Sport als Anlageklasse ist nicht mehr nur für vermögende Privatpersonen von Interesse. Das stärkste Wachstum finden Fußball-Investoren in England.

Nach der verlustreichen Corona-Saison 2019/20 ist die Fußball-Branche im Jahr darauf in die Erfolgsspur zurückgekehrt. Der gesamte europäische Fußballmarkt wuchs um 9,5 Prozent auf 27,6 Milliarden Euro, woran die fünf großen Ligen aus England, Spanien, Deutschland, Italien und Frankreich mit einem Umsatz von zusammen 15,6 Milliarden Euro (plus 3,3 Prozent) den größten Anteil hatten, wie aus der Deloitte Annual Review of Football Finance 2022 hervorgeht. Auch wenn die Rekord-Saison 2018/19, als europaweit 28,9 Milliarden Euro umgesetzt wurden – davon 17,0 Milliarden Euro aus den sogenannten „Big Five“-Ligen –, noch nicht wieder erreicht werden konnte, hat die Branche das Tal immerhin durchschritten und befindet sich wieder auf dem Weg nach oben.

Ungekanntes Interesse von institutionellen Investoren

An diesem Wachstum möchten vermehrt auch institutionelle Anleger teilhaben. Waren die Club-Investitionen im Fußball in den vergangenen fünf Jahren vor allem von vermögenden Privatpersonen (46 Prozent) oder Private-Equity-Firmen (41 Prozent) geprägt, die von 2014/15 bis 2018/19 in den Spitzenligen durchschnittliche Renditen von 7,2 Prozent pro Jahr erzielten, erkennt die Untersuchung von Deloitte für die Saison 2019/20 ein „noch nie dagewesenes Interesse von institutionellen Investoren“.

Diese Entwicklung dürfte eine direkte Folge der Pandemie sein, denn sie führte dazu, dass verstärkt externe Investoren auf Club- und Ligaebene mit an Bord geholt wurden. So gab es 2021 ganze 15 Investments in Vereine der fünf Top-Ligen, während es 2019 und 2020 in Summe lediglich zwölf waren. Institutionelle Investoren sind jedoch noch deutlich in der Minderheit. Zwei Drittel der Investitionen kamen 2021 aus den USA und nach wie vor zum großen Teil von Privatpersonen oder Private-Equity-Firmen.

Sport als Asset-Klasse

Investoren betrachten Sport inzwischen als eigene Asset-Klasse, deren Herzstück das Wachstum des Fußballs und dessen angrenzenden Geschäftsfelder wie Medien, Technologie oder Gastfreundschaft sind. Ob diese Investitionen tatsächlich zu einer besseren Verwaltung des Fußballs sowie zu einer stärkeren finanziellen Nachhaltig von Clubs und Ligen führen, wie die Autoren der Studie vorhersagen, bleibt gewiss abzuwarten.

Eher werden sie sich in Form von Rendite für die Investoren auszahlen. Und aus deren Sicht dürfte wie für die meisten Fußballprofis England das gelobte Land sein; dort fließt das mit Abstand meiste Geld. Die Vereine der Premier League setzten 2020/21 fast 5,5 Millionen Euro um. Abgeschlagen auf Platz zwei rangiert die deutsche Bundesliga mit 3,0 Milliarden Euro dicht gefolgt von der spanischen La Liga mit 2,9 Milliarden Euro. Italiens Serie A kommt auf 2,5 Milliarden Euro, Frankreichs Ligue 1 auf 1,6 Milliarden Euro.

Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass die Schere weiter auseinandergeht: Bis zur Saison 2022/23 rechnen die Experten von Deloitte mit einem Umsatz der Premiere-League-Clubs von 7,1 Milliarden Euro. Das wäre fast doppelt so viel, wie La Liga erwirtschaftet, die mit 3,7 Milliarden Euro an Bundesliga mit 3,6 Milliarden Euro vorbeigezogen sein wird.

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