Zins- und Inflationsanstieg machen die Aktien- und Anleihemärkte zunehmend riskant und unattraktiv. Anleger haben bereits Alternativen gefunden.

Die Zentralbanken reagieren mit Zinsanhebungen auf die gestiegene Inflation. Für die Aktienmärkte, die in den vergangenen zehn Jahren im Rausch billiger Liquidität immer neue Hochs erklommen, ist das Gift. Heftige Kurskorrekturen waren bereits die Folge. Aber auch Anleihen haben in diesem Umfeld ihre kapitalschützende Funktion verloren.

Alternatives auf dem Vormarsch

Besonders Investoren, die Vermögen für ihre Kunden verwalten und deshalb nicht zu stark ins Risiko gehen dürfen, müssen neue Wege finden. So setzen Staatsfonds schon seit Jahren immer weniger auf den Rentenmarkt. Doch anders als bisher fließen die freien Mittel nun nicht mehr in Aktien, wie aus einer aktuellen Umfrage von Invesco Asset Management unter Profi-Anlegern hervorgeht. Stattdessen rücken außerbörsliche Anlagen in den Fokus: Immobilien, Private Equity und Infrastruktur. Mit durchschnittlich 22 Prozent haben sie einen so hohen Anteil in den Portfolios von Staatsfonds wie nie zuvor. Eine große Mehrheit der Befragten von 71 Prozent betrachtet diese Anlagen als effektive Instrumente der Inflationsabsicherung.

Aktuell besitzen Staatsfonds Private-Markets-Anlagen im Wert von 719 Milliarden US-Dollar – ein Anstieg von 250 Prozent gegenüber 2011. Tendenz weiter steigend: 29 Prozent der Befragten wollen in den kommenden zwölf Monaten den Bereich Private Equity ausbauen, bei nicht börsennotierten Immobilien sind es 23 Prozent. Während bei Aktien immerhin noch ein Prozent eine Aufstockung erwägt, planen zwölf Prozent, Anleihen zu reduzieren.

Immobilien trotz Zinsanstieg beliebt

Dass Anleger in Zeiten von Ukraine-Krieg, Energiekriese, Inflation und steigenden Zinsen nicht ausschließlich außerbörslich auf Immobilien setzen, zeigen aktuelle Zahlen von INTREAL, einer auf den Immobilienbereich spezialisierten Service-KVG. Die Hamburger konnten ihre Assets under Administration im ersten Halbjahr um 11,7 Prozent auf 57,2 Milliarden Euro steigern. Die Anzahl der administrierten Fonds stieg um vier Prozent auf 283. INTREAL-Geschäftsführer Michael Schneider räumt jedoch ein, von einem gewissen Rückenwind aus dem Vorjahr zu profitieren, als viele Fonds und Transaktionen mit Partnern auf den Weg gebracht wurden. Für die zweite Jahreshälfte rechnet er mit einer Verlangsamung des Wachstums. Dennoch bleibt er für die Zukunft optimistisch: „Die Branche gewöhnt sich an die neue Normalität. Sie kann mit dem Zinsniveau, das dauerhaft höher ist als in der Vergangenheit, gut umgehen.“

Aktuelle Beiträge

Alles Wichtige für institutionelle Investoren - Kompetent und unabhängig - Jede Woche neu
NEWSLETTER KOSTENLOS ABONNIEREN »
Alles Wichtige für institutionelle Investoren - Kompetent und unabhängig - Jede Woche neu
NEWSLETTER KOSTENLOS ABONNIEREN »