. Aktuell ist es aber so, dass Verkehr allgemein und besonders Straßenverkehr ökologisch zunehmend in die Kritik gerät“, gibt Franken zu bedenken. Weitere Beispiele sind Flughafen-Infrastruktur, das US-Gaspipelinenetz oder Hafenanlagen für Gas-Terminals, die allesamt in Sachen CO2 schlecht dastehen.

Langfristig gibt es das Problem, dass Anlagen über die Laufzeit „in Verruf“ geraten können – in den Augen von Franken bei dieser Anlageklasse ein immenses Problem. Eine Teillösung: Breite Diversifikation. „Aber ich glaube, wir müssen uns dennoch ernsthaft damit auseinandersetzen, wie wir in Zukunft mit diesen sich verändernden Werten bei Infrastrukturinvestments während der Laufzeit umgehen“, so Franken.

Private Equity: kontinuierlicher Ausbau

Das Private-Equity-Portfolio hat das Versorgungswerk in den vergangenen Jahren über verschiedene Managed Accounts kontinuierlich ausgebaut. Allerdings: Der Net Asset Value ist nicht ganz so leicht vorherzusagen, wie Franken zu bedenken gibt. Ein Over-Commitment ist immer notwendig, um letztlich die avisierte Summe investieren zu können. Anbieterseitig nimmt Franken eine zunehmende Konkurrenz wahr: So stehen Primärfonds-Initiatoren im Wettbewerb zu Direct Investments oder Co-Investments.

Ein weiterer Knackpunkt aus Sicht eines Versorgungswerks ergibt sich bei PE-Investments aus regulatorischen Vorgaben. Bei einem Rückgang der liquiden Märkte erhöht sich passiv die Allokation in den illiquiden Märkten. Daher muss „ein gewisser Puffer“ in die Asset Allocation eingebaut werden.

Und die Volatilität dieser Anlageklasse steigt tendenziell weiter, weil immer häufiger Vergleichsbewertungen mit liquiden Märkten eingebaut werden. Das habe insbesondere im 2020er-Rückgang dazu geführt, dass PE-Investments schon im März und April zum Teil sehr deutlich abgewertet wurden – gefolgt von einer ebenso schnellen Erholung im Herbst. „Eine von außen initiierte Volatilität wird in diese Asset-Klasse hineingetragen. Dabei ist Private Equity gedacht als ein längerfristiges Investment“, bemängelt Franken. „Einen Vorteil haben wir aber als Versorgungswerk: Die Anlagequoten werden zu Buchwerten gemeldet.“

Aus Nachhaltigkeitssicht ist die Asset-Klasse nach Einschätzung des Experten eher problemlos. Denn in der Regel finden sich die Zielunternehmen in Sektoren wie beispielsweise Konsumgüter oder Health Care, die klassische Industrie ist eher selten dabei. Allerdings: Im IT-Bereich könnte das Thema Stromverbrauch nach oben gespült werden.

PE-General-Partner sind in der Regel sehr ESG-bewusst angesichts der internationalen Klientel mit teils sehr strikten ESG-Vorgaben. Dies gilt es für den institutionellen Investor bei der Manager-Auswahl zu beachten. Denn als Investor hat man meist keinen Einfluss auf die Zielunternehmen – Ausnahme könnten Co-Investments sein. Letztlich, konstatiert Franken, ist PE aber prädestiniert für Impact Investing.

Private Debt: wichtiger Platz im ALM

Private Debt hat das Versorgungswerk im Rahmen der ALM einen wichtigen Platz eingeräumt, die Allokation in dieser Asset-Klasse baut die NÄV nun sukzessive auf. Da die Haltedauer dieser Asset-Klasse noch kürzer ist als bei Private Equity, müssen in der Regel noch mehr Commitments herausgegeben werden, um den Zielvorstellungen entsprechend investieren zu können.

In Sachen ESG sind die Rahmenbedingungen nach Einschätzung von Franken fast identisch zu Private Equity, da man sich tendenziell im gleichen Marktsegment bewegt – ergänzt gegebenenfalls durch Infrastruktur oder auch Real Estate.

Ein interessantes Spezialthema bei Private Debt sind laut Franken die Schwellenländer. Dort ist das Angebot auf dem Markt zurzeit noch eher gering, das Potenzial indes groß. „Lokale Banken sind oft sehr klein. Gleichzeitig sind die internationalen Entwicklungsagenturen, KfW, GTZ und ähnliche Institutionen vor Ort, achten auf eine Umsetzung von vorher vereinbarten Zielen, achten immer auch auf die Einhaltung von sozialen und Menschenrechtsstandards, sodass eine Vor-Ort Due Diligence geklärt ist“, so Franken.

„Mein Fazit: In Zeiten der niedrigen Zinsen müssen wir den Anlageerfolg nicht mit wenigen Heilsbringern versuchen, sondern wir müssen ihn uns wie ein Eichhörnchen ganz mühsam zusammensuchen.“

Bernd Franken sprach auf der Alternative Investor Conference (AIC) des Bundesverbands Alternative Investments BAI.

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